Publiziert am: Sa, 4.06.2011

Chantal Fimian: Auf dem Weg nach oben

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Bis zum Alter von zwölf Jahren betätigte sich die Solothurnerin Chantal Fimian in bis zu acht Sportarten gleichzeitig. Entschieden hat sie sich letztlich für Fussball. Dass dieser Entscheid richtig war, zeigt der bisherige Verlauf ihrer Karriere. Die GC-Spielerin Chantal Fimian ist kontinuierlich auf dem Weg nach oben.

„Fussball bedeutet mir eigentlich alles. Es ist mehr als ein Hobby, es ist meine Leidenschaft und kommt für mich gleich nach der Familie und der Gesundheit“, beginnt Chantal Fimian das Gespräch auf dem GC Campus. Geerbt hat sie diese Leidenschaft für das runde Leder von ihrem Vater, dem einstigen GC, St. Gallen und YB Stürmer André Fimian. „Er ist mein grösster Fan, aber auch mein grösster Kritiker“, so die 17-Jährige. Auf ihre Karriere hatte der Vater insofern einen Einfluss, als dass er seiner Tochter stets mit Rat und Tat zur Seite stand: „Wenn ich Fragen hatte, konnte ich immer zu ihm gehen. Aber er war nicht ein Vater, der mich dazu drängte, dass ich unbedingt Fussball spielen soll“. Schmunzelnd erinnert sich Fimian, dass sie mit ihrem Vater oft an Sonntagvormittagen Fussball spielen ging, woran die Mutter nicht sonderlich Freude hatte. Chantal Fimian begann ihre Karriere als 6-Jährige beim FC Bettlach, spielte dann lange Zeit mit den Jungs beim FC Solothurn. Mit 14 Jahren schaffte sie bereits den Sprung in die Nationalliga A und spielte knapp ein Jahr beim FFC Zuchwil 05, ehe sie vor zwei Jahren zum Grasshopper Club wechselte. Wenn sie auf den bisherigen Verlauf ihrer noch jungen Karriere zurückblickt, scheint sie zufrieden zu sein: „In Solothurn konnte ich im U-Fussball lange Zeit mit den Jungs mitspielen, das war ein grosser Vorteil. Der Wechsel zu GC war dann ein Meilenstein für mich. Hier profitiere ich von guten und professionellen Trainingsbedingungen und fühle mich sehr wohl.“

Spielt eine zentrale Rolle bei GC: Chantal Fimian (Bild: Chris Blattmann)

Vom Verletzungspech verfolgt

Wir treffen das Nachwuchstalent an einem lauen Dienstagabend in Niederhasli. Eigentlich sollte sie im blau-weissen Trikot auf dem Feld stehen und im Derby gegen den FC Zürich Frauen antreten. Doch eine Knieverletzung, welche sie sich in der EM-Qualifikation anfangs April im Spiel gegen die Ukraine zuzog, lässt keinen Einsatz zu. „Es ist ziemlich hart für mich. Doch nun kann ich bereits wieder joggen und hoffe einfach, dass es für eine Teilnahme an der U19-Europameisterschaft in Italien reichen wird“, gibt sie sich optimistisch. Es ist nicht das erste Mal, dass Chantal Fimian sich nach einer Verletzung zurückkämpfen muss. In der vergangenen Saison zog sie sich gleich im ersten Spiel einen Bänderriss im Knöchel zu und nach dessen Genesung folgte sogleich ein Teilriss des Syndemnosebandes am gleichen Fuss. Vor Jahresfrist riss sie sich an der EM-Qualifikation wiederum die Bänder im Fuss und fiel sechs Wochen aus. „Nun hatte ich neun Monate Ruhe, bis ich mich am Knie verletzte“, sagt sie mit einem gequälten Lachen. Man merkt, dass es der aktiven und ehrgeizigen Spielerin nicht leicht fällt, über ihre Verletzungen zu sprechen. Doch Chantal Fimian ist auch sehr willensstark und hat mit der Zeit gelernt, mit solchen Rückschlägen umzugehen: „Zu Beginn war es schwierig. Ich kann mich erinnern, dass ich früher jeweils alle Poster in meinem Zimmer abhängte, denn ich wollte in solchen Momenten nichts mehr von Fussball wissen.“ In dieser Zeit kann sie auf die Unterstützung ihrer Familie und ihres Teams zählen. Zum Glück erholt sie sich jeweils nach ein paar Tagen vom ersten Schock: „Ich habe mich immer wieder aufgefangen und ging neu motiviert ins harte Aufbautraining.“ Auch wenn Chantal Fimian gesund ist, trainiert sie viel und oft. „Wenn ich es brauche, trainiere ich für mich noch zusätzlich“, gibt sie zu. So geht sie beispielsweise joggen, macht Krafttraining oder feilt an ihrer Technik. „Ich habe keinen fixen Plan. Nebst den vier Einheiten mit GC trainiere ich so, wie ich gerade Lust habe und in dem Bereich, an dem ich noch am meisten arbeiten muss.“ Chantal Fimians Ziel ist es, dereinst Profi zu werden.

