Veröffentlicht am: So, 05. November, 2017

Nationalligateams scheitern im Cup gleich reihenweise

Eine Newsmeldung präsentiert von:

Der Achtelfinal des Schweizer Pokals war reich an Überraschungen. Gleich mehrere Teams aus der Nationalliga mussten sich unterklassigen Gegnern geschlagen geben. Wenn auch teilweise äusserst knapp.

Servette FC Chênois – BSC Young Boys 7:6 nE (0:1, 2:2, 2:2)

Es war in jeder Beziehung eine besondere Begegnung. Erstmals wurde im Stade de Genève ein Frauenfussballspiel ausgetragen. Und da sich in diesem Jahr Chênois Servette angeschlossen hat, gibt es ausserdem eine Parallele zu den Anfängen des Stadions. Denn zur Eröffnung im Jahre 2003 empfingen die Genfer ebenfalls die BSC Young Boys, allerdings waren damals die Teams der Herren im Einsatz. Entsprechend viel nahmen sich die Gastgeberinnen vor. Zunächst konnten die Gäste durch Alisha Lehmann in der 34. Minute standesgemäss in Führung gehen und diese sieben Minuten nach dem Seitenwechsel noch auf 2:0 ausbauen. Das Team von Marisa Wunderlin verstand es aber nicht, diese Führung bis zum Ende der Partie zu verwalten, geschweige denn zu erhöhen. Die aufsässigen Westschweizerinnen schlossen nur drei Minuten später dank eines Treffers von Marie Duclos auf 1:2 auf und glichen gar noch in der regulären Spielzeit aus (Emma Faure, 69.). Weder in den verbleibenden, noch in den 30 Zusatzminuten gelang es einem der beiden Teams, sich den Sieg zu sichern. Im abschliessenden Elfmeterschiessen konnte YB gleich doppelt vorlegen, da sowohl Julia Schassberger, als auch Noemi Gillmann ihre Versuche erfolgreich verwandelten, während Sarah Da Riva scheiterte. Doch auch dieser erneute Zweitorevorsprung reichte nicht. Am Ende war es das Tor von Laura Tufo, welches die Partie entschied und für die erste kleine Sensation des Cupwochenendes sorgte.

FC Basel 1893 – Grasshopper Club Zürich 2:1 n.V. (1:1, 1:1)

(sd) Die FCB-Frauen stehen im Viertelfinal des Schweizer Cups. Das war die gute Nachricht aus Basler Sicht. Die Schlechte: Melanie Huber verletzte sich am rechten Knie und musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden. Die Innenverteidigerin blien nach einem Zusammenprall in der zweiten Halbzeit minutenlang liegen und musste gepflegt werden. Die genaue Diagnose steht noch aus.

Celina Tenini (r) konnte die Gäste zwar in Führung bringen, zum Sieg reichte es erneut nicht (Bild: Florian Hepberger)

Die Partie vor 200 Zuschauern begann für das Heimteam nicht gut: Bereits in der 9. Minute traf Celina Tenini nach einer Standardsituation zur 1:0-Führung für GC. Es sollte – abgesehen von einem Lattenschuss nach einer guten halben Stunde – die einzige wirkliche Torchance der Zürcherinnen sein. Danach entwickelte sich eine muntere Partie, mit leichten Vorteilen für den FCB. Rachel Rinast traf in der 25. Minute zum Ausgleich, in der 40. hätte Franziska Jaser die Führung erzielen müssen, doch GC-Keeperin Nadja Furrer parierte glänzend – und tat dies in der Folge auch noch bei weiteren Chancen der Baslerinnen.

In der zweiten Halbzeit dann der Zwischenfall mit dem Ausfall von Melanie Huber. Statt geschockt, spielten die FCB-Frauen gestärkt auf, auch dank Stenia Michel, die Ruhe ausstrahlte und welche ihr Team von hinten aus gut coachte und dirigierte. Ein Tor fiel allerdings nicht mehr, es kam zur Verlängerung. Da zeigten sich die Zürcherinnen bemüht und kämpferisch, doch Basel blieb spielbestimmend. Ein Schuss von Kristina Sundov in der rechten Hälfte des Strafraums in der 95. Minute parierte Furrer erneut, liess den Ball jedoch abprallen. Rinast sagte danke und traf zum 2:1. Es war die Entscheidung. Denn Caroline Müller bekundete mit dem Lattenknaller in der 114. Minute Pech. So setzte sich Basel im einzigen NLA-Duell der Runde knapp durch und feierte den zweiten Sieg über die Hoppers innert 8 Tagen.

FC Luzern Frauen (1. Liga) – FC Aarau Frauen 3:2 (3:2)

