Veröffentlicht am: Sa, 1. Apr 2017

Neunkirch hält Zürich auf Distanz, GC wohl ganz abgehängt

Eine Newsmeldung präsentiert von:

In der drittletzten Runde der Qualifikation gab es vier Unentschieden. Auch der Spitzenkampf endete mit einer Punkteteilung. Er fand unter aussergewöhnlichen Umständen statt. Praktisch entschieden ist die Strichfrage: Luzern sichert sich Rang sechs.

FC Neunkirch – FC Zürich 1:1 (0:1)

In Schaffhausen wurde heute der Spitzenkampf zwischen dem Tabellenführer Neunkirch und dem amtierenden Meister FC Zürich ausgetragen. Zwei Punkte trennten die beiden vor der Partie. Die Affiche verdiente einen besonderen Rahmen und so fand das Spiel auf dem Kunstrasen des nigelnagelneuen Schaffhauser Stadions statt. Es versteckt sich hinter einem Möbelladen, dessen Eingang deutlich grösser ist als derjenige des Stadions. Auch den Namen hat das Stadion vom Einrichtungsgeschäft erhalten, was etwas unvorteilhaft ist, denn er bedeutet ursprünglich „Resteverkauf“.

Nichtsdestotrotz, das Stadioninnere ist apart und etwa 400 heute nicht an Möbeln interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer fanden auch den Weg dorthin. Sie bedankten sich mit gut hörbarem Support beim selber Gastrecht geniessenden FC Neunkirch für den gewährten Gratiseintritt. Die Würste wurden ihnen unterdessen von der Frau des Präsidenten des FC Schaffhausen serviert.

Das Team des FC Neunkirch vor dem Spiel gegen den FC Zürich am 1.4.2017 in Schaffhausen (1:1). (Bild: zvg)

Zum Sport: Zürich startete furios in die Partie, profitierte allerdings von evidenten Abstimmungsproblemen in der Abwehr des Gegners. Das 1:0 verdankte der FCZ dieser Fadenscheinigkeit der Neunkirchner Defensive, die einen flachen Diagonalball einmal quer übers ganze Feld rollen liess, bis er zu Selina Kuster kam, die Zürich mit einem sehenswerten Hocheckschuss die Führung brachte.

Danach standen die Neunkirchnerinnen weiterhin hoch, ihre Abseitsfalle war aber etwas eingerostet, so dass Zürich enorme Räume hinter der Abwehr vorfand. Nur drei Minuten nach der Führung schoss Fabienne Humm auf Zuspiel der seitlich durchgebrochenen von Sanni Franssi das vermeintliche 2:0, wurde dann aber doch wegen Offside zurückgepfiffen.

Dass der FC Neunkirch für sein einladendes Abwehrverhalten nicht schwerer bestraft wurde, verdankte er vor allem seiner Torhüterin Maria Korenciova. Die slowakische Nationalhüterin klärte je einmal bravourös gegen Franssi und einmal gegen Humm, die jeweils solo auf sie zustürmten. Humm scheiterte zudem mit einem Heber. Diesen Chancen gingen entweder schöne Ballstafetten oder hübsche Tricks im Mittelfeld voraus, die den Gegner ein einen Schlag aushebelten.

Und Neunkirch? Spielte mit, blieb aber harmlos. Zu viele Hereingaben und Weitschüsse landeten ohne Gefahr zu erzeugen in den Armen von Seraina Friedli. Nur in einer kurzen Phase Mitte der ersten Halbzeit war der Druck auf den Zürcher Strafraum gross genug, um dort für Unordnung zu sorgen. Doch schliesslich klärte Julia Stierli noch weit vor der Linie.

Ihr Tor alleine reichte nicht: Selina Kuster. (Archivbild: Peter Ganser)

„Wir hätten unsere Chancen in der ersten Halbzeit nützen sollen“, sagte der Zürcher Trainer Dorjee Tsawa nach dem Spiel. „Ein zweites und sogar ein drittes Tor wären sicher möglich gewesen. Man muss aber sagen, dass Korenciova wirklich gut gehalten hat. In der zweiten Halbzeit haben wir uns zu sehr auf das Verwalten verlegt und zu wenig nach vorne getan. Wir haben uns auf das Umschaltspiel konzentriert, darunter hat unser Spielaufbau gelitten.“

Das war überdeutlich. Tatsächlich fand Zürich in der zweiten Halbzeit kaum mehr statt. Dafür spielte nun Neunkirch hartnäckig nach vorne. Zwar fehlten den Gastgeberinnen in der Offensive lange Zeit die richtigen Lösungen , mit welcher Unnachgiebigkeit sie diese aber suchten, war bemerkenswert.