Die vielen Talente der Chantal Fimian

Die 17-Jährige, welche ihre Stärken vor allem beim Kopfballspiel, der Athletik und dem Kämpferischen sieht, ist ausgerechnet im Derby zum Zuschauen verdammt. Da sie jedoch auch über ein gutes Mundwerk verfügt, amtet sie an diesem Abend als Platzspeaker und meistert diese Aufgabe mit Bravour. Doch noch lieber würde sie natürlich ihr Team auf der Position der hängenden Spitze zum Sieg schiessen, so wie sie dies in der Rückrunde der Meisterschaft immer wieder getan hat. Fimian schoss in vier Spielen sagenhafte sieben Tore – eine bemerkenswerte Bilanz. „Es gefällt mir sehr gut beim Grasshopper Club, ich kann hier bereits viel Verantwortung übernehmen und bekomme auch viele Freiheiten“, lobt sie ihren Verein, wo sie als hängende Spitze erfolgreich ist. In der U19-Nationalmannschaft ist sie jedoch die unumstrittene Abwehrchefin. Eine schwierige Umstellung? „Nein, dies fällt mir leicht. Schon zu Juniorinnenzeiten spielte ich auf verschiedenen Positionen und habe stets rotiert, das ist kein Problem für mich“, gibt sie sich ganz abgeklärt. Nach dem Wechsel zu den Frauen spielte sie lange Zeit im zentralen Mittelfeld. Insgeheim wusste sie aber schon damals, dass sie noch offensiver ausgerichtet ist. „Scheinbar wollte mir dies aber niemand glauben“, meint sie schmunzelnd. Als sie dann endlich eine Chance bekam, offensiv zu agieren, hat sie diese sogleich gepackt. So gibt sie denn auch zu: „Es gefällt mir schon besser, Tore zu schiessen“.

Die Europameisterschaften vor Augen

Vorerst konzentriert sich Chantal Fimian vor allem darauf, für die U19-Europameisterschaft in Rimini wieder gesund zu werden. Denn das Ziel ist klar: „Wir wollen die WM-Qualifikation schaffen, dazu müssen wir mindestens bis ins Halbfinale vorstossen!“ Gegen Belgien rechnet sie sich gute Chancen aus, da die Schweiz im letzten Sommer ein Freundschaftsspiel dominierte. „Die jetzige italienische Mannschaft kenne ich nicht. Jedoch habe ich noch nie gegen Italien verloren und ich hoffe, dass dies auch so bleibt. Einzig Russland bildet bei Fimian ein Fragezeichen, da sie diese Mannschaft überhaupt nicht kennt. „Ich denke, dass alle drei Gegner in unserer Reichweite liegen. Wenn wir unser Potenzial abrufen, können wir die WM-Qualifikation schaffen.“

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