Der Mann im Hintergrund

Er ist der Mann im Hintergrund beim Frauen A-Nationalteam. Seit 2010 ist Simon Steiner Assistenztrainer. Was viele nicht wissen, der Emmentaler war einst selbst Nationaltrainer. Noch viel früher stand er allerdings selbst aktiv auf dem Platz und war bei Burgdorf Teamkollege der Väter von Martina Moser und Lia Wälti. Ein Porträt in Zusammenarbeit mit dem Rotweiss-Magazin.

Simon Steiner umrahmt von Lia Wälti (links) und Martina Moser, mit deren Vätern er einst bei Burgdorf zusammen gespielt hat. (Archivbild: Seraina Degen)

Nicht nur die Spielerinnen, auch Simon Steiner hat sein eigenes Ritual vor einem Spiel. Der Assistenztrainer des Frauen-Nationalteams ist jeweils der Erste auf dem Platz. Über der Schulter trägt er stets einen Sack mit Bällen. Diese platziert er dann vor dem Aufwärmen in einer bestimmten Form auf dem Rasen. Einmal ist es eine Zahl, welche die geforderten Punkte anzeigen soll. Oder er stapelt die Bälle aufeinander mit dem Gedanken, dass das Team über sich hinaus wachsen soll. An der Weltmeisterschaft in Kanada 2015 legte er ein „V“ für „Victory“, also Sieg. „Ich bin sehr kreativ und denke mir immer wieder etwas Neues aus. Aber langsam gehen mir die Ideen aus“, gesteht der 61-jährige Berner und lacht.

Seit 2010 ist Simon Steiner Assistenztrainer des Frauen-Nationalteams – zuerst unter Béatrice von Siebenthal, seit fünf Jahren bildet er mit Martina Voss-Tecklenburg ein Duo. Die 49-jährige Deutsche beschreibt ihren Assistenztrainer als ruhig und ausgeglichen. Er gibt sich einerseits zurücknehmen, im geeigneten Moment aber auch den richtigen Input geben kann. „Simon ist sehr erfahren, sachlich und ehrlich. Er weiss genau, wann er mir etwas sagen muss und zeigt mir auch neue Perspektiven auf. Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr angenehm, die Spielerinnen betrachten uns sogar als altes Ehepaar“, so Voss-Tecklenburg.

Simon Steiner (Mitte) war von 1997 bis 2000 Nationaltrainer. Dieses Gruppenbild stammt aus dem Jahr 2000. (Bild: Archiv Simon Steiner)

Das Aufgabengebiet von Simon Steiner ist vielfältig. Er gestaltet das Training mit und unterstützt dabei Martina Voss-Tecklenburg, ist zuständig für die Videoanalysen, beurteilt die Leistung des Teams und bestimmt gemeinsam mit der Nationaltrainerin die Aufstellung. Für die Spielerinnen ist er eine wichtige Ansprechperson. Teamleaderin Lara Dickenmann beschreibt es so: „Simon hat immer ein offenes Ohr und ist auch mal für einen Spass zu haben. Er ist aber nicht nur da, um die Stimmung aufzulockern, sondern hat auch fussballerisch viel Erfahrung. Er ist ein wichtiger Teil des Teams, weil er uns immer wieder daran erinnert, warum wir das Spiel lieben.“

Als Assistenztrainer ist Simon Steiner der Mann im Hintergrund. Das war nicht immer so: Von 1997 bis 2000 war Simon Steiner selbst Trainer des A-Nationalteams. „Aus dem Nichts“ sei er das geworden, er habe damals keine Ahnung vom Frauenfussball gehabt, erinnert er sich. Erfahrung als Trainer hatte er aber schon vorzuweisen: Der frühere 1. Liga-Fussballer beim FC Burgdorf – in den 70er- und frühen 80er-Jahren spielte er zusammen mit den Vätern von Lia Wälti und Martina Moser im gleichen Team – stand nach seiner Aktivkarriere in Kirchberg und Burgdorf jahrelang an der Seitenlinie. Danach engagierte er sich im Juniorenbereich, ehe 1997 der Anruf von Hansruedi Hasler, dem damaligen Technischen Leiter beim SFV, kam. „Ich habe mir ein paar Spiele angeschaut und dachte mir: Ja, ich kann mir vorstellen, das Traineramt zu übernehmen.“

Teamfoto SC Burgdorf 1978, in der hintersten Reihe von links die Spieler Wälti, Steiner und Moser nebeneinander vereint. (Bild: Archiv Simon Steiner).

Damals wie heute ist Simon Steiner fasziniert vom Einsatz der Frauen, auf und neben dem Feld: „Die Spielerinnen sind mit Herzblut dabei. Sie verzichten auf Vieles neben dem Sport und sie spielen aus Freude. Das finde ich spannend.“ Simon Steiner schaut sich ein altes Teamfoto des A-Nationalteams aus dem Jahr 2000 an und muss schmunzeln. Im Vergleich zu heute sei Vieles anders, professioneller auch. „Damals bestand der Staff aus mir, einem Assistenztrainer und einer Physiotherapeutin, fertig.“ Mittlerweile gehören dem Betreuerstab des A-Nationalteams mehrere Physiotherapeutinnen, Ärzte, eine Sportpsychologin, ein Athletiktrainer und mit Sonia Testaguzza auch eine Team-Managerin an.

In all den Jahren hat sich nicht nur der Trainerstab vergrössert, sondern auch die Anzahl an Spielen. War der Berufsschullehrer früher maximal 30 Tage im Jahr mit dem Team unterwegs, ist er heute rund doppelt so viele Tage abwesend. Froh ist Simon Steiner auch um die moderne Kommunikation: „Früher war es schwierig, an Informationen zu kommen. Wer kam in der Meisterschaft zum Einsatz? Wie hat jemand gespielt? Wie war das Resultat? Die Beantwortung dieser Fragen war mit viel Aufwand und langen Telefonaten verbunden. Heute reichen meist ein paar Klicke im Internet.“

Nach drei Jahren als Frauen-Nationaltrainer wurde der Aufwand für den dreifachen Familienvater zu gross, er gab das Amt im Jahr 2000 ab, blieb dem Frauenfussball jedoch als technischer Leiter im Verband Bern/Jura verbunden. Von 2011 bis 2016 war er zudem mit einem kleinen Pensum im Ausbildungszentrum in Biel tätig. Seit einem Jahr arbeitet Simon Steiner wieder vollamtlich als Sportlehrer an der Berufsschule in Burgdorf. Oft muss er sich um eine Stellvertretung kümmern, nicht aber im kommenden Sommer, wenn die Europameisterschaft in Holland stattfindet. Diese findet nämlich während den Schulferien statt.

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