Maria Korenciova hielt ihr Team lange im Spiel. (Archivbild: Dominik Stegemann / fan-fotos.ch)

Patrizia Hmirova und Valentina Bergamaschi waren die auffälligsten Feldspielerinnen ihres Teams, das überhaupt Moral bewies. Die Slowakin Hmirova flink und wach, die Italienerin Bergamaschi bissig und torgefährlich. Beide scheiterten nur knapp am Ausgleich. In der 71. Minute verpasste Hmirova eine Flanke von Yasmin Bunter um Haaresbreite. In der 77. Minute hielt Friedli einen Schuss Bergamaschis am nahen Pfosten und in der 82. Minute setzte wieder Bergamaschi eine Hereingabe von Amelia Pietrangelo aus vollem Lauf über das Tor.

Zu diesem Zeitpunkt war Neunkirch dem Ausgleich nah, so nah, dass das Heimpublikum fürchten musste, wenn er bis jetzt nicht gefallen war, falle er gar nicht mehr. Aber Irrtum, Neunkirch drückte und drückte, erhielt drei Eckbälle hintereinander und Friedli konnte den letzten mit der Faust nicht weit genug klären. Die Verteidigerin Lucia Harsanyova stand bereit und schoss aus kurzer Distanz ein.

Grosser Jubel, vielleicht aber zu früh, denn plötzlich machten die Gäste wieder Kräfte frei, plötzlich übernahmen sie wieder das Diktat und Neunkirch liess sich heftig einschnüren. Zuletzt stieg die aufopferungsvolle Neunkirchner Verteidigerin Monica Mendes im eigenen Strafraum mit beiden Beinen voran in ein Tackling und traf zu ihrem Glück nur den Ball und nicht anderes. So retteten die Gastgeberinnen im fremden Stadion vor wohlwollendem Publikum das Unentschieden, das sie an der Tabellenspitze hält. Sie feierten es wie einen Sieg.

Der Meister aus Zürich schien sich davon aber nicht besonders beeindrucken zu lassen. Noch hat er eine Direktbegegnung mit den Herausforderinnen vor sich, um das Blatt zu wenden. Doch nicht einmal davon wollte Tsawa viel wissen: „Über das Finalrundenspiel gegen Neunkirch mache ich mir noch gar keine Gedanken. Als nächstes steht für uns der Cup im Vordergrund.“ Nur eines liess er dem Tabellenführer da: „Leader sein ist nicht einfach. In den letzten Jahren waren immer wir die Gejagten, jetzt sind sie es.“
FC Luzern – YB 1: 1 (1:1)

Das letzte Mal, als YB in Luzern zu Gast war, gewannen die Bernerinnen einen aufreibenden Cupfight und zogen in den Halbfinal ein. nicht zuletzt dieses Spiel kurz vor der Winterpause scheint YB ein zünftiges Mass an Selbstvertrauen mitgegeben zu haben. Tatsächlich haben sie in der zweiten Saisonhälfte nämlich noch nie verloren. Das blieb auch heute so. Das Unentschieden bedeutet für die Bernerinnen, die bereits für die Finalrunde qualifiziert sind und sich auf bevorstehende Semifinale vorbereiten, allerdings weniger als für den FC Luzern.

Die Gastgeberinnen sichern sich mit dem einen Punkt ebenfalls den Rang unter den ersten sechs und damit den Klassenerhalt. Rechnerisch könnte das siebtplatzierte GC den FCL zwar noch einholen, doch sechs Punkte Vorsprung und eine um 22 Treffer bessere Tordifferenz machen ein Aufholen der Zürcherinnen in den beiden letzten Spielen wohl unmöglich.

Die beiden Tore fielen in der Anfangsphase der Partie. Irina Brütsch brachte Luzern in der 7. Minute in Führung. Jasmin Schweer, die schon in der letzten Runde getroffen hatte, glich jedoch nur vier Minuten später mittels Freistoss zum früh feststehenden Schlussresultat aus.
GC Zürich – SC Derendingen Solothurn 9:0 (6:0)

(cb) „Wir bereiten uns bereits auf die Barrage vor“, liess der Derendinger Trainer Urs Bachmann nach dem Spiel gegen den FC Luzern und der 0:6 Niederlage am letzten Wochenende verlauten. Das Spiel gegen die Grasshoppers heute konnte auch keine anderen Vorzeichen haben. Den Willen, eine Überraschung zu erreichen, konnte man den Solothurnerinnen zwar nicht absprechen,doch die Hoppers behielten während des ganzen Spiels das Heft in der Hand.

