Veröffentlicht am: Mo, 09. April, 2018

Alisha Lehmann: Mit Lockerheit und Selbstverständnis

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Die 19-jährige Alisha Lehmann vom BSC Young Boys gehört schon in jungen Jahren zum Schweizer A-Nationalteam der Frauen. Erfahrung hat sie als regelmässige Torschützin in den Nachwuchsauswahlen gesammelt – auch deshalb begegnet sie selbst grossen Herausforderungen mit viel Positivität und Lockerheit. Ein Portrait im Hinblick auf die U19-Europameisterschaft in der Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Magazin rotweiss.

Das Zeichen der Wertschätzung hätte nicht offensichtlicher sein können. Im bedeutsamen WM-Qualifikationsspiel des Schweizer Frauen-A-Nationalteams am 5. April gegen Schottland schickte Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg die 19-jährige Alisha Lehmann von Beginn an aufs Feld. Am rechten Flügel brachte sie ihre Qualitäten ein und half mit, den wichtigen 1:0-Sieg für die Schweiz sicherzustellen.

Heimkehr vom bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere. Empfang am Flughafen Zürich nach dem EM-Final 2015 (Bild: Chris Blattmann)

Das Selbstverständnis der 19-jährigen Bernerin kommt nicht von ungefähr. Vor drei Jahren stand sie im Schweizer U17-Team, das an der EM-Endrunde in Island für das beste Ergebnis eines Schweizer Frauenteams an einem grossen internationalen Turnier aller Zeiten sorgte. Die Schweizerinnen hatten sich unter ihrer Trainerin Monica di Fonzo als Gruppensieger noch vor Frankreich für den Halbfinal gegen das hoch favorisierte Deutschland empfohlen und dort dank eines Tores von Amira Arfaoui sensationell mit 1:0 gewonnen. Der Final ging dann zwar gegen Spanien mit 2:5 verloren, dennoch bezeichnet Alisha Lehmann dieses Turnier und vor allem den Halbfinal gegen die Deutschen als Highlight ihrer bisherigen Karriere. Zwei Jahre später – mittlerweile auf Stufe U19 – liess sich das positive Ergebnis gegen Deutschland nicht wiederholen. Die Schweiz unterlag diesmal 0:2 und verpasste die EM-Endrunde 2017.

Zwei Anläufe zum Start

Mit acht Jahren hatte Alisha Lehmann einst beim FC Konolfingen mit dem Fussball angefangen – und nur ein halbes Jahr später wieder damit aufgehört. Sie war als einziges Mädchen in einem Team mit lauter Jungs eingeteilt, irgendwie fand sie die Anbindung nicht und gab bald wieder auf. „Es war nicht so lustig“, sagt sie heute mit etwas Abstand und erzählt, wie sie dann ein Jahr später „plötzlich wieder Lust auf Fussball“ bekommen hätte. Sie war auf dem Pausenplatz immer wieder dem Ball hinterhergejagt, nun wollte sie beim FC Konolfingen einen zweiten Anlauf nehmen. Die Eltern vermittelten, der Wiedereinstieg klappte problemlos, „es gab nun auch einige andere Mädchen im Team und die Sache war nun ganz cool“, sagt Lehmann.

Bald schon wurde sie als talentierte Fussballerin in einen regionalen Stützpunkt in Konolfingen integriert und nach zwei weiteren Jahren durfte sie sich entscheiden, ob sie ihre noch junge Laufbahn beim FC Thun oder beim BSC Young Boys fortsetzen möge. Sie wählte, wie andere ihrer Kolleginnen auch, YB und spielte fortan im U14-Team der Frauen, trainierte aber von der U13 bis zur U15 parallel dazu dreimal wöchentlich auch mit den männlichen Nachwuchsteams und bestritt dort das eine oder andere Testspiel. „Davon habe ich sehr profitiert“, sagt sie nun, da sie den nächsten Schritt längst gegangen ist.

Ab der siebten Klasse belegte sie die von YB koordinierte Sportschule im Berner Länggasse-Quartier, seit knapp drei Jahren absolviert sie nun die Handelssportschule, die ab diesem Sommer noch ein weiteres Jahr andauern wird. In der Winterpause der Saison 2015/2016 war sie bei den Young Boys in das Nationalliga-A-Team integriert worden – und dort konnte sie sich auf Anhieb durchsetzen und erspielte sich einen Stammplatz. Fünf Tore gelangen ihr im Laufe der Finalrunde im Frühjahr 2016, drei allein im Auswärtsspiel gegen den FC Staad.

