Zürich ungefährdet, Neunkirch mit Revanche im Cupfinal

Nach einem turbulenten Spiel in Bern und dem erwarteten Sieg in Zürich, stehen auch diesem Jahr wieder die beiden Topteams aus Neunkirch und Zürich im Endspiel des Schweizer Cups.

BSC Young Boys – FC Neunkirch 1:2 (1:1)

„Ziemlich surreal“ nannte die etwas mitgenommene Marisa Wunderlin das Ende der Partie. „Fast kitschig“, meinte der Neunkirchner Sportchef Beat Solz. „So ist er, der Fussball“, sagte der Neuenkirchner Trainer Hasan Dracic. Was war passiert? In der letzten Minute der Nachspielzeit, mit der allerletzten Aktion des Spiels, hatte Lucia Ondrusova das 2:1 Siegestor für Neunkirch erzielt. Ondrusova, die erst in der 70. Minute eingewechselt worden war und die ihren ersten Einsatz nach einer achtmonatigen Verletzungspause hatte. Sie versenkte ihren platzierten Flachschuss im gleichen Tor, in das Floijana Ismaili vor fast genau einem Monat ebenfalls in der letzten Minute das damalige Siegestor für YB geschossen und damit Neunkirch die erste Saisonniederlage beigebracht hatte.

Nun ging es gerade anders herum aus. Die Gäste dominierten das Spiel über weite Strecken, die Bernerinnen konnte sich nur mit nadelstichartigen Angriffen befreien, die sie aber nicht sauber zu Ende spielten. Einstellung und der Abwehrarbeit ihres Teams lobte Wunderlin, den Spielaufbau, besonders unter Druck, bemängelte sie aber. Neunkirch hatte vor allem in der ersten Halbzeit einige gute Chancen, wiederholt durch die ohnehin auffällig spielende Alyssa Lagonia. Das war insofern nicht selbstverständlich, als dass den Klettgauerinnen mit Harsanyova, Chambers, Feckova und Baumann etliche Spielerinnen fehlten und weiterhin fehlen werden. Die Neunkirchner Bank war nur dünn besetzt.

Das hatte zur Folge, dass Neunkirch für einmal keine physischen Vorteile besass. Das machte sich gegen Ende des Spiels bemerkbar, als es schien, als hätte YB das Gröbste überstanden. Das wird die Bernerinnen ärgern, weil sie es nicht mit einem übermächtigen Gegner zu tun hatten. Und ärgern wird sie auch, dass sie diesem Gegner sogar noch auf die Sprünge halfen. Vor 1167 Zuschauerinnen und Zuschauern hatte Charlotte Mayland in der 20. Minute die kurz zuvor gefallene Neunkirchner Führung zwar ausgeglichen, aber auch dieses Tor hatte eine Bernerin erzielt: Die Verteidigerin Carola Fasel lenkte den Ball per Kopf an die Latte, von wo er der Torhüterin Jennifer Oehrli an die Hand und ins Tor sprang.

So erlitten die unglücklichen Bernerinnen ihre erste Niederlage seit letztem Oktober und das jubelnde Neunkirch erkämpfte sich, fast mit dem letzten Aufgebot, die Möglichkeit zur Cupfinal-Revanche gegen den FC Zürich: Bühne frei für das nächste Drama.

FC Zürich Frauen – Yverdon Féminin 3:0 (1:0)

(mst) Im zweiten Halbfinal, zwischen dem FC Zürich und dem Yverdon Féminin, gewann der FCZ zu Hause im Heerenschürli verdient mit 3:0. Die Züricherinnen nahmen in der ersten Halbzeit von Beginn weg das Spiel in die Hand und kamen bereits in der ersten Viertelstunde zu mehreren Torchancen, welche sie allesamt ungenutzt liessen. Yverdon vertedigte geschickt und liess den Einheimischen kaum Räume. Nach 30 Minuten unterlief den Zürcherinnen ein gefährlicher Fehler: Natasha Gensetter rutschte vor dem eigenen Strafraum aus und Yverdons Chloé Nicaty stand alleine vor dem Tor. Der Abschuss ging zum Glück der Zürcherinnen jedoch knapp am Tor vorbei. Auch die Nationalspielerin Albaniens, Qendresa Krasniqi, welche zu den auffälligsten Spielerinnen der Gäste gehörte, vermochte ihr Team nicht in Führung zu bringen. Kurz vor der Pause erzielte Fabienne Humm unspektakulär das 1:0. Sie verwertete den Pass von Sanni Franssi. Trainer Dorjee Tsawa zollte dem Gegner auch entsprechend Respekt, denn es sei nicht unerwartet gekommen, man habe gewusst, dass Yverdon in diesem Halbfinal alles reinwerfen werde. “Es war bei uns recht harzig, es gab viele Abspielfehler. So hatten wir zwar viel Ballbesitz, konnten aber nicht viele Torchancen erarbeiten”, so Tsawa weiter.

Qendresa Krasniqi (rechts), hier neben Sandrine Mauron, forderte die Verteidigung des FCZ während der gesamten Partie (Bild: Peter Ganser)

In der zweiten Halbzeit bauten die Zürcherinnen erneut Druck auf. Danach verlor die Partie jedoch etwas an Fahrt. Beide Mannschaften schienen unkonzentriert. Für den Trainer des FCZ war die zweite Hälfte zwar besser, doch habe ihnen Yverdon das Leben schwer gemacht. Insbesondere der letzte Pass verfehlte die Adressatin immer wieder. Nach knapp einer Stunde hätte Sandrine Mauron gegen das von ihrem Vater trainierte Team beinahe auf 2:0 erhöht, doch traf sie nur die Torumrandung. In der letzten Viertelstunde konnten die Zürcherinnen von den Ermüdungserscheinungen der Westschweizerinnen profitieren. Innerhalb von 5 Minuten erzielten Malin Gut und Patricia Willi das 2:0 und 3:0. Die Gegnerinnen liessen sich jedoch noch nicht demoralisieren, drängten auf den Anschlusstreffer. Nur eine Parade von der Zürcher Torfrau Seraina Fridli verhinderte den Treffer zum 3:1. An ein mögliches Double will Tsawa auch jetzt noch nicht denken. “Ich sagte den Spielerinnen, dass wir uns mit dem Einzug in den Final für ein Highlight qualifizieren konnten. Darauf freuen wir uns. Sonst schauen wir auf das nächste Spiel gegen Derendingen, auf welches wir uns gut vorbereiten müssen, denn wir wollen dort drei Punkte holen. Aber von einem möglichen Double möchte ich jetzt nicht sprechen.”

Mit dem am Ende klaren Sieg gegen Yverdon konnten die Zürcherinnen ihrer Favoritenrolle gerecht werden und stehen somit verdient im Cup-Final gegen den FC Neunkirch, welcher am 27. Mai in Biel stattfinden wird.

Nath Chitchi Wyss, Andi Haab, Beat Steiner, Fussballerin Fussballerin, Sandra Meier, Armin Stempfel, Annika Bo, Jürg Huggler, Chris Vandoni, Carone Gianluca, Hildegard Forster, Roger Kutter, Deborah Näpfli, Michi Lendi gefällt dieser Artikel

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