Veröffentlicht am: Mi, 14. Februar, 2018

Noa Schärz – «Ein grosses Talent auf nationalem Niveau»

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Das Cup-Duell zwischen dem FC Eschenbach (1. Liga) und den Grasshoppers (NLA) vom August 2017 bedeutete für sie eine lange Pause. Bei einem Richtungswechsel mit Drehung riss sich Noa Schärz das Kreuzband, das Innenband und den Meniskus. Bei ihrem Weg zurück begleitet Noa ein grosser Traum: die Teilnahme an der U19-Heim-EM im kommenden Sommer.

Normalerweise trainiert Noa Schärz sechs Mal die Woche mit ihrer Mannschaft, den Grasshoppers Zürich Frauen. Seit ihrem Kreuzbandriss vergangenen Sommer sieht sich die 17-Jährige jedoch gezwungen, mit Physio und Krafttraining vorlieb zu nehmen. Nach anfänglichen Komplikationen geht es bei Noa nun bergauf: «Nach der ersten Operation hat es Verklebungen im Knie gegeben, sodass ich es nicht richtig biegen konnte.» Eine zweite Operation war nötig, wodurch sich die Genesung um zwei Monate verzögerte. «Ich bin im Nachhinein froh, den zweiten Eingriff gemacht zu haben. Ich konnte das Knie bereits im Spital viel besser bewegen», meint Noa. Heute, fünf Monate später, zeigen sich bereits einige Fortschritte: «Ich kann endlich wieder mit dem Ball jonglieren, Fahrrad fahren und seit zwei Wochen darf ich zehn Minuten ganz ganz locker joggen.» Nach dem etwas harzigen Start sei es eine riesige Freude gewesen, als Noa das erste Mal nach der Operation wieder mit dem Ball jonglieren konnte. Der Weg zurück auf den Fussballplatz braucht jedoch noch immer viel Geduld: «Die Physiotherapeutin meint, es geht noch etwa 3-4 Monate, bis ich wieder mittrainieren kann.“

Im März deutete für Noa Schärz (r) noch nichts auf die Zäsur in der Karriere hin (Archivbild: Chris Blattmann)

Die Heim-EM bleibt auf dem Plan

Die Knieverletzung ist für Noa Schärz kein Grund, den Traum von der Teilnahme an der U19-Heim-EM (18. bis 30. Juli 2018 in Biel, Yverdon, Wohlen und Zug; Anm.d.Red.) aufzugeben. «Mir ist bewusst, dass ich nicht in der Startelf sein werde. Die Nati-Trainerin hat mir aber vor Kurzem gesagt, dass sie mir die Chance einer Turnierteilnahme gerne geben würde.» Trotz diesen positiven Signalen von Seiten der Trainerin Nora Häuptle ist Noa realistisch genug, um sich nicht zu grosse Hoffnungen zu machen. Das Vertrauen, dass das Knie dann hält, sei eine der schwierigsten Hürden. Beim Gedanken an die EM kommt die 17-Jährige ins Schwärmen und man sieht, wie gross ihr Wunsch ist, im Sommer ein Teil des Teams zu sein. «Ich stelle mir die Stimmung im Stadion sehr cool vor und ich denke, das ganze ist sicherlich auch eine riesige Erfahrung.»

Ausbildung und Sport gehen aneinander vorbei

Noa Schärz begann im zarten Alter von vier Jahren mit dem Fussball. «Mein zwei Jahre älterer Bruder war bereits im Fussballverein und ich habe oft mit ihm gespielt. Irgendwann wollte ich dann selber in den Verein.» Von diesem Tag an war und ist der Fussball ein fester Bestandteil von Noas Leben. Da stellt die Ausbildung zum Koch, die mit Abend- und Wochenendeinsätzen verbunden ist, keine Hürde dar. Es ist zwar eine Herausforderung, Lehre und Fussball unter einen Hut zu bringen, aber dank ihrem verständnisvollen Lehrmeister René Kaufmann ist dies möglich. «Mein Lehrmeister kommt mir sehr entgegen und betont immer, dass der Fussball an erster Stelle kommt, was ich sehr schätze.» Um dem Fussball etwas mehr Raum zu geben, hat Noa die Möglichkeit, die Lehre in vier statt in drei Jahren zu absolvieren. Dafür kann sie abends ins Training und an den Samstagen an die Matches. «Dann arbeite ich halt jeweils am Sonntag», erklärt sie. Die Kombination zwischen Lehre und Sport sei zwar sehr anstrengend, aber es mache ihr beides grossen Spass. «Der Lehrmeister sagt mir immer, ich solle mich sofort melden, wenn es mir zu viel wird.» Ein Spiel konnte dieser aufgrund der Arbeit noch nicht besuchen, «die EM würde er sich aber nicht entgehen lassen», sagt Noa.

Ein grosses Repertoire

Noa Schärz mit Trainer Miodrag Tomanic (Bild: Ronny Frei)

Im Gespräch mit Noa wird schnell klar, diese junge Fussballerin hat Ambitionen, hat Feuer und ist ehrgeizig. Dies sieht auch Mischa Tomanic, Trainer der Grasshoppers: «Noa ist ehrgeizig und will jedes Duell gewinnen», sagt er, «sie ist gut und will besser werden und sie ist ganz klar fussballhungrig.» Noa selber beschreibt sich eher bescheiden: «Mein Selbstvertrauen ist nicht so gross und ich finde auch nicht, dass ich ein grosses Talent bin. Ich kann es daher nicht nachvollziehen, dass ich im Footuraprojekt bin. An der EM-Quali in Israel betrug meine Spielzeit wenige Minuten. Darum war ich sehr überrascht. » Ihre Spielart beschreibt Noa als «kämpferisch». «Was mich ausmacht ist die Freude am Spiel. Ich bin nicht sehr kräftig und liege deshalb sehr schnell am Boden. Ich versuche aber, dies mit meiner Technik zu kompensieren.» Trainer Tomanic schwärmt: «Noa ist ein grosses Talent auf nationalem Niveau. Sie hat einen harten und genauen Schuss, kann aus dem Stand und aus der Bewegung schiessen, passt beidfüssig. Sie ist kreativ und das Dribbling ist ihre grösste Stärke. Der Ball ist ihr Freund.»

Der Weg ist das Ziel

Bis zur U19-EM verbleiben Noa Schärz noch knapp fünf Monate. Der Wille ist definitiv da und auch an Fähigkeiten mangelt es der bescheiden auftretenden Spielerin nicht. Auch wenn wegen der Verletzung die EM-Teilnahme noch ungewiss ist, kann Noa etwas Gutes in diesem Rückschlag sehen. «Der Unfall hat mich verändert. Am Anfang war ich sehr verschlossen und wollte nicht über meine Verletzung und meine Gefühle sprechen. Aber nach und nach begann ich mit meinen besten Freundinnen zu sprechen und habe gelernt, auch zu sagen, wie es mir wirklich geht. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.» Eines ist klar, Noa gibt nicht auf und die Teilnahme an der U19-EM hat höchste Priorität. Wenn die Reha gut verläuft, wird sie, wie GC-Trainer Tomanic es ausdrückt: «bald wieder das tun, was sie am besten kann, nämlich Fussball spielen.»


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