Mit der U19 will sie in diesem Sommer an der Heim-EM überzeugen (Bild: Andy Scherrer)

Regelmässige Torschützin

Dass sie weiss, wo das gegnerische Tor steht, belegt sie auch in den nationalen Auswahlen. Bei besagter U17-EM-Endrunde in Island war sie für den entscheidenden Treffer zum 1:0 im Vorrundenspiel gegen Irland besorgt, beim U19-EM-Qualifikationsturnier der ersten Phase im Herbst 2016 in Tallinn gelangen ihr gleich fünf Tore, sie traf in allen drei Spielen, beim 9:0 gegen Kroatien gar dreifach. Als sie im Herbst 2017 die erste Reise mit dem A-Nationalteam unternehmen durfte, ging es gleich nach Japan. Im fernen Osten war sie mit ihrem Debüt bei der 0:2-Niederlage auf der obersten Auswahlstufe des SFV angekommen. Das erste Tor gelang ihr beim 4:0-Sieg am Zypern-Cup gegen Finnland – dort gelang es ihr ganz offensichtlich, die Nationaltrainerin für weitere Aufgaben zu überzeugen.

Alisha Lehmann (r) reifte bei YB bereits zur Stammspielerin (Bild: Ronny Frei)

Aufschwung bei YB

Seit vergangener Saison werden die YB-Frauen von der erst 30-jährigen Marisa Wunderlin trainiert, sie hat die Anforderungen spürbar erhöht und das Team weiterentwickeln können. „Die Trainings sind intensiv und zielgerichtet, es wird verstärkt auf Kraftfaktoren geachtet, wir arbeiten insgesamt strukturierter“, erzählt die 19-Jährige Stürmerin.

Das Team hat Perspektive, neben Lehmann stehen mit Francesca Calo, Florijana Ismaili, Carole Fasel, Marilena Widmer und Mimoza Hamidi etliche weitere Akteurinnen im Kader, die es aus der YB-Förderung in nationale Auswahlen geschafft haben. YB verfolgt die Politik, auf eigene Talente zu setzen statt viel Geld in externe Zuzüge zu investieren. Ein Weg, der durchaus erfolgsversprechend verläuft. Aktuell haben sich die Bernerinnen als dritte Kraft hinter den FC Zürich Frauen und dem FC Basel 1893 in der Achterliga etabliert. Alisha Lehmann gehört gemeinsam mit Nationalspielerin Florijana Ismaili mit zehn persönlichen Treffern zu den besten Torschützinnen im Team.

Ausbildung abschliessen

Lehmann selbst wird die Entwicklung von YB auch weiterhin mitprägen wollen, sie sagt, dass ein Transfer aufgrund der Ausbildungssituation für sie derzeit nicht in Frage kommen würde. „Ich bin als „Küken“ bei YB sehr gut integriert und es passt für mich perfekt.“ Was nach ihrer Schulzeit laufen wird in Bezug auf ihre Fussballkarriere, darauf will sie sich noch nicht festlegen. „Ich bin niemand, der etwas erzwingen will und ich schaue auch nicht so weit nach vorne. Ich lasse das einfach auf mich zukommen.“

Ein fixes Ziel hat sie in diesem Jahr erreicht – die fixe Integration ins A-Nationalteam der Frauen. Sie ist im Projekt „Footura“ des SFV eingebunden, in dem Spielerinnen mit dem entsprechenden Potenzial gezielt gefördert werden. „Sehr wertvoll für mich sind die speziellen Videoanalysen und die zusätzlichen Leistungstests. Beides erlaubt es mir, konkrete Verbesserungen anzugehen.“ Diese sieht Lehmann selbst etwa in ihrem Kopfballspiel und im defensiven Zweikampfverhalten. Als Stärken streicht sie ihre Schnelligkeit sowie die Passstärke und -genauigkeit heraus. „Sie ist ein Energiebündel, das kaum zu stoppen ist“, hatte Monica di Fonzo im Umfeld der U17-Europameisterschaft 2015 über Alisha Lehmann gesagt. Sie sollte Recht behalten.

Alisha Lehmann

* 21. Januar 1999

Position:
Mittelfeld offensiv, Stürmerin

Aktueller Verein:
BSC Young Boys

Vereinsstationen:
7/2008-8/2011  FC Konolfingen

Erfolge:
2. Rang U17-EM 2015 in Island
Schweizer Cup Halbfinal 2016/2017 (mit BSC Young Boys)

Nationalteam:
5 Länderspiele für das Schweizer A-Nationalteam (1 Tor)
17 Spiele für die Schweizer U19 Frauen (6 Tore)
19 Spiele für die Schweizer U17 Frauen (6 Tore)


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