Veröffentlicht am: So, 22. Jan 2017

Die Portugiesin in Basel

Eine Newsmeldung präsentiert von:

In einem Monat beginnt die Rückrunde der Nationalliga A der Frauen. Für Stefanie De Alem Da Eira von den FC Basel Frauen kommt der Start noch zu früh, die schweizerisch-portugiesische Doppelbürgerin befindet sich nach einer Fussverletzung erst im Aufbautraining. Trotz viel Physiotherapie und Training hatte sie Zeit, um über ihre Herkunft und ihre Karriere zu reden. Ein Text in Zusammenarbeit mit dem Magazin Rotblau.

 

 

Im Leben von Stefanie de Além da Eira geht es momentan etwas langsamer zu und her. Seit der Fussverletzung, die sich die Offensivspielerin Mitte Oktober im Training zugezogen hatte, ist sie auf Krücken angewiesen. Dass der Treffpunkt für das Gespräch bei der Tramhaltestelle am Karl-Barth-Platz in Basel stattfindet, ist nicht dem Umstand geschuldet, dass die Top-Skorerin der FCB-Frauen in der Hinrunde (10 Tore) in letzter Zeit oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war. Zu umständlich wäre das gewesen. Sondern ganz einfach deshalb, weil sie im nahen Gellert-Quartier wohnt.

Das tut die schweizerisch-portugiesische Doppelbürgerin bereits seit fast sechs Jahren. Zuerst wohnte sie im FCB-Haus in der Lehenmatt, später zog sie gemeinsam mit zwei Mitspielerinnen in die Wohnung im Gellert. Stefanie de Além da Eira gefällt es in Basel. Die Stadt blieb auch ihr Lebensmittelpunkt, als sie in der letzten Saison bei den FC Zürich Frauen spielte. Dieses Jahr hat sie nicht nur fussballerisch weitergebracht wie sie sagt, sondern auch als Mensch verändert. Früher wirkte die 1.78 Meter grosse Spielerin eher zurückhaltend und war bekannt dafür, das sie zwar nett grüsst und freundlich ist, aber über den man sonst nicht viel weiss, da es nie zu einem längeren Gespräch gekommen ist. Das ist nun anders, Stefanie de Além da Eira ist gelassener und offener geworden und redet im Gespräch mit Rotblau über…

…ihre Herkunft:

“Zugegeben, mein Name ist etwas kompliziert und ich werde in der Schweiz oft darauf angesprochen. Er ist eine Kombination der Nachnamen meiner Eltern. Mein Vater heisst da Eira, meine Mutter de Além. Wenn ich einmal Kinder haben sollte, dann wird nur der Name meines Vaters, also da Eira, weiterbestehen. Meine Eltern sind vor 30 Jahren aus Portugal in die Schweiz ausgewandert, zuerst in den Kanton Graubünden als Saisonnier. Nach der Geburt meines Bruders zogen sie dann nach Thun, dort bin ich geboren und ganz in der Nähe des Fussballstadions aufgewachsen. Ich bin also eine Seconda. Mittlerweile reden wir untereinander mehr Deutsch als Portugiesisch. Typisch portugiesisch an mir ist mein Temperament. Auf dem Platz habe ich es besser im Griff als früher. Schwierig wird es, wenn Portugal gegen die Schweiz spielt – da enthalte ich mich. Klar habe ich mich sehr gefreut, als Portugal Europameister wurde und Cristiano Ronaldo finde ich einen der besten Fussballer der Welt. Ich mag nicht alle seine Facetten, aber es beeindruckt mich, wie ehrgeizig er ist. Als Kind war Benfica Lissabon mein Lieblingsteam, nicht Porto. Aber nur, weil Benfica ein rotes Trikot hatte und Rot meine Lieblingsfarbe ist (lacht). Zudem habe ich mir auf jeden Geburtstag ein Nationaltrikot gewünscht. Zuhause habe ich also eine grosse Sammlung.”

…ihre Heimat Portugal:

“Meine Familie stammt aus dem Ort in der Nähe von Vila Real, das liegt etwa eineinhalb Stunden von Porto entfernt. Sobald ich in Portugal bin, kann ich problemlos auf Portugiesisch wechseln und mich gut verständigen. Früher besuchte ich meine Verwandten mindestens einmal im Jahr, da fuhren meine Familie und ich jeweils mit dem Auto in die Ferien. Mittlerweile fliege ich nur noch jedes zweite Jahr hin, es ist zeitlich nicht anders möglich. Im letzten Sommer war ich eine Woche in der Algarve, das ist mein Lieblingsort, und eine Woche bei den Verwandten. Portugal gefällt mir sehr gut, aber ich kann mir nicht vorstellen, dort zu leben. Ich bin in der Schweiz geboren und schätze die Lebensqualität und die Art der Leute hier sehr. In Portugal geht alles ein wenig gemütlicher zu und her, man muss mehr Geduld aufbringen. Aber das portugiesische Essen ist Klasse, vor allem das Nationalgericht „Bacalhau“, also Stockfisch, esse ich sehr gerne.”

