Veröffentlicht am: Sa, 30. September, 2017

Zürich übernimmt die Spitze, Basel stolpert

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In der vierten Runde der NLA gab es einige Toren zu sehen. Der bisherige Leader Luzern liefert sich ein bravouröses Duell mit YB, muss aber Punkte in Bern lassen. Davon profitiert der FCZ, der die Tabellenführung übernimmt. Eine empfindliche Niederlage kassiert Basel zuhause gegen Lugano.

BSC YB – FC Luzern 2:2 (0:0)

Man muss sich nicht unbedingt in theoretischer Physik auskennen, um immer mal wieder festzustellen, dass das Vergehen der Zeit eine relative Angelegenheit ist.Langweilt man sich, kann sie sich scheinbar unendlich dehnen, hat man Kurzweil, vergeht sie wie im Flug. Eine gute halbe Stunde war heute in der Partie YB gegen Luzern gespielt, als man erstmals auf die Uhr schaute und merkte: Ach, so spät ist es schon? Es schien, als seien seit dem Anpfiff erst wenige Minuten vergangen, so unterhaltsam war die Partie.

Das Niveau des Spiels hatte durchaus eine gewisse Flughöhe: Zweikampf zwischen Rahel Graf (l.) und Charlotte Mayland (r.). (Bild: Dominik Stegemann)

Anlass für den Blick zur Uhr waren die ersten Abschlüsse auf beiden Seiten. Zuerst scheiterte Alisha Lehmann an der Luzerner Hüterin Natascha Honegger, dann klärte deren Gegenüber Nicole Studer in ähnlicher Situation gegen Géraldine Reuteler. Weil das Spiel aber intensiv und temporeich war, und weil beide Teams technisch auf gutem Niveau agierten, waren zwei Grosschancen nicht zu wenig, um sich von dieser ersten Halbzeit fesseln zu lassen.

In der zweiten Halbzeit verloren beide Equipen etwas an Kohärenz, dafür gewann das Spiel an Dynamik. Es wogte hin und her. Zuerst übernahm Luzern das Kommando und trat wie ein Leader auf. YB geriet rasch in Schwierigkeiten. Kim Dubs sprang für ihre geschlagene Torhüterin ein und spedierte einen Schuss von Reuteler kurz vor der Linie ins aus. Doch in der 54. Minute schob Irina Brütsch am hinteren Pfosten einen missglückten Abschluss von Reuteler über die Linie. Nur eine Minute später aber steckte Marilena Widmer Florijana Ismaili den Ball durch die Mitte zu und Ismaili glich, hart bedrängt, sofort wieder aus.

Carola Fasel (r.) ist soeben ein Missgeschick unterlaufen: Géraldine Reuteler (r.) enteilt der Berner Verteidigerin und schiesst das 1:2.  (Bild: Dominik Stegemann)

Nur weitere fünf Minuten später misslang Carola Fasel ein Rückpass zur Studer. Die stets gefährliche Reuteler lief dazwischen und stellte die Führung für die Gäste wieder her. Nun übernahm aber wiede YB das Zepter. Hatten die Bernerinnen den Strafraum in der ersten Halbzeit noch gemieden, spielten sie nun steil in ihn hinein. Und kamen zu Chancen. In der 74. Minute klärte Honegger mit einer bemerkenswerten Doppelparade noch gegen Camille Surdez. In der 76. Minute schickte die auf ihrer angestammten Position im zentralen Mittelfeld spielenden Thaïs Hurni Lehmann in die Tiefe, welche den Ball trocken zum Ausgleich ins Netz setzte.

Für YB schien dem Sieg nun in sichtweite, Luzern wankte, Honegger hielt, was es zu halten gab. In den allerletzten Minuten aber, weil man wusste, dass sich YB bisher für späte Tore anfällig zeigte, Luzern aber vor wenigen Tagen erst ein solches schoss, kippte die Partie noch einmal fast. Nun suchte Luzern den Sieg und kam ihm nach einem Kopfball in der Nachspielzeit tatsächlich nah. Doch es blieb beim Remis und das entsprach dem Gezeigten völlig. So zeigte diese überaus sehenswerte Partie: Nicht nur die Zeit, auch der Raum ist relativ. Mag Luzern, neu auf Rang zwei, in der Tabelle deutlich vor YB liegen, ein Unterschied war das heute nicht.

