Ärgerliches Unentschieden der Schweiz gegen Frankreich

Das dritte und letzte Gruppenspiel der Schweiz an der Europameisterschaft in Holland war ein Schicksalsspiel. Mit der Hypothek der Niederlage gegen Österreich im Startspiel musste die Schweiz die volle Punktzahl holen, um den Viertelfinal noch zu erreichen. Am Ende blieb nur ein Punkt und das Ticket für die Heimreise.

Unter der Leitung der Schiedsrichterin des Jahres 2016 starteten die Schweizerinnen in das letzte Spiel der Gruppenphase. Die Vorgabe war klar: Die Schweiz muss gewinnen. Nebst dem «Underdog» Schweiz stand aber auch Frankreich unter Druck. Denn im eigenen Land kommt seit Beginn der EM ziemlicher Gegenwind. Für die Franzosen gilt nur der Sieg. Man beurteilte die bisherige Performance der Französischen Nationalmannschaft zwar nicht als schlecht, aber als gut eben auch nicht.

Zu Beginn der Partie nahm Frankreich das Spiel in die Hand. Die Schweizerinnen spielten jedoch clever und kamen nach zehn Minuten zum ersten Mal vor das gegnerische Tor. Nach einem Pass von Dickenmann auf Bachmann wurde diese jedoch von zwei Verteidigerinnen abgedrängt. Die Spielerin von Chelsea hatte eine schwere Position – alleine im Sturm. Aber der Vorteil des Schweizer Trumpfes Bachmann ist, dass sie weiss, wie man reagieren muss und wie man ein Foul rausholt. Genau das tat sie dann auch: Nach einer knappen Viertelstunde könnte sie alleine vors Tor stürmen. Die Französin Renard stellt sich ihr jedoch als «letzte Frau» in den Weg und erhält die gelbe Karte.

Kurz danach die Chance für Frankreich. Lavogez stand frei und kam zum Abschluss. Aber Thalmann verhinderte den Treffer mit einer Glanzparade. In den folgenden Minuten machte Frankreich weiter Druck und die Schweizerinnen liessen den grossen Gegner etwas zu sehr gewähren. Dennoch gehörte die nächste gefährliche Situation den Schweizerinnen. Bachmann eroberte geschickt den Ball und es kam zu einer 1:1-Situation mit Périsset. Genau wie bereits Renard, stellte sich Périsset in den Weg, Bachmann fiel und die Schiedsrichterin zog die rote Karte. Es kam zum Freistoss – und dieser hatte es in sich: Martina Moser schoss und Anna-Maria Crnogorcevic verwertete mit einem platzierten Kopfball zur 1:0-Führung für die Schweiz.

Weiter ging es 11 gegen 10. Die Schweizerinnen überliessen das Spiel mehrheitlich den Französinnen, was jedoch durchaus Sinn machte, denn die Kontermöglichkeiten kamen sowieso. Beim nächsten Vorpreschen der Schweiz fand Bachmann jedoch keine Anspielmöglichkeit vor dem Tor. Es folgte der Konter Frankreichs und eine erneute Parade von Gaëlle Thalmann.

Die Schweizerinnen liessen sich nicht unterkriegen, sie konnten sich über längere Zeit in der gegnerischen Platzhälfte aufhalten. Vor dem Spiel hatte die Schweiz nichts zu verlieren und jetzt musste sie den Vorsprung verteidigen. Denn nur ein Treffer würde den Viertelfinal-Traum der Schweiz platzen lassen. Und Frankreich ist vor allem in Standardsituationen stark. Diese galt es zu vermeiden. Kurz vor der Pause kam es durch Dickenmann zur nächsten Torchance. Doch der Direktschuss flog in die Hände der französischen Torhüterin.

Die ärgerliche zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit wendete sich das Blatt. Die Schweizerinnen schienen nicht mehr allzu gut ins Spiel zu finden, verzeichneten mehrere Fehlpässe. In der 56. Minute konnte Bachmann erneut angreifen und rannte auf das Tor, Renard im Rücken. Eine zweite Französin kam allerdings zu Hilfe. Die Französinnen drückten und die Partie spielte sich mehrheitlich in der Schweizer Platzhälfte ab. Langsam kamen die Schweizerinnen physisch an ihre Grenzen.

