Veröffentlicht am: Mo, 29. Mai, 2017

Viele Pokale, mehr Muskelmasse, gute Erfahrungen – Bettina Brülhart und ihr Leben in den USA

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Seit dreieinhalb Jahren spielt Bettina Brülhart in den USA Fussball. In dieser Zeit hat die Zürcherin nicht nur viele Pokale gewonnen, sondern auch neue Erfahrungen gesammelt. In diesem Monat schliesst die ehemalige U19- und U20-Nationalspielerin ihr College-Studium ab – was danach kommt, ist noch offen. Ein Porträt im Zusammenhang mit dem Rotweiss-Magazin.

Bettina Brülhart hat während ihrer Zeit in den USA viele Erfolge gefeiert. (Bild: zVg.)

 

Das Zimmer von Bettina Brülhart ist klein, ihre Erfolge dafür umso grösser. Das Regal in ihrem Zimmer ist gefüllt mit Pokalen, welche die 22-Jährige in den letzten dreieinhalb Jahren am Lindsey Wilson College in Kentucky sowie an der McNeese State University in Louisiana in den USA gewonnen hat. Bettina Brülhart macht sich nichts aus solchen Trophäen: „Die Amerikaner vergeben für alles einen Award. Manche sind angebracht, in den meisten Fällen finde ich sie allerdings überflüssig“, sagt sie beim Telefon-Interview mit dem Rotweiss-Magazin. Auf drei ihrer Pokale ist Bettina Brülhart jedoch stolz: Auf drei ihrer Pokale ist Bettina Brülhart jedoch stolz: 2014 wird sie landesweit ins All-America-Team der NAIA (nationaler Sportverband der Colleges) gewählt, ein Jahr später wird sie Newcomerin des Jahres im Staat Louisiana und der Southland Conference und 2016 wird sie von der CoSida (ein Zusammenschluss von Sportdirektoren an den Colleges) noch einmal zum All-American ernannt.

2014 wird sie zudem mit ihrem Team des Lindsey Wilson Colleges in Kentucky Meister –  es ist dies ihr schönstes Erlebnis. Auch, weil sie den Erfolg mit ihren Schweizer Teamkolleginnen Fabienne Rochaix, Karin Bernet und Gwendoline Fai teilen konnte. Bitter war hingegen das Aus im Playoff-Halbfinal im vergangenen November. Nur zu gerne hätte Bettina Brülhart in den USA einen zweiten Titel gewonnen.

College-Fussball statt Nationalliga A

Doch die Zürcherin hat in den fast vier Jahren in Amerika nicht nur Pokale gewonnen, sondern auch viele neue Erfahrungen gesammelt. Die einstige U-Nationalspielerin und GC-Akteurin entschied sich im Sommer 2013, ihre Karriere jenseits des Atlantiks fortzusetzen. College-Fussball statt Nationalliga A. „In Amerika zu spielen, war schon immer ein Traum. Mir gefällt die Art, wie hier Fussball gespielt wird. Zudem verfolge ich die Liga und das Frauen-Nationalteam intensiv“, sagt sie.

Bettina Brülhart (rechts) im U20-Trainingslager in La Manga 2012, zusammen mit Cora Canetta (Mitte). (Archivbild: Seraina Degen)

Die heutige FCZ-Spielerin Natascha Gensetter war ein Jahr zuvor in Kentucky und stellte den Kontakt zu den Verantwortlichen her. Der Trainer des Lindsey Wilson Colleges besuchte daraufhin Bettina Brülhart in der Schweiz und bot ihr ein Stipendium an. Sie musste nicht lange überlegen und unterschrieb den Vertrag. Eineinhalb Jahre war sie in Kentucky, spielte zusammen mit vielen Ausländerinnen. Daneben besuchte sie die Schule, die für die KV-Absolventin aus der Schweiz jedoch keine grosse Herausforderung darstellte. Nach dem Semesterende kehrte sie für ein halbes Jahr in die Schweiz zurück, merkte aber bald, dass es sie nochmals in die USA zieht.

