Veröffentlicht am: So, 19. November, 2017

Das Spitzentrio rückt zusammen

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Es hätte der Abend der Überraschungen werden können. Aufsteiger Aarau roch an der kleinen Sensation, konnte am Ende aber doch jubeln. Zürich fehlte es an Ideen und Luzern wurde ausgebremst. Die 10. Runde der Nationalliga A im Überblick.

BSC Young Boys – Yverdon Féminin 4:0 (0:0)
(mb) Als Florijana Ismaili in der 55. Minute frei gespielt wurde, allein auf Estelle Zurkinden im Tor von Yverdon zulief, den rechten Fuss aufdrehte und den Ball mit dem Innenrist an der gegnerischen Hüterin vorbei ins Netz schob, da sah man ihr und ihrem ganzen Team die Erleichterung an. Dieses 1:0 war wichtig. Ismailis Treffer war der erste einer Partie, die immer stärker von den Bernerinnen dominiert wurde, in der sie immer mehr Chancen hatten, aber auch schon so viele davon hatten liegen lassen, dass sich erste Zweifel hätten breit machen können. Doch dann kam eben Ismaili und alles wurde gut für die YB-Frauen.
In der ersten Halbzeit hatten sie noch einige Mühe gehabt mit den aufsässigen Westschweizerinnen. Die Gäste machten den Eindruck, seit ihrem schwierigen Saisonauftakt, als sie fünf Spiele lang auf ihr erstes Tor warten mussten, einige Fortschritte gemacht zu haben. Viele Chancen hatte Yverdon nicht. Einmal verpasste Mirjana Pajovic eine Flanke nur knapp, einmal dribbelte sich Qendresa Krasniqi durch die Abwehr. Aber die Gäste nahmen die Zweikämpfe an und engten die Bernerinnen spürbar ein.
Erst nach und nach lief das Zusammenspiel der Bernerinnen an. Kim Dubs und Alisha Lehmann vergaben Chancen, aber als sich YB entschied, durchgehend hoch zu stehen, war es um Yverdon geschehen. Jetzt zeigten die Bernerinnen die Konsequenz, die ihnen zuvor gefehlt hatte, jetzt legten sie ihre Zurückhaltung ab und hielten sich durchgehend in der Platzhälfte des Gegners auf. Die Tore folgten: Alisha Lehmann traf in der 68. Minute durch einen Weitschuss, Ismaili in der 74. Minute ebenfalls, und zwar mit einem aussergewöhnlichen harten.

Stimmungsvolle Atmosphäre beim Spiel der BSC Young Boys (Bild: Martin Bieri)

Zu diesem Zeitpunkt profitierte YB vom Ausfall von Audrey Riat, die ihre Abwehr bis dahin noch einigermassen zusammen gehalten hatte. Vor der Partie hatte die Kapitänin ihrem Team noch Mut zugesprochen und darum gebeten, alles zu geben, bis man sich auswechseln lassen müsse. Ohne sie hielt Yverdon nicht mehr stand und die Kräfte reichten auch nicht mehr. In der Nachspielzeit kassierten die Gäste sogar noch das vierte Tor. Ismaili traf wieder schön, ebenso schön freigespielt von Melanie Müller. Puristen werden sich nun darüber streiten, ob diese drei Tore von Ismaili ein Hattrick waren. Mit Sicherheit sagen kann man jedoch: Mit dem dem ersten hat sie ihrem Team einen grossen Gefallen getan.

