Veröffentlicht am: Mi, 22. Feb 2017

Eseosa Aigbogun ist in Potsdam angekommen

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Im vergangenen Sommer hat Eseosa Aigbogun vom FC Basel in die deutsche Bundesliga zu Turbine Potsdam gewechselt. Sie wollte sich Schritt für Schritt ans höhere Niveau gewöhnen. Weit gefehlt – die Schweizer Nationalspielerin hat sich von Beginn weg durchgesetzt und grüsst mit ihrem neuen Team von der Tabellenspitze. Ein Portrait in Zusammenarbeit mit dem Magazin Rotweiss.

Will im Sommer auch an der Europameisterschaft in Holland Akzente setzen: Eseosa Aigbogun. (Archivbild: Seraina Degen)

 

Es läuft die 63. Minute im Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga am 2. November des letzten Jahres. VfL Wolfsburg gegen Turbine Potsdam. Nach einem Eckball findet die anschliessende Flanke den Kopf von Eseosa Aigbogun, diese springt hoch, erwischt den Ball und trifft zum 1:0-Siegtreffer vor 1600 Zuschauern. Es sei knapp gewesen, erinnert sich Aigbogun drei Monate später – und ausserdem sei Kopfball gar nicht ihre Stärke. Doch die 23-jährige Schweizerin setzt sich in diesem Moment im Fünfmeterraum gegen mehrere Wolfsburgerinnen durch. „Ich habe mich so fest gefreut, es war ein komisches Gefühl. Endlich konnte ich etwas zurückgeben und dem Trainer und meinem Team für das Vertrauen danken.“

Die Umstellung von der NLA in die Bundesliga

Nicht nur, aber auch dank diesen drei wichtigen Punkten überwintert Turbine Potsdam als Tabellenführer, hat fünf Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger, Meister Bayern München. Dazu beigetragen hat auch Eseosa Aigbogun, die nach ihrem Wechsel im Sommer vom FC Basel zu Potsdam in jedem Bundesliga-Spiel in der Startaufstellung stand. Das hätte sie nie erwartet, sagt Aigbogun. „Beim FC Basel war die Luft draussen, es ging nicht mehr weiter, ich wurde schlechter, statt mich zu verbessern.“ Sie suchte einen neuen Impuls und fand ihn beim Wechsel zu Potsdam. Die schnelle Flügelspielerin stellte sich darauf ein, dass sie zuerst im Reserveteam in der 2. Bundesliga eingesetzt werden könnte und mit der 1. Mannschaft trainiert. Schritt für Schritt wollte sie sich an das höhere Niveau herantasten – es sei für sie eine „Absicherung“ gewesen. Weit gefehlt. Eseosa Aigbogun setzte sich von Beginn weg durch, auch wenn die Umstellung von der Nationalliga A in die deutsche Bundesliga zu Beginn schwierig war.

Der Wechsel vom FC Basel nach Potsdam hat sich für Eseosa Aigbogun (links) gelohnt. (Archivbild: Seraina Degen)

Nicht nur Lia Wälti, die zweite Schweizerin bei Potsdam und deren Kapitänin, hat Eseosa Aigbogun dabei geholfen, dass sie sich im neuen Umfeld schnell wohlfühlte, auch die anderen Mitspielerinnen hätten sich gut um sie gekümmert. „Ich habe im Vorfeld viel gehört, es gehe nur um Leistung und solche Sachen. Aber das stimmt nicht. Wir haben einen starken Zusammenhalt und eine gute Stimmung. Ich fühlte mich nie gestresst und konnte deshalb befreit aufspielen.“ Im ersten halben Jahr hat sich Eseosa Aigbogun nur auf den Fussball konzentriert. Nun ist sie zwar auf der Suche nach einem Nebenjob, um etwas Abwechslung in ihren Alltag zu bringen, aber Vollzeit arbeiten möchte und kann die gelernte kaufmännische Angestellte nicht mehr.

