Veröffentlicht am: Fr, 15. Dezember, 2017

Jana Brunner – Ballerina

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Sie ist gerade einmal 20 Jahre alt, verfolgt ihre Ziele konsequent und lässt sich keinen Zeitplan aufdrängen. Jana Brunner kam vom Bodensee und reifte beim FC Basel zur Stamm- und Nationalspielerin heran und hat noch viele Pläne für die Zukunft. Ein Portrait in Zusammenarbeit mit dem Magazin Rotblau.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jana Brunner ein Basler Läckerli isst. Als Kind habe sie das Gebäck bereits einmal probiert, sagt sie in breitem Ostschweizer Dialekt. Klar, die Biberli als Spezialität aus ihrer Heimat, kennt sie besser. Doch nun beisst Jana Brunner seit langem wieder einmal in ein Läckerli und findet: „Es schmeckt sehr gut.“

2014, als dieses Bild entstand, lief Brunner noch für den FC Staad auf (Archivbild: Chris Blattmann)

Von Biberli zu Läckerli – die Umstellung der regionalen Gebäck-Spezialität bereitet Jana Brunner keine Probleme. Als die 20-Jährige im vergangenen Januar vom FC Staad zum FC Basel wechselte, gab es jedoch durchaus Dinge, an die sie sich zuerst gewöhnen musste. Neue Stadt, neuer Club, neues Umfeld – und vor allem mehr Training. Es ist viel passiert im letzten halben Jahr – nebst dem Wechsel hatte Brunner auch ihre ersten Einsätze als A-Nationalspielerin.

Doch der Reihe nach: Die erste Trainingswoche anfangs Januar mit dem neuen Team hat Jana Brunner noch gut in Erinnerung. Es sei sehr kalt gewesen, die Einheiten anstrengend. „Die Umstellung war extrem hart. In Staad trainierte ich vier Mal pro Woche, bei Basel war es doppelt so viel. Ich hatte Muskelkater und habe viel mehr Schlaf gebraucht.“ Nach einer gewissen Angewöhnungszeit blieb aber auch Zeit, um sich in der Stadt umzusehen. Was Jana Brunner sah, gefiel ihr gut. Sie sei positiv überrascht gewesen, was Basel alles zu bieten habe, erzählt sie. Manchmal läuft sie mit ihrer Kamera durch die Stadt – Fotografie ist Jana Brunners Hobby.

In diesem Sommer war sie mit den Teamkolleginnen oft am Rhein – in den Rhein will sie auch unbedingt noch schwimmen gehen. „Das fehlt mir noch“, sagt sie. Vielleicht nimmt sie dann Sabrina Horvat mit, mit der sie in der Lehenmatt eine Ostschweizer-Wohngemeinschaft bildet. Auch der Auszug vom Elternhaus in eine eigene Wohnung war für Brunner eine Umstellung, die sie jedoch gut gemeistert hat.

Denn sie wollte das so. Es war im letzten Herbst, als sich Jana Brunner entschied, dass sie im Fussball einen Schritt weitergehen möchte. Schauen, was alles möglich ist, wie weit ihr Können reicht. So gut es ihr in Staad gefiel, Brunner wusste, dass sie den Club wechseln muss, damit sie sich verbessern kann und mehr gefordert ist. Ein Wechsel hat ihr auch Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg nahegelegt, auf deren Radar Brunner als Innenverteidigerin schon länger war. Dass sie beim FCB mit Sissy Raith auf ihre ehemalige Trainerin aus Staad traf, freute Brunner natürlich. Denn: „Sissy kennt mich und ich kenne ihre Trainingsphilosophie. Sie kann mich fordern und fördern. So ist etwa mein Kopfballspiel im letzten halben Jahr markant besser geworden und auch physisch habe ich zugelegt.“

Dass sie das Kopfballspiel verbesserte, demonstrierte Jana Brunner Ende März im Heimspiel vor 3000 Zuschauern im St. Jakob-Park, als sie gegen die FC Zürich Frauen per Kopf den Ehrentreffer für den FCB erzielte. Auch wenn Basel mit 1:3 unterlag, bezeichnet Brunner dieses Spiel als Höhepunkt ihrer bisherigen Zeit in Basel.