Grasshopper Club Zürich – FC Luzern 4:3 (1:2)
Gross war am letzten Samstag der Jubel in Luzern, als man erstmals die Tabellenspitze erspielen konnte (unser Bericht vom 12.11.2017). An diesen Erfolg wollte man gegen die zuletzt schwächelnden Grasshoppers auf deren Campus anknüpfen und länger als nur eine Woche auf dem 1. Platz bleiben. Dass dies kein leichtes Unterfangen würde, zeigte sich für das Team von Glenn Meier bereits nach 8 Minuten, als Caroline Müller die Einheimischen in Führung brachte. Die Hoppers dominierten weiter und verzeichneten gleich eine Reihe von Möglichkeiten, welche aber allesamt ungenutzt blieben. Erst nach 23 Minuten hätte Irina Brütsch den Ausgleich erzielen können, scheiterte aber ebenso, wie im Gegenzug Celina Tenini auf der gegnerischen Seite. Die Bemühungen der Zentralschweizerinnen wurden nach rund einer halben Stunde belohnt, Chantal Wyser glich die muntere Partie aus. Eine Zeigerumdrehung später wäre sogar die Führung möglich gewesen, doch Nadja Furrer hielt die Zürcherinnen im Spiel. Mit dem Pausenpfiff gelang der zweite Treffer dann doch noch, einmal mehr liess sich Géraldine Reuteler in die Liste der Torschützinnen eintragen.  Es schien, als würde die Ineffizienz der Hoppers auch in diesem Spiel wieder zum zentralen Problem zu werden.
Caroline Müller bewies allerdings nur zwei Minuten nach dem Seitenwechsel, dass sie in dieser Saison zu den gefährlichsten Torschützinnen der Liga gehört. Mit ihrem zweiten Treffer glich sie die Partie für die Hoppers wieder aus. Dieses Unentschieden blieb bis kurz vor Ende der Begegnung bestehen, obwohl beide Teams durchaus Möglichkeiten verzeichneten, diese aber nicht zu nutzen wussten. Drei Tore in den letzten 6 Minuten änderten das Bild aber nochmals komplett. Brachte Reuteler ihr Team erneut in Führung und damit zurück auf den virtuellen Thron, machten Sara Andresen (86.) und Laura Walker (91.) diese Träume wieder zunichte. Luzern musste damit aufgrund des Torverhältnisses den ersten Platz bereits wieder an den FC Zürich Frauen abgeben.
FC Aarau Frauen – FC Basel 1893 1:1 (1:0)
Ungenügende Leistungen brachten Aarau-Trainer Andreas Zürcher zuletzt in Rage. Dass die Aufsteigerinnen ausgerechnet gegen das Spitzenteam aus Basel erste Punkte holen würde, war auch heute nicht zu erwarten. Insbesondere die Defensive gab zu Bauchschmerzen Anlass. Dies sollte mit der Rückkehr von Delia Lahmici Schnee von gestern werden. Schnell zeigte sich, dass diese Hoffnungen berechtigt waren. Basel war zwar in der Startphase das spielbestimmende Team, doch die Verteidigung des FCA war nicht zu überwinden. Doch auch die gegnerische Seite hatte die Konterversuche der Einheimischen im Griff. Nach 19 Minuten konnte sie allerdings mit einem Standard bezwungen werden, Lara Jenzer bejubelte ihr Tor und brachte den FCA tatsächlich in Führung. Im Schachen keimte nun die Hoffnung auf, nicht nur den ersten Punkt zu generieren, sondern auch das Team von Sissy Raith zu bezwingen. Entsprechend konzentrierte man sich im Schachen auf die Verteidigung der Führung und lauerte auf die sich bietenden Chancen, wobei man sich bereits im Zentrum Bälle erobern konnte. Nach knapp einer halben Stunde verzeichnete auch der FCB die erste hochkarätige Möglichkeit, welche aber noch am Tor vorbei segelte. Die mangelnde Chancenauswertung der Baslerinnen, wie beispielsweise durch Beckmann und Sundov, machte es dem FCA möglich, als Führende in die wärmende Garderobe zu ziehen.

Mit vereinten Kräften schaffte es der FC Aarau zum ersten Erfolgserlebnis (Bild: Florian Hepberger)