Das Breitensportteam des FC Luzern trat mit breiter Brust auf. In der Meisterschaft liegt es nach 10 Runden auf dem zweiten Tabellenplatz der ersten Liga, hinter den Kantonsrivalinnen aus Küssnacht am Rigi. Mittelfristig strebt man den Aufstieg in die Nationalliga B an. So malte man sich auch die Möglichkeit eines Sieges gegen den A-Ligisten Aarau aus, zumal die Aargauerinnen bisher in der Meisterschaft noch ohne Punkt blieben. Entsprechend selbstbewusst gab sich auch Trainer Vincent Verceuil: “Wir wussten, wozu wir fähig sind und dass Aarau keinen guten Saisonstart hatte. Wenn wir alles in die Waagschale werfen, können wir gewinnen.” Die Waagschale war randvoll, denn Luzern zog sich nicht in die eigene Hälfte zurück und lauerte auf Konter, sondern spielte offensiv, stand hoch und spielte ein effizientes Pressing. Aarau kam damit überhaupt nicht zurecht, tappte immer wieder in die Abseitsfalle und liess sich von den Erstligistinnen dominieren. Schon nach vier Minuten wurde Jill Schneider, im Cup die Torhüterin des FCA, erstmals geprüft und konnte den Ball noch über die Latte lenken. Beim nachfolgenden Eckball sah die Abwehr der Gäste aber sehr schlecht aus. Im Zentrum fühlte sich keine Spielerin zuständig, wofür sich Noemi Krummenacher mit einem satten Schuss ins weite Eck bedankte. Wer diesen frühen Rückstand aber als Weckruf auf Seiten des Teams von Andreas Zürcher erwartete, sah sich getäuscht. Weiterhin war Luzern das spielbestimmende Team. Keine Viertelstunde war gespielt, als Schneider erneut hinter sich fassen musste. Tanja Faden tankte sich durch die gegnerischen Reihen, spielte Genita Dervishaj auf der rechten Seite in den Lauf, welche nur noch verwandeln musste. Es dauerte gut 30 Minuten, bis Aarau die Partie übernahm und endlich seine Stärken ausspielte. Mara Gloor zog bis zur Grundlinie, bediente Julia Höltschi in der Mitte, welche aber das Leder noch über das Tor zog. In der 37. Minute konnte Aarau verkürzen, nachdem man mit einem schönen Spielzug, ausgehend von Lara Jenzer, bis zu Höltschi erstmals jubeln konnte. Nur drei Minuten danach gelang gar der Ausgleich. Stephanie Erne profitierte von einem kollektiven Blackout beim FCL. Die gesamte Hintermannschaft erwartete einen Abseitspfiff, der aber nicht kam. So konnte die ehemalige YB-Spielerin ungehindert auf 2:2 erhöhen. Kurz vor dem Pausenpfiff war es aber wieder Krummenacher, welche mit dem wohl schönsten Tor der Pokalrunde für den Endstand sorgte. Aus rund 20 Metern traf sie aus der Drehung ins rechte hohe Eck. Unhaltbar für Schneider.

Nach der Pause blieb die Kadenz hoch, doch die Aarauerinnen waren im letzten Drittel des Spielfeldes zu konzeptlos. Sowohl Mara Gloor, wie auch Julia Höltschi hatten zwar ihre Möglichkeiten, doch vermochten sie den erneuten Ausgleich nicht zu erzielen. Auf beiden Seiten schwanden die Kräfte, die Partie wurde gehässiger und es war sicher zu Gunsten des FC Luzern, dass Jehona Mehmeti nach 78 Minuten die gelb/rote Karte sah und sich in die Garderobe verabschieden musste. In Unterzahl vermochten die Oberklassigen den nötigen Druck nicht mehr zu erzeugen. Luzern gab ihnen zwar noch die Möglichkeit dazu, als Alea Räber mit einem Foul für einen Elfmeter sorgte. Chloé Sylvestre zeigte aber Nerven und scheiterte Laura Schneider. Das 1. Liga-Team des FCL verdiente sich damit das Überwintern im Pokal und freut sich auf die Fortsetzung 2018.

Die weiteren Partien des Wochenendes

Keine Mühe hatte das Spitzensportteam des FC Luzern beim FC Bühler. Mit einem 2:0, welches durchaus noch höher hätte ausfallen können, überwintert es ebenfalls im Schweizer Cup. Für die nächste Überraschung sorgte aber der FC Rapperswil-Jona. Die St. Gallerinnen empfingen mit dem FC Walperswil die Aufsteigerinnen in die Nationalliga B und konnten das Spiel schon früh für sich entscheiden. Einer 3:0-Führung blieb den Gästen nur der Anschlusstreffer zum finalen 3:1 am Zürichsee. Nachdem der FCRJ in der letzten Runde schon den FC Schlieren eliminierte, musste nun auch der nächste B-Ligist daran glauben und sich aus dem Cup verabschieden.

Am Sonntag kam es dann wie erwartet zu keinen Überraschungen mehr. Yverdon Féminin konnte den FC Gossau mit 2:0 bezwingen, der FC Zürich Frauen gewann souverän mit 5:0 gegen den FC Thun Berner-Oberland. Knapp wurde es allerdings in der letzten Partie des Achtelfinales. B-Ligist Therwil empfing Lugano Femminile und ging nach 59 Minuten durch Maureen Studer in Führung. Erst neun Minuten vor Ende der Partie vermochten die Tessinerinnen dank eines weiteren Treffers von Catherine Zimmerman auszugleichen und es sah danach aus, als würde es auch in diesem Spiel in die Verlängerung gehen. Ein Eigentor von Tanita Mathys in der zweiten Minute der Nachspielzeit beerdigte aber die Hoffnungen des Therwiler Anhangs, auch in diesem Spiel eine kleine Überraschung zu schaffen.

(Titelbild: FC Luzern Frauen)
Adi Vetter, Beat Steiner, Robert Schürch, Emanuela Schürch, Vanessa Zihlmann, Axl Klausecker, Marianne van Weezenbeek, Glenn Meier, Iwan Schnüriger, Carla Hager, Andressa Stinson, Miriam Bucher, Eva-Maria Lucena, Melanie Niederberger, Zihlmann Reto, Deborah Näpfli, WomensCup, Markus Schärer, Martina Stirnimann, Laila Koch, Babsi Fit, Mirjam Strässle gefällt dieser Artikel

Holen Sie sich die App des Frauenfussball-Magazins und bleiben Sie immer bestens informiert:

Dein Kommentar

XHTML: Du kannst diese html tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Log in here!