Publiziert am: Fr, 3.08.2012

FC Basel: Fragezeichen beim Saisonstart

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Beim FC Basel wurde auf die neue Saison hin einiges umgekrempelt. Mit Beat Naldi übernahm ein neuer Trainer das Amt von Susanne Gubler. Diese ist neu Technische Leiterin Frauenfussball beim FCB. Nationalgoalie Jennifer Oehrli und ihre Positionskollegin Sina Autino werden in den Trainings neuerdings von keiner geringeren als Ex-Nationaltorhüterin Marisa Brunner trainiert. Die Aargauerin amtet zudem auch als Teammanagerin und ist Ansprechperson für die Spielerinnen. Auf dem Platz soll Neuzugang Kerstin Boschert vom SC Freiburg die Führungsrolle übernehmen. Die 29-Jährige übernahm auch gleich das Amt des Captains. Diese drei Eckpfeiler sollen am Rheinknie dafür sorgen, nachhaltig eine erfolgreiche Basis zu schaffen. Ein Besuch im Training vor dem Saisonstart gegen Aufsteiger Thun (Samstag, 16:00 Uhr, Leichtathletikstadion St.Jakob).

Beat Naldi (l.) und sein Assistent Frank Schaus sind vor dem Saisonstart zuversichtlich – aber auch ein wenig nervös. (Bild: S. Degen)

Nur eines ist bei Basel nicht neu: der Anspruch, junge Spielerinnen zu fördern. So schafften gleich vier U18-Spielerinnen den Sprung in die erste Equipe und mit der 15-jährigen Seraina Zwick nahm Beat Naldi ein Talent mit, das er vergangenes Jahr noch in der U16 trainierte. Beat Naldi ist im Frauenfussball kein Unbekannter. Der 64-Jährige lebt heute im Aargau, wuchs aber in der Region Basel auf und ist in Arlesheim geboren. Er gilt als einer der erfolgreichsten FrauenfussballTrainer in der Schweiz. Mit dem SC Luwin wurde er viermal hintereinander Meister und dreimal Cupsieger. Als Coach des FC Aarau stieg er von der 2. Liga nahtlos in die Nationalliga B auf. Nun folgt mit der Übernahme des Traineramtes beim FCB eine Rückkehr in die alte Heimat. Naldi spielte einst selbst auf den Sportanlagen St. Jakob, beim FC Concordia in der 1. Liga. Das war 1968, in längst vergangenen Zeiten. Für Naldi zählt nur die Gegenwart. Mit den Frauen des FC Basel steht heute der Saisonstart an. «Zwei Wochen zu früh», wie er meint. Ein Auftakt mit Fragezeichen also. «Wir wissen nicht recht, wo wir stehen. Wir haben vier Wochen intensiv und gut gearbeitet, aber die Ungewissheit bleibt trotzdem.»

Marisa Brunner trimmt die FCB-Goalies auf Hochform. Hier erklärt sie Jennifer Oehrli die nächste Übung. (Bild: S. Degen)

Dass mit Thun die Aufsteigerinnen der letzten Saison zu Gast sind, sollte kein Nachteil sein. Von den Baslerinnen dürfen zu Saisonbeginn trotzdem keine Wunder erwartet werden. Naldi sagt denn auch, dass er zuerst in den eigenen Reihen Stabilität aufbauen muss. «Wir müssen Geduld haben», sagt er. Vom Meistertitel redet er schon gar nicht. «Die Wünsche wären da, aber zuerst müssen wir das Machbare erreichen», so der Berufsschullehrer. Will heissen, dass wie in der letzten Saison (4. Rang) ein Platz in der oberen Tabellenhälfte angestrebt wird.
Die Favoritenrolle sieht Beat Naldi wie schon in der vergangenen Saison beim FC Zürich. Der aktuelle Meister und Cupsieger kann auf ein praktisch unverändertes, erfahrenes Kader zählen. Ganz anders die Situation in Basel. Beat Naldi und sein Assistent Frank Schaus müssen mit einem sehr jungen Team arbeiten, das im Durchschnitt lediglich 20 Jahre alt ist. Der einzige Neuzugang von auswärts, die 28-jährige Kerstin Boschert, ist die Älteste im Team. Die Deutsche spielte die letzten elf Saisons beim Bundesligisten SC Freiburg und trug dort, wie jetzt auch in Basel, die Captain­binde. Der Trainer verspricht sich von seiner neuen Führungsspielerin einiges: «Sie ist routiniert. Auf dem Platz erwarte ich von ihr, dass sie viel redet und die Führungsrolle übernimmt.»

 

Kerstin Boschert – die neue Captain beim FC Basel. (Bild: S. Degen)

Kerstin Boschert kam nicht in die Schweiz, «um einfach noch ein bisschen Fussball zu spielen», wie sie sagt. Aber der Wechsel von der Bundesliga in die Nationalliga A ist sportlich ein Rückschritt. Boschert ist sich dessen bewusst: «Das Niveau in der Schweiz ist nicht so extrem gut wie in Deutschland.» Doch dies war für die Sport- und Biologielehrerin nicht der ausschlag­gebende Punkt. «Nach elf Saisons in Deutschland wollte ich eine Veränderung. In Basel habe ich eine neue sportliche Herausforderung gefunden. Das Team hat mich toll aufgenommen und es herrschen gute Bedingungen hier», gibt sie sich zuversichtlich. Dass die routinierte Deutsche, welche einst für die U19- und U21-Auswahl auflief, überhaupt Rot/Blau trägt, ist sicherlich auch ein Verdienst von Marisa Brunner. Diese liebäugelte nach ihrem Rücktritt mit einem Wechsel ins Goalietrainer-Amt in Basel und schien nach ihrer Zusage bei Boschert ein gutes Wort eingelegt zu haben. Nachdem Beat Naldi sich von deren Qualitäten in Freiburg selbst überzeugt hatte, kam der Stein dann ins Rollen. Kerstin Boschert wird den FCB-Frauen gut tun. “Sie gibt immer alles”, sagt ihr Trainer mit einem breiten Lachen und meint weiter: “Ich bin froh, dass wir sie haben.” Mit einem Blick auf das Trainingsfeld bestätigt sich diese Aussage. Boschert treibt an, korrigiert hie und da die Jungen, motiviert und hat vor allem auch eines: Spass. Sowie das ganze Team auch. Bei Basel herrscht vor dem Saisonstart sichtlich gute Stimmung.

Dank des frischen Windes, den Beat Naldi und Kerstin Boschert ins Team gebracht haben, hoffen die Baslerinnen auf einen gelungenen Start. Falls nicht: Auf eine englischen Woche zu Beginn, folgen wegen Testländerspielen 21 spielfreie Tage. Diese Zeit will Naldi so oder so nützen, um mit dem umgekrempelten Team noch mehr an der Taktik zu feilen.

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