Veröffentlicht am: Di, 05. September, 2017

Seraina Friedli: Vom Engadin ins Nationalteam

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Vor sieben Jahren stand Seraina Friedli noch in den Niederungen der 3. Liga zwischen den Pfosten. Dank Talent und noch mehr Wille und Leidenschaft hat es die Torhüterin bis an die nationale Spitze geschafft und stand dabei in fast allen Ligen im Einsatz. Diesen Sommer war die Engadinerin mit den Nationalteam an der Europameisterschaft in Holland und wird im Herbst erneut in der Champions League im Einsatz stehen. Ein Portrait in Zusammenarbeit mit dem Magazin rotweiss.

Der Händedruck von Seraina Friedli ist kräftig. Er verrät: Diese Frau kann zupacken. Und wie. Als Torhüterin pflückt sie so manchen Flankenball herunter oder hält die stärksten Distanzschüsse. Seit fünf Jahren spielt Seraina Friedli bei den FC Zürich Frauen, seit diesem Jahr ist sie Nationalspielerin.

2010 stand Friedli noch bei Lusitanos de Samedan im Einsatz (vorne, 4. von rechts). Damals noch zusammen mit ihrer Schwester Ladina (2.v.r.) (Archivbild: Chris Blattmann)

Seraina Friedli gehört zu den besten Goalies der Schweiz. Sie hätte auch Skirennfahrerin werden können. Abwegig ist das nicht, denn sie ist in La Punt im Oberengadin aufgewachsen. Fussball ist dort eine Randsportart. „Als Kind war ich im Skiclub und auch im Langlauf-Verein aktiv. Aber ich war immer froh, wenn im Frühling der Schnee weg war und auf dem Fussballplatz der Rasen zum Vorschein kam“, erinnert sie sich und lacht. Unter ihren Schulkollegen war Friedli die Exotin, ihre Schulkolleginnen teilten die Leidenschaft nicht. Im Sommer spielte sie darum mit Touristen aus Deutschland oder Italien. 

Im Alter von zwölf Jahren tritt Seraina Friedli dem Verein Lusitanos de Samedan bei. Die ersten Trainings absolviert sie noch als Feldspielerin. Doch als sich in einem Juniorinnen-C-Spiel der Goalie verletzt und es keinen Ersatz gibt, stellt sich Friedli ins Tor – und bleibt fortan zwischen den Pfosten. „Als Torhüterin bin ich eine Einzelspielerin im Team. Ich bin die Hinterste und bewege mich ständig am Abgrund. Dieser Kick gefällt mir. Für mich gibt es kein schöneres Gefühl, nach einem Ball zu hechten und zu merken, dass ich ihn gehalten habe.“

2011 profilierte sich Friedli als Torhüterin von Thusis-Cazis im Bündner Cupfinal als “Penalty-Killerin” (Archivbild: Chris Blattmann)

Die Augen von Seraina Friedli leuchten, als sie von ihrem Dasein als Torhüterin erzählt. Im Gespräch wird schnell klar: Da hat jemand ganz viel Leidenschaft für ihren Sport. Gepaart mit noch mehr Wille und Einsatzbereitschaft hat es die Bündnerin innert zwei Jahren von der 3. Liga in die Champions League geschafft. „Krass“, entfährt es ihr, als sie an ihren Weg zurückdenkt. Nach fünf Jahren bei Samedan wechselt sie 2010 zu Thusis-Cazis in die 2. Liga, pendelt drei Mal pro Woche mit der Rhätischen Bahn ins Training. Ein Jahr später gelingt der Aufstieg in die 1. Liga, Vereine aus höheren Ligen werden auf Friedli aufmerksam. Im Sommer 2012 unterschreibt sie nach zwei Probetrainings beim FCZ.

Seraina Friedli zieht vom Engadin ins Zürcher Oberland und ist zuerst einmal „einfach masslos überfordert“. Der eigene Haushalt war kein Problem, doch das höhere Niveau und die Intensität im Training bringen Friedli an die Grenze. „Damals waren Inka Grings und Sonja Fuss meine Mitspielerinnen. Da hatte ich jeweils bereits in der Garderobe zittrige Knie.“ Friedli ist deshalb froh, wird sie im darauffolgenden Winter zu Baden in die Nationalliga B ausgeliehen. Dort sammelt sie nicht nur Spielpraxis, sondern auch Selbstvertrauen.

Für FCZ-Trainer Dorjee Tsawa war klar, dass er im Sommer 2013 Seraina Friedli von Baden zurückholt und sie als Nummer 2 hinter Nicole Studer behutsam aufbaut. Ihr erstes Spiel als Nummer 1 für die FCZ-Frauen absolviert sie nicht in irgendeinem Liga-Spiel, sondern gleich auf der ganz grossen Bühne. Im Sechzehntelfinal der Champions League 2014 auswärts gegen Osijek wird ihr in der Teamsitzung mitgeteilt, dass sie spielt. Zwei Stunden vor dem Anpfiff. „Im ersten Moment war ich extrem nervös. Aber es war gut, wurde es so kurzfristig mitgeteilt, sonst hätte ich mir zu viele Gedanken gemacht.“

Als Stammtorhüterin hat sich Friedli auch beim FCZ etablieren können (Archivbild: Dominik Stegemann / fan-fotos.ch)

Diesen 5:2-Sieg erachtet Friedli heute als einen der Schlüsselmomente in ihrer Karriere. „Ich konnte mir ein erstes Mal bestätigen, dass ich am richtigen Ort bin“, sagt sie. In der Folge war die Sportstudentin zwar nicht immer die Zürcher Nummer 1 – doch in der aktuellen Saison führt kein Weg an ihr vorbei. Friedlis starke Leistungen sind auch Martina Voss-Tecklenburg nicht entgangen, die Nationaltrainerin hat die 24-Jährige deshalb ein erstes Mal im Januar 2016 ins Trainingslager aufgeboten. „Seraina hat sich im Club positiv entwickelt. Ich fand es gut, wie sie zusammen mit Nicole Studer mit der Situation um den Kampf um die Nummer 1 umgegangen ist. Vieles war lange unklar, doch Seraina hat das gut gelöst und das zeugt von einem guten Charakter.“

15 Monate nach dem ersten Aufgebot kommt für Seraina Friedli der grosse Moment, der Lohn für die jahrelange, harte Arbeit: Beim Zypern-Cup 2017 steht sie gegen Italien im Tor. Sie besteht ihr Nationalteam-Debüt unbeschadet, die Schweiz gewinnt 6:0. Unter den Zuschauern sitzen auch ihre stolzen Eltern Christine und Hans-Peter, die – kein Witz – an jedes Spiel ihrer Tochter aus dem Engadin anreisen.

„Seraina strahlt auf dem Platz eine Ruhe aus und ist gut in der schnellen Angriffsauslösung. Gewisse Dinge muss sie noch verbessern, aber sie befindet sich auf gutem Weg“, findet Voss-Tecklenburg. In diesem Sommer führte ihr Weg auch nach Holland an die Europameisterschaft. Auch wenn das Land an der Nordsee von der Topographie her so gar nicht vergleichbar ist mit ihrer Heimat in den Bündner Bergen – Seraina Friedli befindet sich auf dem Weg zum Gipfel.

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