Die deutsche Mentalität

Verglichen mit der Schweiz gäbe es auch noch andere Unterschiede, wie Aigbogun erzählt. Nicht nur hat sie mehr mit Medien zu tun und verteilt regelmässig ihre Autogrammkarten, auch die Infrastruktur ist mit Sauna und Pool in der annehmlichen Garderobe nochmals grosszügiger, als dass im Campus in Basel der Fall war. Natürlich trainiert die Zürcherin nicht nur mehr, sondern auch intensiver und konzentrierter, auf dem Platz muss sie schneller denken und reagieren. „Wir können lachen, aber wir wissen auch, wann wir den Schalter umlegen müssen. Wenn man das Training mal zu locker angeht, sagen dir das die Mitspielerinnen oder der Trainer deutlich.“ Aigbogun findet das gut. Direktheit sei Teil der deutschen Mentalität.

Noch im Dress des FC Basels in der vergangenen Saison: Eseosa Aigbogun (links) im Zweikampf gegen Neunkirchs Kayla Chambers beim Cuphalbfinal am 28. März 2016. (Archivbild: Uwe Zinke)

Die 34-fache Nationalspielerin (3 Tore) wohnt in einer Wohngemeinschaft gemeinsam mit einer Mitspielerin. In Potsdam gefällt es ihr ausgezeichnet. Mit dem Velo hat sie knapp zehn Minuten bis zum Trainingsort. Mit den Teamkolleginnen geht sie manchmal auswärts essen oder spazieren, auch gemeinsame Ausflüge in die nahe Grossstadt Berlin gehören dazu. Als ihre Mutter mit dem kleinen Bruder zu Besuch war, stand eine Sightseeing-Tour zu den Schlössern und Museen in der Umgebung auf dem Programm. „Früher habe ich die Silvester in Berlin verbracht, jetzt wohne ich hier. Das ist komisch, aber auch sehr cool“, sagt sie und lacht. Eseosa Aigbogun vermisst in Deutschland nichts. Auch auf afrikanische Lebensmittel muss die schweizerisch-nigerianische Doppelbürgerin nicht verzichten, solche Geschäfte seien genügend vorhanden. Als sie noch in der Schweiz wohnte, besorgte sie sich die Spezialitäten aus Nigeria im Laden ihres Vaters in Zürich. Diese Besuche sind nun nicht mehr möglich, dafür telefoniert Eseosa Aigbogun so oft als möglich mit ihrem Vater – auch vor den Spielen, um gemeinsam zu beten.

Die Europameisterschaft in Holland

Über die Weihnachtstage war sie zuhause bei ihrer Familie und hat neue Energie für die Rückrunde getankt. Dass Turbine Potsdam als Leader nun das gejagte Team ist, dessen ist sich Eseosa Aigbogun bewusst: „Wir freuen uns, dass wir Erster sind. Aber die Saison ist noch lang, es wird ein anstrengender Frühling werden.“ Vorerst konzentriert sie sich auf die Einsätze mit dem Verein, danach folgt im Sommer die Europameisterschaft in Holland. „Ich hoffe, dass ich mich auch im Nationalteam weiterentwickeln und eine wichtige Rolle einnehmen kann“, sagt sie dazu.

An der Weltmeisterschaft in Kanada 2015 schoss sie im Gruppenspiel gegen Ecuador den ersten Treffer. Vielleicht gelingt der ersten Schweizer WM-Torschützin bei der EM-Premiere wieder historisches. Denn mit entscheidenden Treffern hat Eseosa Aigbogun Erfahrung.

Sulamith Bertschi, Gioia Mathys, Valeska Meyer, Peter Schell, Beat Steiner, Mirjam Strässle, Sarah Giezendanner-Eugster, Vinh Nägeli Päukerli, Raimund Huebner, Babsi Fit, Meli Hungerbühler, Daniela Schwarz, Annika Niebuhr, Heidy Kuppelwieser, Jens-Uwe Ludwig, Verena Aebi-Affolter, Alexandra Müller, Fabienne Schwarz, Romina Hodel, Ernst Widmer, Lydia Andrade, Céline Frei-Shaqiri Plée, Anita Kunz-Jegerlehner, Ja ZKy, Daniela Marti-Kunz, Deborah Näpfli, Emanuele Onza gefällt dieser Artikel

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