Bereits in der 2. Minute gingen sie durch Carina Roscic in Führung und erhöhten innert nur vier Minuten durch Tenini und Iseli bereits auf 3:0. Auch wenn die taktische Aufstellung der Gäste auf der defensiv war, versuchten sie dennoch, sich Chancen zu erarbeiten. In der 9. Minute war es Carla Hager, welche an Nadja Furrer scheiterte und zumindest auf 1:3 hätte verkürzen können. Doch auch heute wollten die Tore nicht fallen.

War es in Luzern die zweite Halbzeit, in der Derendingen zumindest Akzente setzen konnte, so liessen sie ihre Möglichkeiten heute in der ersten Spielhälfte ansatzweise aufblitzen. Doch ob Abdyli in der 22. Minute oder Grob sieben Minuten vor der Pause, beide liessen sie ihre Chancen ungenutzt. Anders die Zürcherinnen, welche durch Müller (19., 24. Minute) und erneut Selina Iseli (40.) auf 6:0 erhöhen konnten.

In der zweiten Halbzeit funktionierte bei GC nicht mehr allzu viel, doch Derendingen konnte daraus keinen Nutzen ziehen. Die Einheimischen tappten ein ums andere Mal in die Abseitsfalle der Gegnerinnen und spielten zu kompliziert. Zwar trafen Fiona Hubler (65.) und Caroline Müller (70., 89.) noch drei weitere Male, zufrieden war Trainerin Evelyn Zimmermann am Ende doch nicht: „Wir taten uns schwer, auch wenn wir nach nach einer Minute in Führung gingen. Wir haben unsere Aufgabe nur erledigt.“ Erledigt, mehr war das nicht. Trotz des Kantersiegs: GC konnte nicht an die besten Leistungen der Saison anknüpfen.

Für die Hoppers wurde die erste Saisonhälfte zum Verhängnis. Auch aus Sicht der Trainerin ist dies der Grund, weshalb man nun in der Barrage um den Ligaerhalt kämpfen muss. „Lugano und Luzern haben ihren Job heute gemacht und damit ist die Situation klar. Wir haben unsere Punkte im letzten Jahr unnötig abgegeben.“ Die Auf-/Abstiegsrunde nimmt sie überhaupt nicht auf die leichte Schulter, gibt sich aber kämpferisch: „Es wird schwierig, wir müssen es von Spiel zu Spiel nehmen. Aber ich bin überzeugt, dass wir qualitativ das beste Team der Barrage sind.“
Yverdon Féminin – FC Staad 1:1 (1:0)

Yverdon stand vor dem heutigen Spiel als Teilnehmer der Auf-/Abstiegsrunde fest, für Staad gilt danach dasselbe. Die Chancen der Ostschweizerinnen waren aber ohnehin nur noch theoretischer Natur gewesen. Immerhin belohnten sie sich für die lange Reise an den Neuenburger See mit einem Auswärtspunkt. Claudia Stilz glich nach einer Stunde das durch Thaïs Hurni in der 32. Minute erzielte Führungstor der Gastgeber aus. Damit konnte sich Yverdon nicht vollumfänglich für die Auswärtsniederlage im Hinspiel revanchieren, das nach einer dramatischen Schlussphase mit einiger Aufregung geendet hatte.

Dass Staad seine kritische sportliche Situation mit Humor nimmt, bewies der Verein vor dem Spiel, als er eine datumsgerechte Meldung lancierte, gemäss welcher ein russischer Investor den Klub übernommen habe und Geld fortan kein Problem mehr sei. Auch auf etwas zu lachen hoffen die Waadtländerinnen. Sie tragen ihr nächstes Spiel am Ostermontag gegen den FC Zürich aus, es ist der Cup-Halbfinal.
FC Basel – FF Lugano 0:0

Ebenfalls unentschieden trennten sich Basel und Lugano. Die Tessinerinnen diesbezüglich die Spezialistinnen der Liga. Sechs Mal remisierten sie bereits, so oft wie kein anderes Team. In Basel hätten sie eigentlich den Vorteil gehabt, zwanzig Minuten in Überzahl zu sein, weil Fabienne Bangerter in der 70. Minute für eine Notbremse die rote Karte sah. Trotzdem blieb die Partie torlos.

Marc-André Rauber, Thomas Grob, Mirande Genet, Sascha Baumer, Weibel Niklaus, Larissa Weber, René Martin, Babsi Fit, Pippo Rino, Donjeta Muji, Michi Lendi, Tanja Tamara Huggenberger, Sandra Meier, Deborah Näpfli, Hildegard Forster, Carone Gianluca gefällt dieser Artikel

Holen Sie sich die App des Frauenfussball-Magazins und bleiben Sie immer bestens informiert:

Kommentiere diesen Beitrag

XHTML: Sie können diese html tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Log in here!