Basel drängte aber nach dem Wiederanpfiff noch intensiver auf den Ausgleich und scheiterte zunächst nur an mangelnder Präzision. Diese zeigte Nicole Banecki dafür umso mehr, als sie nach etwas mehr als einer Stunde mit einem Distanzschuss den verdienten Ausgleich erzielen konnte. Zu mehr reichte es dann aber nicht mehr, insbesondere deshalb, weil der FCB nach der 66. Minute und einem taktischen Foul, welches Franziska Jaser die gelb/rote Karte einbrachte, in Unterzahl spielen musste. Aarau konnte damit den ersten Punkt, welcher sich wie ein Sieg anfühlte, feiern und bremste Basel im Rennen um den Meistertitel vorübergehend aus.
FC Zürich Frauen – Lugano Femminile 0:0
Durch die Niederlage der Luzernerinnen bei GC und dem Unentschieden des FCB in Aarau hätte Zürich die Möglichkeit gehabt, sich an der Tabellenspitze etwas abzusetzen. Gegen Lugano eine schwierige, aber nicht unlösbare Aufgabe. Daraus wurde aber eine Nullnummer, nicht nur in Bezug auf das Resultat, sondern auch auf die Leistungen der beiden Teams. Beim FCZ fehlten Martina Moser und Fabienne Humm krankheitshalber, womit auch das kreative Element in der Spitze nicht vorhanden war. Dies bestätigte auch Trainer Luca Fiorina, wenn auch mit anderen Worten: “In den letzten 20 Metern fehlt die gewisse Klasse, der entscheidende Pass um Spiele, welche so knapp sind, auch zu gewinnen.” Es war ja nicht so, dass die Zürcherinnen nicht das spielbestimmende Team gewesen wären. Bis zum gegnerischen Strafraum spielten sich sich immer wieder durch, doch danach passierte nichts, was das Prädikat Torchance verdient hätte. Natürlich lief Sara Krisztin nach 11 Minuten Chiara Canello, doch umspielte sie dabei nicht nur die Torhüterin, sondern auch gleich noch das ganze Tor. Mit langen Bällen versuchte man die gegnerischen Reihen zu überspielen, was aber ebenfalls wirkungslos blieb. Nur gerade vor der Pause wäre es dem FCZ möglich gewesen, einen Treffer zu erzielen, wobei aber zunächst Lorena Baumann den Ball verzog, danach Patricia Willi von der Strafraumgrenze zu keiner Gefahr wurde.
In der zweiten Halbzeit entstand etwas mehr Druck, das Spiel wurde aber physischer und war, wie in der ersten Hälfte, geprägt von einer Vielzahl von gelben Karten. Eine davon hatte am Ende Konsequenzen, welche gleich doppelt unnötig waren. Nach 27 Minuten sah Cinzia Zehnder nach eine Schwalbe ihrer Gegenspielerin gelb, in der 95. Minute nach einem normalen Zweikampf erneut, was ihr kurz vor dem Schlusspfiff den Platzverweis einbrachte. Nur in den letzten zwanzig Minuten des Spiels konnte der FCZ die Kadenz nochmals etwas erhöhen. Die Möglichkeiten wurden aber allesamt nicht genutzt. “Wieder daneben” war wohl die gängigste Aussage auf den Zuschauerrängen, nachdem Zehnder, Krisztin, Bühler, Abbé oder Ramseier, meist per Kopf, das Tor verfehlten. Und doch reichte am Ende der eine Punkt, dass Zürich die Führung in der Nationalliga A wieder übernehmen konnte. Aber nicht dank der eigenen Leistung, sondern ausschliesslich dank der Schützenhilfe auf den anderen Plätzen. Fiorina benötigte dann auch ein paar Minuten, um sich zu fassen und für das abschliessende Interview zur Verfügung zu stehen: “Gegen einen Gegner, der nicht viel fürs Spiel gemacht hat, haben wir es in den letzten 20 Minuten selbst vergeben. Es war ein schwieriges Spiel, der Gegner machte die Räume zu und wir haben uns schwer getan, Lösungen zu finden. Diese hätten wir zwar am Ende gehabt, doch die Tore nicht gemacht. Es hat nicht für mehr gereicht,” so der FCZ-Trainer selbstkritisch. Denn das kreative Element fehlte, was gegen ein Team wie Lugano nicht zum Erfolg führen kann.
Luka Küste, Peter Rüegg, Deborah Näpfli, Knud Walter, Claudia Dettwiler, Thomas Huber, Yanick Bühler, Michèle Estermann, Jacqueline Schauenberg, Markus Schärer, Sandra Meier, Robert Schürch, Beat Steiner, Annamarie Diethelm, Jacqueline Wyss, WomensCup, Markus Lehmann, Jasmin Schweer, Laila Koch, Marc-André Rauber, Claudia Donatsch-Kreis, Beat Linder, Jens-Uwe Ludwig, Patrick Saile, Barbara Erne, Babsi Fit, Monica Luraschi gefällt dieser Artikel

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