Der erste EM-Sieg ist Tatsache

Bereits im zweiten Spiel der Europameisterschaft ging es, nach der Niederlage gegen Österreich, für die Schweizerinnen um alles oder nichts. Die grosse Leistungssteigerung reichte dann auch für den ersten Sieg an einer Europameisterschaft in der Geschichte. Die Schweiz bezwang Island mit 2:1.

Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg veränderte ihr Team gleich an mehreren Positionen. Für die gesperrte Rahel Kiwic kam Jana Brunner in die Innenverteidigung, Lia Wälti rückte eine Positionen nach hinten und übernahm deren Führung anstelle von Caroline Abbé, im Mittelfeld kam Cinzia Zehnder zum Einsatz, Vanessa Bürki ersetzte Fabienne Humm im Sturm und Vanessa Bernauer kam für Géraldine Reuteler im Mittelfeld. Diese Massnahmen, und wohl auch eine grosse Portion an Einzelgesprächen führte dazu, dass das Team gegen Island mit einem anderen Gesicht auftrat. Die Pässe kamen an, der Spielaufbau funktionierte und Island musste sich aufs Verteidigen konzentrieren. So erspielte sich die Schweiz in der ersten Spielhälfte einen Ballbesitz von über 70%. Meist war aber vor dem Strafraum der Skandinavierinnen Schluss. Die erste Torchance der Partie gehörte dann auch Island, als Brynjarsdottir noch verzog. Auf allen Positionen wurde solidarisch geackert. Auffällig war vorallem das Laufpensum von Noelle Maritz und Vanessa Bürki, doch auch Lia Wälti hatte die Defensive im Griff. Nach einer halben Stunde Tempofussball schwand aber die Konzentration. Nach einem langen Ball war die rechte Seite der Verteidigung, welche eigentlich von Crnogorcevic hätte abgedeckt werden sollen, verwaist. Brunner konnte zu Hilfe eilen und den Gegentreffer verhindern. Der Abschlussversuch landete in den Händen von Thalmann. Nur drei Minuten später die identische Situation. Der Rettungsversuch von Brunner kam aber zu spät, Fridriksdottir auf ein langes Zuspiel von Brynjasdottir konnte flach abschliessen und Island mit 1:0 in Führung bringen. Die Fans Islands kannten kein Halten mehr. Nach 42 Minuten hätte es gar noch schlimmer kommen können, doch segelte der Kopfball von Jonsdottir über das Tor. Die Schweiz vermochte aber umgehend zu reagieren. Vanessa Bürki lancierte zwei Minuten vor der Pause Ramona Bachmann, welche von der Grundlinie Dickenmann sah. Diese konnte, leicht abgefälscht, den Ausgleich noch vor dem Seitenwechsel erzielen. Die Nationaltrainerin forderte von ihren Führungsspielerinnen, Verantwortung zu übernehmen. Und dies taten sich auch in überzeugender Art und Weise.

Zu Beginn der zweiten Hälfte war es zunächst Island, das auf den nächsten Treffer der Partie drängte. Zum ersten Abschluss kam aber diesmal die Schweiz, als Noelle Maritz zunächst noch mit einem zu schwachen Abschluss wenigstens versuchte, erneut für die Schweiz zu jubeln. Etwas, was man im Spiel gegen Österreich schmerzlich vermisste. Nur zwei Minuten danach brachte Vanessa Bürki Maritz links aussen ins Spiel, diese bediente Bachmann, welche die Schweiz erstmals in Führung bringen konnte. Schreckminuten durchlebten die 5647 Zuschauerinnen und Zuschauer, als Gaëlle Thalmann nach einem Zusammenstoss im Strafraum mehrere Minuten gepflegt werden musste. Unter frenetischem Applaus des sehr fairen isländischen Publikums konnte sie das Spiel aber mit einem dicken Verband wieder in Angriff nehmen. Damit stellte sie aber ihre Trainerin ungewollt vor eine schwierige Situation: “Sie wollte noch auf dem Feld genäht werden und weiter spielen. Doch wussten wir ja nicht, ob sie auch wirklich bis zum Ende durchhalten wird. So mussten wir den letzten Wechsel bis zum Ende hinauszögern”, erklärte Martina Voss-Tecklenburg später. Eine Viertelstunde vor Schluss hätte Fridriksdottir den Ausgleich auf dem Fuss gehabt, verpasste das Tor aber knapp. Island glaubte bis zum Schluss an den Ausgleich und zwang die Schweizerinnen in die kollektive Defensive. Als die Uhr 90 Minuten anzeigte, war das Spiel noch lange nicht zu Ende. Dauerte die Behandlung von Thalmann nur rund 6 Minuten, liess die Unparteiische gleich elf Minuten nachspielen. Zeit genug für Island, den zweiten Treffer zu erzielen. Doch auch den letzten Sturmlauf konnte die Schweiz abwehren, ja hätte durch Aigbogun gar nochdie Möglichkeit gehabt, das 3:1 zu erzielen. Wenn man der Schweiz etwas vorwerfen möchte, dann wohl, dass man sich trotz der weitgehenden Dominanz noch immer zu wenige Chancen erarbeitet hat. Gerade dieser Umstand wird in der letzten Partie gegen Turnierfavorit Frankreich ein Problem. Denn dort werden die Möglichkeiten noch weniger sein und viel Effizienz gefordert. Durch diesen Sieg gegen Island ist die Tür zum Viertelfinal dennoch einwenig offen.