Bettina Brülhart zog also wieder los, dieses Mal nach Louisiana, in den Süden. Nicht nur die heissen Temperaturen und das schwül-warme Wetter waren ein grosser Unterschied zu Kentucky; auch die Schule war mit 8000 Schülern mehr als doppelt so gross. Im Team ist sie zudem die einzige Ausländerin. Während ihrer Zeit in den USA hat die Mittelfeldspielerin an Muskelmasse zugelegt, das amerikanische Spiel ist auf die Physis ausgerichtet. „Mit meiner Technik kann ich nicht alles wett machen, deshalb habe ich mit dem Coach des Footballteams individuell Kraft trainiert. Viel breiter bin ich aber nicht geworden, ich passe noch durch die Türe“, sagt sie und lacht.

Lange Tage mit Unterricht und Training

Die reguläre College-Saison läuft während des Herbstsemesters, von September bis November; im Frühling finden kleine Turniere und Freundschaftsspiele statt. Die Trainings sind entweder morgens um 6 Uhr, noch vor Schulbeginn, oder dann am Nachmittag um 15 Uhr. An Tagen mit Schulschluss um 13 Uhr bestehen die Möglichkeiten für Physiotherapie, Regeneration oder zusätzliches Training, welche Bettina Brülhart gerne nutzt. An den Wochenenden wird eine Doppelrunde gespielt, am Freitagabend und am Sonntagnachmittag. Jedes zweite Wochenende stehen Auswärtsspiele an. Der Aufwand für die Auswärtsspiele ist gross, die Distanzen weit: So dauert die längste Busfahrt acht Stunden.

„Das genau liebe ich, wie Schule und Sport kombiniert werden, ich die Zeit selbst einteilen kann und auch genügend Zeit für die Hausaufgaben habe.“ Bettina Brülhart schätzt auch die kurzen Distanzen auf dem Campus: Von ihrem Haus, dass sie mit drei Volleyballspielerinnen teilt, erreicht sie das Fussballfeld mit dem Velo in fünf Minuten, der Kraftraum liegt gleich neben dem Platz. Kommen ihre Klassenkameraden oft mit Chicken Nuggets und Cola in die Stunde, ernährt sich die Schweizerin so gesund und ausgewogen als möglich, oft kocht sie selbst oder zusammen mit ihren Mitbewohnerinnen. „Dass es hier kein richtiges Brot gibt, ist eine Qual“, sagt sie. Von ihren Weihnachtsferien in der Schweiz hat sie zudem noch ein Fresspäckli an Schweizer Schokolade mitgenommen. Ansonsten vermisst sie in den USA kulinarisch gesehen nichts.

Bettina Brülhart im Trikot der McNeese-Universität. (Bild: zVg).

Im Mai wird Bettina Brülhart ihr Bachelor-Studium mit dem Schwerpunktfach Journalismus abschliessen. „Die Schule werde ich nicht vermissen, das Unileben und den Fussball hingegen schon. Es war eine gute Erfahrung, ich bin eigenständiger geworden und habe mich fussballerisch weiterentwickelt.“ Was ab kommendem Sommer sein wird, ist offen. Bettina Brülhart mag nicht so recht darüber sprechen: „Es gibt viele Optionen, die ich nun prüfe. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, was sich ergibt“, sagt sie. Eine Rückkehr in die Schweiz kann sie sich vorstellen, sei aber nicht erste Wahl, wie sie noch anfügt.

Egal, wo es Bettina Brülhart hinziehen wird, ihr Rucksack an positiven Erfahrungen ist prall gefüllt und wiegt wohl genauso schwer, wie der Zügelkarton mit all ihren Pokalen und Auszeichnungen.

Michèle Estermann, Fabienne Rochaix, Beat Steiner, Deborah Näpfli, Marina Sprecher, Marion Rochaix-Schleich, weinonline.ch, Melissa Stickel, Sarah Giezendanner-Eugster, Claudia Donatsch-Kreis, Anna Steiger, Daniela Schwarz, Joelle Schläfli, Babsi Fit, Arbi Zeqiraj, Monica Luraschi gefällt dieser Artikel

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