Ein Patzer in einer ansonsten souveränen Partie von Gaëlle Thalmann führte zum EM-Aus. (Archivbild: Serina Degen)

Dann ein blöder Fehler. Crnogorcevic beging ein leichtes Foul und die Schiedsrichterin pfiff einen Freistoss, nur knapp vor dem schweizerischen Strafraum. Der Direktschuss war tückisch. Gaëlle Thalmann versuchte den Ball mit der Faust übers Tor zu lenken. Doch anstatt über dem Tor, landete er in den eigenen Maschen. In den nächsten Minuten gelang es der Schweiz nicht mehr, sich gegen die Französinnen durchzusetzen. Sie waren sozusagen stehend k.o. Die letzte Chance, um doch noch in den Viertelfinal zu gelangen, kam in der 4. Minute der Nachspielzeit. Calligaris schaffte es, vor dem französischen Strafraum einen Freistoss herauszuholen. Ramona Bachmann führte in aus aber der Schuss segelte direkt in die Hände der Torfrau.

Das letzte Spiel für Simon Steiner

Mit dem 1:1 Unentschieden gegen Frankreich und einem ärgerlichen Torhüter-Fehler hiess es «Endstation» für die Schweiz. Frankreich schaffte es mit einer ungenügenden Leistung ins Viertelfinale. Die Schweiz hätte den Sieg in diesem Spiel definitiv verdient. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg fand aber dennoch positive Aspekte: “Ich kann diesem Team keinen Vorwurf machen. Nun gilt es, sich aufzurichten und den Fokus auf die im September beginnende WM-Qualifikation zu richten.” Viele junge Spielerinnen konnten in Holland erstmals die Luft eines grossen Turniers schnuppern und werden diese Erfahrungen in die kommenden Spiele mitnehmen. Nicht mehr dabei wird Simon Steiner sein. Der Assistenztrainer von Martina Voss-Tecklenburg (unser Portrait vom 11.07.2017) wird das Team nun verlassen.

Für die Viertelfinals haben sich überraschend neben Frankreich die Österreicherinnen qualifiziert. Nach dem heutigen Sieg gegen Island (3:0) stehen sie an ihrer erstmaligen Teilnahme an einer Europameisterschaft gar als Gruppensieger fest.

Sandra Meier, Garance Chaignat, Sabine Wittleben, Michaela Marggi, Yanick Bühler, Ute Salzmann-Ziegler, Elsa Fehlmann, Babsi Fit, Carone Gianluca, Michèle Estermann, Andrea Lamprecht, Sabrina Arrigo, Marianne van Weezenbeek, Daniela Freiermuth, Uwe Hoffmann, Ivana Kobler, Mauro Nosetti, Marion Naef, Peter Keller, Laila Koch, Aurelia Meier, Joelle Schläfli, Miriam Bucher, Alex Bauert, Bastien Aebischer, fairygoals, Michi Lendi, Knud Walter, Oli Ottiger, Romina Hodel gefällt dieser Artikel

3 Responses to Ärgerliches Unentschieden der Schweiz gegen Frankreich

  1. Dino Stoianovic 27. Juli 2017 at 15:15

    Trotz ansprechender Leistung muss die Frage erlaubt sein, weshalb das Team trotz Überzahl in der 2. Halbzeit konditionell dermassen ausgeprägter abgebaut hat als der Gegner. Will man künftig weiterkommen, muss hier der Hebel angesetzt werden. Das gilt übrigens für den gesamten Frauen-Spitzenfussball in der Schweiz. Stellt man dann noch die individuellen Fehler ab, kommts gut.

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  2. jean luc teyssier 27. Juli 2017 at 14:37

    knapp gegen frankreich ausgeschieben. ein schönes tor ein unglückliches gegentor. warum kommt österreich weiter und wir nicht?
    ich erlaube mir hier als ex frauen nl trainer meine meinung zu äussern.
    die breite wird zu wenig unterstützt! viele verreine in der nl leben vom herzblut der staffmitglieder! dies genügt anscheinend nicht mehr, um einen schritt nach vorne zu tun.
    d
    nichtsdestotrotz merci frauen für diese spannende em!!
    lg jlt

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  3. R. Mathys 26. Juli 2017 at 23:41

    man hätte die überzahl mit einer zusätzlichen stürmerin (z.b.humm)
    in der halbzeit zur entlastung der überragenden ramona bachmann
    bringen müssen, somit hätte man die starken defensiven französinnen zurückgebunden.
    trotzdem hervorragende leistung allen voran ramona “messi” bachmann.

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