War das Tempo in den Trainings und im Spiel bei Staad noch deutlich geringer, muss sich Brunner bei Basel nun mehr konzentrieren und mehr Gedanken machen, wie etwa der nächste Spielzug aussieht. Sissy Raith schätzt Jana Brunner nicht nur als absolute Teamplayerin, sondern lobt auch ihre Einstellung: „Jana ist aufmerksam, diszipliniert und kann das Geforderte schnell umsetzen. Sie ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. Für ihr junges Alter übernimmt sie bereits viel Verantwortung und strahlt auf dem Platz Ruhe und Souveränität aus.“ Nicht nur wegen ihrer Körpergrösse von 1.78 Meter ist Brunner prädestiniert für die Innenverteidigung, sondern auch vom Spielertyp her: Sie ist der ruhige Kämpfertyp, schnell und behält die Übersicht. „Manchmal löse ich Situationen auf eher ungewöhnliche Art. Ich will immer auf den Beinen bleiben. Das Grätschen muss ich glaub noch lernen“, sagt sie und lacht.

Apropos Lernen: Das tut Jana Brunner seit Mitte August auch wieder abseits des Fussballfeldes. Sie hat ein Studium in Betriebsökonomie aufgenommen. „Fussball war früher mein Ausgleich, jetzt ist es das Lernen. Dabei kann ich abschalten und mache mir nicht zu viele Gedanken über den Fussball.“ Die Ausbildung war ihr schon immer wichtig. Als sie einst ein Aufgebot für das U16-Nationalteam erhielt, lehnte Brunner ab, weil sie eben erst ihre dreijährige KV-Lehre auf der Kantonalbank in Altstätten im St. Galler Rheintal angefangen hatte. „Damals hat es mir gereicht, so wie es war. Ich wollte die Lehre wie geplant durchziehen und habe mir keine anderen Gedanken gemacht. Ich dachte, wenn es nochmals eine Chance für das Nationalteam gibt, ist das toll, ansonsten ist es kein Weltuntergang“, erinnert sie sich.

In diesem Sommer kam Jana Brunner (r) im Testspiel des A-Nationalteams gegen England zum Einsatz (Archivbild: Peter Ganser)

Die Chance kam, im November 2015 erhielt Brunner ein U19-Aufgebot. Sie nahm es an. Auch, weil sie die Lehre inzwischen beendet und wieder mehr Zeit hatte. Dieser Zusammenzug war prägend, denn die talentierte Innenverteidigerin hatte Blut geleckt und merkte: Da geht noch mehr. Als sie dann im November 2016 das erste Aufgebot für das A-Nationalteam erhielt, hat sie sich erst einmal einfach nur gefreut. Im nächsten Moment dachte Jana Brunner aber: „Hui, nun werde ich mit all den grossen Namen auf dem Platz stehen. Kann ich da überhaupt mithalten? Es war Anspannung und Vorfreude gleichzeitig. Beim ersten Training wurde ich dann auch gleich ein paar Mal einfach ausgespielt, das war ein bisschen peinlich. Aber ich habe sehr viel gelernt und es das nächste Mal bereits besser gemacht.“

Jana Brunner hat es danach immer besser gemacht, sich stetig gesteigert. Logisch, dass das erste Länderspiel nicht lange auf sich warten liess. Anfang März spielte sie am Zypern-Cup gegen Nordkorea erstmals für die Schweiz. „Ich war nervös, mein Körper voller Adrenalin. Aber letztlich habe ich mich gut ins Team eingefügt und ging zufrieden vom Platz.“ Auch einer der bislang letzten Einsätze für die Schweiz wird die zehnfache Nationalspielerin in bleibender Erinnerung behalten: An der Europameisterschaft in den Niederlanden stand sie im zweiten Gruppenspiel gegen Island 90 Minuten auf dem Platz, die Schweiz gewann 2:1.

Jana Brunner hat im letzten halben Jahr wahrlich viel erlebt. Neue Stadt, neuer Club, neues Umfeld. A-Nationalspielerin und EM-Teilnehmerin. „Von Null auf Hundert“, so bezeichnet sie ihren Aufstieg. Dieser soll noch lange nicht zu Ende sein. Für die laufende Saison hat sich Jana Brunner mindestens einen Titel zum Ziel gesetzt, will Meisterin oder Cupsiegerin werden. Oder am liebsten das Double holen. Zur Belohnung kann sich Jana Brunner dann wieder ein Basler Läckerli gönnen.

Fussballclub Staad, WomensCup, Carlos Enrique Girnt, RH-News, Pascal Oliver Hauser, Lena Bruderer, Jürg Huggler, Ananda M Sutter, Beat Linder, Fabienne Schwarz, Rachel Miriam Rinast, Sarah Giezendanner-Eugster, Jens-Uwe Ludwig, Sabine Ryser, Julia Metzler, Miriam Bucher, Moni Fussballerin, Beat Steiner, Monica Luraschi, Annika Niebuhr, Justine Sina Wächter gefällt dieser Artikel

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