FC Zürich – Yverdon Féminin 3:0 (1:0)

Mit einem ungefährdeten Sieg gegen Yverdon nimmt der FC Zürich Luzern dank des besseren Torverhältnisses die Tabellenführung ab. Das favorisierte Heimteam benötigte einen Elfmeter, um nach einer guten halben Stunde durch Patricia Willy in Führung zu gehen. Trotz mehrere Gelegenheiten dauerte es weiter 20. Minuten, bis Malin Gut auf 2:0 erhöhen konnte. Patricia Willy mit einem Kopfball und ihrem zweiten Tor legte das Resultat in der 81. Minute dann auf ein standesgemässes 3:0 fest. Damit wartet Yverdon auch nach dem vierten Spiel nicht nur auf den ersten Punkt, sondern auch weiterhin auf das erste Tor.

FC Basel – Lugano Femminile 2:3 (1:1)

(ms) In Basel trafen sich der FCB und Lugano zum Verfolgerduell. Das Spiel nahm bereits von Beginn weg Fahrt auf. Beide Mannschaften spielten schnell und versuchten, nach vorne zu preschen. Der erste Treffer liess nicht lange auf sich warten. Lugano kam in der dritten Minute rund vier Meter vor dem Strafraum zu einem Freistoss. Der FCB sah schlecht, anstatt weg schoss die Basler Verteidigung den Ball den Luganesi vor die Füsse. Serena Capello nutzte die Chance und verwertete zum 0:1.

Basel liess sich vom Gegentreffer allerdings nicht beirren und spielte weiterhin aggressiv und schnell. Doch weder Franziska Jaser noch Rachel Rinast fanden Abnehmerinnen für ihre Hereingaben. Im strömenden Regen bekamen auch die beiden Torhüterinnen Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit führten die Baslerinnen mehrheitlich das Kommando. Sie hatten deutlich mehr Ballbesitz und liessen Lugano kaum Chancen. Tatsächlich kamen die Gastgeberinnen noch vor der Pause zum Ausgleich. Rachel Rinast verwertete einen Abpraller nach einem Freistoss von Eunice Beckmann zum verdienten 1:1.

Die zweite Halbzeit glich der ersten: Basel dominierte, lief viel und hielt denn Ball. In der 49. Minute trat Rachel Rinast erneut in Aktion. Sie überlief ihre Gegnerin, zögerte nicht und verwertete eiskalt zum Führungstreffer. Trotzdem: Der FCB machte zu wenig aus seiner Präsenz vor dem gegnerischen Tor, weil es ihm an Präzision und Konsequenz mangelte. Ganz anders Lugano, das sich sehr effizient zeigte. In der 75. Minute ging CJ Rhoades im Basler Strafraum vergessen, was ihr die Gelegenheit gab eine Flanke zum 2:2 zu verwerten. Und es kam noch schlimmer für Basel. Fünf Minuten später trat Rebecca Raber einen Freistoss aus der eigenen Platzhälfte direkt auf das Tor von Stenia Michel. Weil sie zu weit vor ihrem Tor stand und wohl die Flugbahn des Balles falsch einschätzte, kam Michel nicht mehr an diesen Ball heran: die Führung für Lugano.

In den letzten 15 Minuten versuchte Basel alles, um noch zum Ausgleich zu kommen. Die Baslerinnen drücken, kämpfen und kommen durchaus zu mehreren gefährlichen Torchancen, schaffen es jedoch nicht, den Ball über die Linie zu bringen, weshalb sie den Platz mit einer 2:3- Niederlage verlassen. Ihre Trainerin Sissy Raith nennt das Resutat eine „bittere Niederlage“. Man habe das Spiel dominiert, ohne jedoch wirklich zu zeigen, was man könne: „Wir müssen die Möglichkeiten, die wir haben, machen. Lugano hatte nicht viele Chancen. Aber die, die sie hatten, haben sie genutzt.“

FC Aarau – Grasshopper Club Zürich 2:3 (1:2)

(cb) Den Makel der Null an der ersten Stelle des Torverhältnisses wollte Aarau heute Abend los werden. Überhaupt sollte es für den FCA ein Abend der Premieren werden. Nicht nur, dass erstmals der Neuzugang aus Island, Run Fridriksdottir, zum Einsatz kam, es sollten auch die endlich die ersten Punkte her.

Letzteres gelang nicht und das hatten sich die Aarauerinnen weitgehend selbst zuzuschreiben. Dass die Gäste aus Zürich schon nach 90 Sekunden durch Caroline Müller in Führung gehen konnten, war für den FCA zwar ärgerlich, doch blieb genügend Zeit, den Spielstand zu verändern. Dazu hätte aber weniger Nervosität, mehr Ruhe und insbesondere eine bessere Zuordnung gehört. Celina Tenini genoss auf der rechten Aussenbahn sämtliche Freiheiten, konnte sich reihenweise in Szene setzen, ohne dass sich eine Gegenspielerin zuständig gefühlt hätte. So war es wenig verwunderlich, dass sie in der 17. Minute bedient wurde und aus spitzem Winkel Fabienne Kohler ebenfalls bezwingen konnte.