Ramona Bachmann sprach im Anschluss an die Begegnung von einem intensiven Spiel, das man aber auch so erwartet habe. “Doch wir wollten zeigen, dass wir es besser können als gegen Österreich”, so die zur Spielerin des Spiels gekürte Zentralschweizerin. Viele kleine versteckte Fouls seien begangen worden, auf die man aber vorbereitet gewesen sei. Auch für Cinzia Zehnder, welche erstmals von Anfang an zum Einsatz kam, war es ein Spiel, wie sie es erwartet hatte. Sie sei schon etwas überrascht gewesen, in der Startelf zu stehen, doch gehemmt hat sie dies nicht. Zumindest wird sie von Voss-Tecklenburg in den höchsten Tönen gelobt: “Es war eine gute Geschichte, was sie da reingeworfen hat.” Das Spiel gegen Frankreich am kommenden Dienstag werde aber einen ganz anderen Charakter haben. Zehnder erwartet ein technisches Spiel, welches der Qualität der Französinnen entspreche. Klar ist, dass für das selbst definierte Ziel, das Erreichen des Viertelfinals, gegen die Favoritinnen Punkte generiert werden müssen. Doch dann ist die Schweiz wieder in der Aussenseiterrolle. Was ihr ja offensichtlich besser liegt.

Anita Battilana, Bianka Schönbächler-Ujlaki, Ursula Hardegger, Yvonne Zgraggen, Tatjana Viriato, Stefanie Hollenstein, Markku Runne, Andrea Schneider, Hans-Peter Meier, Monika Wallimann, Peter Dossenbach, Michael Graf, Jolanda Dickenmann, Dirk Buschmann, Werner Klein, Barbara Zogg, Marcelle Witter, Andrea Lamprecht, Ruth Schwarz, Claudia Dettwiler, Céline Frei-Shaqiri Plée, Brigitte Schmid, Pascal Oliver Hauser, Jeannine Piccand, Marion Barandun-Hartmann, Maja Vollenweider, Eva-Maria Lucena, Hildegard Forster, Livia Büchler, Rita Geser-Wallimann, Swenja Baumann, Marianne Wallimann Walter Wallimann, Daniela Schwarz, Aurelia Meier, Christina Flecklin, Marianne van Weezenbeek, Romina Hodel, Verena Aebi-Affolter, Axl Klausecker, André Calligaris, Markus Schärer, Sven Wintsch, Stephan Imoberdorf, WomensCup, Rahel Näpfli, Christina Nutt, Audrey Š. Corminboeuf, Patrick Reymond, Hanspi Piperata, Hans Burri, Michael Paffrath, Fabienne Schwarz, Sandra Pribilova, Heike Bauer, Peter Schell, Anja Hame, Monika Schmocker, Annegret Jucker Knecht, Gerd Gruendl, Mirjam Züger, Monika Klöckner, Carlos Enrique Girnt, Roman Dettwiler, Michi Lendi, Beatrice Chevalley, Beat Steiner, Tanja Tamara Huggenberger, Miriam Bucher, Daria Sina Tanner, Michèle Jacot, Ja ZKy, Barbara Erne, Petra Fischbacher, Patrick Born, Henry Mächler gefällt dieser Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.