Veröffentlicht am: So, 22. Oktober, 2017

Ebenbürtig unterlegen

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Das A-Nationalteam verliert ein Testspiel in Japan trotz guter Leistung 0:2. Die Schweiz kam zu Möglichkeiten, nutzte sie aber nicht. Japan machte das besser.

Testspiele gegen Teams der Stärkeklasse von Japan sind für die Schweiz von grossem Wert. Umgekehrt scheint die Nati ein beliebter Gegner zu sein, weil sie über ein echter Gradmesser geworden ist, ohne dass man zu befürchten hätte, von ihr hoch geschlagen zu werden. Das möchte man dem eigenen Team, zumal vor eigenem Publikum dann doch nicht zumuten, schliesslich dienen Testspiele auch immer ein bisschen dem Seelenleben einer Equipe, das ist in Japan nicht anders.

Dem Seelenleben und der Sichtung natürlich. So jedenfalls hält es die Schweizer Trainer Martina Voss-Tecklenburg. Tatsächlich verändert sich der Unterbau ihres Teams im Moment ständig. Die Trainerin beobachtet, wie sich „neue Hierarchien“ bilden und lässt Spielerinnen an diesem Prozess teilhaben, die zwar aus den Juniorinnennationalteams nach rutschen, zum Teil in der nationalen Meisterschaft aber keine besonders grosse Rolle spielen. Das Aufgebot für die Japan-Reise umfasste zum Beispiel sechs Spielerinnen des BSC YB, die dort aber, nicht zuletzt auf Grund von Verletzungen, gar nicht alle regelmässig zum Einsatz kommen. Mit Marilena Widmer berief Voss-Tecklenburg eine der Bernerinnen als Debütantin ins Startaufgebot. Ebenfalls zu den noch unterfahrenen gehörte Julia Stierli in der Innenverteidigung. Den Sturm bildeten Géraldine Reuteler und Ana-Maria Crnogorcevic. Von den anderen Arrivierten fehlten zwei: Ramona Bachmann musste aufgrund einer Verletzung passen, Lara Dickenmann wurde geschont.

Im Spätsommer und im Herbst häufen sich im Pazifik die Taifune. Das erklärt, weshalb die Schweizerinnen heute von der ersten Minute an aussahen, als seien sie ins Wasser gefallen. Es regnete heftig und daran änderte sich über die ganze Spieldauer gar nichts. Immerhin stand das Team von Martina -Voss Tecklenburg auf dem Feld keinem Taifun gegenüber, im Gegenteil. Die Schweiz startete aktiv in die Partie und kam nach einem Eckball früh zu einer guten Kopfballchance. Japan meldete sich erst mit Verzögerung im Spiel an und gab in der 20. Minute einen ersten gefährlichen Schuss auf das Schweizer Tor ab, den Gaël Thalmann gut hielt, was schwierig war, weil der Ball unterwegs abgefälscht wurde. Mühe hatten die Gäste wiederholt mit den kurz gespielten Ecken Japans, das sich insgesamt etwas handlungs- und gedankenschneller zeigte. Trotzdem, die beste Torchance der erste Halbzeit hatte die Schweiz – und vergab sie. Nach einem schönen Konter spielte die gut aufgelegte Géraldine Reuteler Eseosa Aigbogun frei, die aus zwar etwas spitzem Winkel, aber völlig freistehend weit über das Tor schoss, weil sie den Ball schlecht angenommen hatte.

Eseosa Aigbogun vergab die beste Chance für die Schweiz. (Archivbild: Chris Blattmann)

Auch in der zweiten Halbzeit geriet die Schweiz lange nicht in besondere Gefahr. Zwar strich in der 52. Minute ein Schuss von Kumi Yokoyama nur knapp über das Tor, auf der Gegenseite hätte aber auch Rachel Rinast zweimal die Möglichkeit gehabt, ein Tor zu erzielen, zweimal aber erreichte sie die weiten Zuspiele nicht ganz. In dem fast neuen, schmucken Stadion in Nagano, dessen Plätze, jedenfalls die gedeckten, von einem zahlreichen, sangesfreudigen und fairen Publikum besetzt waren, bot die engagiert auftretende Schweiz dem Favoriten also Paroli – bis der seine Klasse einmal konsequent ausspielte. Rund eine Viertelstunde vor Schluss schickte Haji Madoka die eingewechselte Emi Nakajima mit einem mustergültigen Steilpass in die Tiefe. Die bei den Löwinnen von Kobe engagierte Angreiferin spielte ihre Schnelligkeit aus, entwischte der Schweizer Abwehr und überwand die heraus eilende, ebenfalls eingewechselte Seraina Friedli im zweiten Anlauf.

In der Folge öffnete sich das Spiel etwas, das kam aber vor allem Japan zupass, das weiterhin Druck machte. In der 80. Minute erlief Crnogorcevic immerhin einen verwaisten Ball vor der japanischen Torhüterin, versuchte den Kontakt zu vermeiden, wurde aber trotzdem touchiert und stürzte. Doch die Schiedsrichterin hielt einen Elfmeter nicht für gerechtfertigt. Die Schweizer Torhüterin Seraina Friedli konnte sich kurz vor Schluss noch auszeichnen, als sie einen Weitschuss von Mana Iwabuchi spektakulär hielt. Ganz zum Schluss, mit der letzten Aktion des Spiels, kam Japan sogar noch zu seinem zweiten Tor. Ein Prellball aus dem Mittelfeld geriet hinter die Schweizer Abwehr, wo ihn Mina Tanaka aufnahm und sicher versenkte. So endete die Partie zwischen der Schweiz und Japan zwar mit einer doppelten so hohen Resultat wie an der Weltmeisterschaft 2015, aber mit einem ähnlichen Eindruck: keine zwingende Niederlage.

 

Pierre-André Maerchy, Michael Paffrath, Lara Saladin, Luka Küste, Michèle Estermann, Beat Steiner, Andrea Schneider, Ulrike Klausecker, Jeff Schmidi, Kathrin Lehmann, Jürg Huggler, Beat Linder, Hubert Schill, Markku Runne, Hanspeter Schelbli, Romina Hodel, Peter Trutmann, Arthur Bless, Maria Macrì, Alexandra Müller, Daniela Marti-Kunz, Monica Luraschi, Petra Fischbacher, Laila Koch, Markus Schärer, Babsi Fit, Ruth Imhof, Bastien Aebischer, Hans Burri, Henry Mächler, Moni Rinast gefällt dieser Artikel

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