GC schien sich danach bereits mit dem Resultat zufrieden zu geben. Die Hoppers nahmen etwas Druck aus dem schnellen Angriffsspiel und liessen damit die Aufsteigerinnen mehr teilhaben. Nach knapp 20 Minuten drosch Julia Höltschi das Leder noch über das Tor. Viele Zweikämpfe wurden nun vom FCA gewonnen, doch den anschliessenden Pässen fehlte die Präzision. Dennoch wurden die Bemühungen nach einer halben Stunde belohnt. Höltschi bediente die omnipräsente Lara Jenzer in der Mitte des Spielfelds, diese wurde zwar bedrängt, vom Abschluss aber nicht abgehalten: der Anschluss.

Julia Höltschi (l.) legte das erste Aarauer Tor auf. (Bild: Ronny Frei)

Es wäre gar die Führung möglich gewesen. Drei Minuten nach dem Tor von Jenzer versuchte es Höltschi selbst, doch ihr Abschluss wurde von der GC-Defensive an die Latte gelenkt. Und einen Weitschuss von Sylvestre liess Nadja Furrer nur abprallen. Allerdings spekulierte auch keine Aarauerin darauf und folglich konnte niemand einen Nutzen ziehen. So ging Aarau wenigstens mit der Gewissheit in die Pause, dass die Partie zumindest zwei der drei Premieren, das erste Tor und der Auftritt einer – allerdings wenig überzeugenden – Run Fridriksdottir bereits Tatsache waren.

Hier im fast perfekten Duett mit Sarah Steinmann, dennoch vermochte Run Fridriksdottir (l.) noch nicht so richtig zu überzeugen. (Bild: Ronny Frei)

Auch nach dem Seitenwechsel kam von GC zu wenig, um der Partie den Stempel aufzudrücken. So war es logisch, dass Aarau nach einer Stunde ausglich. Furrer deutete an, einen Eckball halten zu können, liess diesen aber doch bis zum Kopf von Lahmici durch, welche sich nicht zweimal bitten liess. Am entschied aber doch GC die Partie und zwar durch einen von Laura Walker verwandelter Elfmeter. Einen Punkt verdient gehabt hätten beide Teams.

Für Aarau waren es also Premieren ohne Wert, denn am Ende fehlt der erste Punkt weiterhin. Entsprechend enttäuscht war der Trainer Andreas Zürcher im Anschluss der Partie: „Es ist schade. Wir betreiben einen Riesenaufwand um unsere Tore zu erzielen und machen es dem Gegner durch individuelle Fehler einfach.“ Etwas, woran beim FCA noch zu arbeiten sei. „Vielleicht müssen wir in der Nationalliga A einfach alles noch lernen“, hadert der Aarau-Trainer. So müsse wohl auch noch an der Konsequenz gearbeitet werden, denn in der NLB sei es doch einfacher gewesen, die Tore zu erzielen.

Für GC-Trainer Miodrag Tomanic fällt das Résumé selbstredend besser aus: „Wir haben das Spiel gut aufgebaut, uns Chancen erarbeitet, es ist uns lediglich nicht gelungen, sie zu verwerten.“ Zugeben musste er allerdings, dass man nach dem 2:0 vor allem verwaltet habe. „Obwohl eigentlich ja bekannt ist, dass ein 2:0 sehr gefährlich ist.“ Am Ende war Tomanic aber natürlich glücklich über die drei Punkte, auch wenn er auch dem Gegner einen Remis durchaus gegönnt hätte. Nach dem heutigen Sieg findet sich GC auf Rang drei wieder, Aarau ist punktelos Vorletzter, weil Yverdon ein schlechteres Torverhältnis aufweist.

Jennifer, Jerry Milano, Nelly Sauter, Nick Danny Sanchez, Hubert Schill, Fabienne Schwarz, Rolf Ingold, Markus Schärer, Arthur Bless, Beat Steiner, Sybille Lehmann, Anliker Rolf, Sandra Meier, Jacqueline Schauenberg, Glenn Meier, Anna Züger, Michael Paffrath, René Martin, Roger Kutter, WomensCup, Simone Flüeler, Thaïs Hurni, Vinh Nägeli Päukerli, Michi Lendi, Chantal Wyser gefällt dieser Artikel

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