Die grosse Pleite der Schweizerinnen

Schlechter hätte der Start in die erste Europameisterschaft für die Schweiz nicht geraten können. Als Favoritinnen im ersten Spiel gegen Österreich gehandelt, konnten die Schweizerinnen die Erwartungen in keiner Weise erfüllen. Das 0:1 täuscht über die Leistung des Teams hinweg.

Dass Österreich mit einem starken Pressing beginnen würde, war hinlänglich bekannt. Schnörkellos zelebrierten sie dies und die Schweiz kam damit nicht zurecht. Schon in den Startminuten setzte das Team von Dominik Thalhammer eine ganze Reihe von Akzenten, immer wieder über Nina Burger. Bei der Schweiz passte gar nichts zusammen. Weder im Spielaufbau, noch in der Kommunikation oder im Tempo konnte die Schweiz in der ersten Halbzeit überzeugen. So war es auch nicht überraschend, dass das Team von Martina Voss-Tecklenburg bis zum Seitenwechsel keine einzige Abschlussmöglichkeit generieren konnte. Nach 15 Minuten konnte Burger das einzige Tor erzielen, welches symptomatisch den Anfang in einem Fehler der Schweizerinnen hatte. Gaëlle Thalmann spielte den Ball viel zu kurz in die Füsse von Feiersinger, diese passte auf Zadrazil, welche Burger bediente. Die 29-jährige Stürmerin, Teamkollegin von Isabelle Meyer beim SC Sand, zog leicht auf die rechte Seite und brachte mit einem Abschluss ins nahe Eck die Österreicherinnen verdient in Führung. Während Österreich sich weiterhin auf sein Spiel konzentrierte, machte die Schweiz einen ideen- und konzeptlosen Eindruck. Die wenigen Aktionen endeten allesamt vor dem gegnerischen Strafraum. Sehenswert war nach 24 Minuten gerade einmal ein Seitfallrückzieher von Fabienne Humm, welcher aber deutlich am Tor vorbei segelte. Die Zuordnungen, welche bei den Gegnerinnen immer passten, waren im Spiel der Schweizerinnen Mangelware. “Es war absolut gar nichts”, urteilte Lia Wälti über die erste Halbzeit. “Wir sind nie an unsere Leistungen herangekommen”, sagte auch Voss-Tecklenburg nüchtern.

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich die Schweiz zwar nicht gerade wie ausgewechselt, aber dennoch etwas koordinierter und selbstbewusster. Dennoch konnten sich die Aushängeschilder der Eidgenossinnen nicht in Szene setzen. Ramona Bachmann versuchte sich regelmässig mit langen Dribblings, welche immer wieder erfolglos waren, Lara Dickenmann vermochte das Team ebenso wenig zu organisieren und führen, wie Lia Wälti. Als nach exakt einer Stunde auch Rahel Kiwic nach einem Foul an Burger verdient von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus die rote Karte sah, wurde es mit dem Spiel in Unterzahl auch nicht einfacher. Akzente konnten in einigen Momenten wenigstens die eingewechselten Vanessa Bernauer (57. Minute für Caroline Abbé) und Jana Brunner (62., Géraldine Reuteler) setzen. So war es ein Abschlussversuch von Bernauer in der 74. Minute, welcher neben einem Abschlussversuch von Bachmann aus Sicht der Schweiz als einziger Höhepunkt gewertet werden kann. Die letzten 15 Minuten, in denen die Schweiz das spielbestimmende Team, und dies trotz Unterzahl, war, reichten nicht, um der eigenen Erwartungshaltung zu genügen.

Das Schweizer Nationalteam hat sich selbst den Einzug in den Viertelfinal zum Ziel gesetzt. Dazu wäre ein Sieg gegen Österreich zwingend gewesen. Noch ist das Erreichen dieses Ziels nicht ausgeschlossen, doch muss die Schweiz gegen Island und Turnierfavorit Frankreich deutlich über sich hinaus wachsen. “Wir können mehr, zeigten es aber in der ersten Halbzeit nicht”, resümierte Voss-Tecklenburg. Und so erwartet die Nationaltrainerin, dass sich das Team nun wieder aufrichtet und sein Potential abruft. Der nächste Gegner ist am kommenden Samstag Island (live auf SRF2 um 18:00 Uhr), das gegen Frankreich im ersten Spiel eine kämpferische und taktisch gute Leistung zeigte.

Die Aufstellung der Schweiz gegen Österreich:

Gaëlle Thalmann; Noelle Maritz, Géraldine Reuteler (62. Jana Brunner), Martina Moser, Ana-Maria Crnogorcevic, Ramona Bachmann, Lara Dickenmann, Lia Wälti, Rahel Kiwic (60. Minute, rote Karte), Caroline Abbé (57. Vanessa Bernauer), Fabienne Humm (57. Eseosa Aigbogun)

Jacqueline Schauenberg, Roger Kutter, Sven Wintsch, Hans Haeberli, Pippo Rino, Ruedi Keller, Carone Gianluca, Oli Ottiger gefällt dieser Artikel

One Response to Die grosse Pleite der Schweizerinnen

  1. Rolf Neuenschwander 20. Juli 2017 at 20:22

    Thalmann bringt keinen vernünftigen Abschlag zustande. Weiss nicht warum das die Nummer eins sein soll. Friedli ist besser.

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