Mitte Dezember ging Stefanie De Alem Da Eira noch an Krücken, mittlerweile ist sie den Fussverband los und befindet sich im Aufbautraining. (Bild: Seraina Degen)

…ihre Verletzungen:

“Schon früh hatte ich ständig Probleme mit der Patellasehne im linken Knie. Irgendwann war es nicht mehr auszuhalten und auch regelmässige Physiotherapie nützte nichts mehr. Das war 2011 und die Ärztin sagte mir, dass die Entzündung wegoperiert werden muss. Der Heilungsverlauf dauerte nach der Operation länger als angenommen, nach vier Monaten konnte ich immer noch nicht richtig belasten. Mein Comeback gab ich nach elf Monaten. Ich war da erst 18 Jahre alt und konnte noch nicht gut damit umgehen. Nun falle ich wieder lange aus, was ich dieses Mal jedoch gut verarbeiten konnte. Es passierte Mitte Oktober im Abschlusstraining vor dem Auswärtsspiel gegen Staad. Zum Abschluss machten wir ein Mätschli, ich erlief mir den Ball und wollte ihn mit rechts mitnehmen. Irgendwie ist mir der Fuss dann auf beide Seiten weggeknickt. Es ging alles sehr schnell, aber ich habe sofort gemerkt, dass etwas kaputt ist. Nach dem MRI kam die harte Diagnose: Knorpelschaden, Risse im Aussen- und Innenband und auch das Syndesmoseband war kaputt. Damit ich den Fuss komplett ruhig stelle, bekam ich nach der Operation einen Gipsverband. Sechs Wochen sind eine lange Zeit, deshalb bin ich froh, dass der Gips nun seit anfangs Dezember weg ist. Ich bin froh und dankbar, dass ich in dieser Zeit auf die Hilfe meiner beiden Mitbewohnerinnen Jessica King und Sandra Aloi zählen durfte. Sie waren meine Chauffeusen, sie haben für mich gewaschen und mich gut umsorgt. Zudem haben mich Alexandra Szarvas und Sabrina Horvat sehr unterstützt. Trotz all der Schmerzen und Einschränkungen hatte diese Verletzung ihre guten Seiten. Denn ich bin der Meinung, dass nichts ohne Grund passiert. Ich habe vor allem im mentalen Bereich viel profitiert und bin noch geduldiger geworden. Ich hoffe nun, dass ich im Trainingslager anfangs Februar auf den Platz zurückkehren kann. Ein Datum für ein Comeback habe ich auch bereits im Kopf: Den Cup-Viertelfinal am Wochenende vom 18. oder 19. März gegen Zürich. Denn wie hat mir die Trainerin Sissy Raith gesagt: „Nur schon für den Kopf musst du dir ein Ziel setzen.“

…das Nationalteam:

“Im U17- und im U19 Nationalteam trug ich noch das Trikot der Schweiz. An einem U19-Turnier, an dem wir gegen Portugal spielten, sprach mich Portugals Nationaltrainerin an. Die Perspektiven waren in Portugal besser, um den Sprung ins A-Nationalteam zu schaffen. Das war immer mein Ziel. Es gibt nichts Schöneres, als für das Heimatland zu spielen. Es war kein Entscheid gegen die Schweiz, sondern für Portugal. Das erste Aufgebot kam 2011 etwas überraschend, freute mich aber sehr. Die Freude war jedoch von kurzer Dauer, da ich immer wieder kleinere Verletzungen hatte und nicht spielen konnte. Es war also kein guter Start und es ging in etwa so weiter. Ich konnte einfach meine Leistung nicht abrufen, auch, weil ich als Typ eher zurückhaltend war und mich in einem neuen Umfeld nicht sogleich öffne. Vielleicht hatte das etwas damit zu tun, das ich mich damals nicht so wohl gefühlt habe im Nationalteam. Auf alle Fälle kam ich nur zu Teileinsätzen. Das schönste Erlebnis war ein Länderspiel gegen Brasilien in Sao Paulo, als wir vor tausenden Zuschauern in einem grossen Stadion spielten und die Fans mit Vuvuzelas einen Höllenlärm machten.”

Stefanie De Alem da Eira (l, FCZ) gegen Delia Bonito im Meisterschaftsspiel FC Zürich Frauen U21 – FC Aarau. (Archivbild: Chris Blattmann)

…ihre Zeit bei den FC Zürich Frauen:

“Das Jahr in Zürich hat mir gut getan. Früher haderte ich oft, bei den FCZ-Frauen bin ich diesbezüglich härter geworden. Durch mein Temperament war ich auf dem Platz oft wütend auf mich selbst, wenn etwas nicht funktioniert hat. In jungen Jahren war das schon sehr extrem und ich hatte oft mit mir selbst zu kämpfen. In Zürich habe ich mich diesbezüglich stark verändert. Viel Einsatzzeit hatte ich zwar nicht, aber ich habe viel gelernt, vor allem im taktischen Bereich. Mir war bewusst, dass ich in diesem starken Team nicht viele Chancen bekommen würde, dieser Druck hat mir gut getan. Denn auf dem Feld konnte ich mich dadurch nicht mehr mit mir selbst beschäftigen. Dafür hatte ich keine Zeit, ich musste die Antwort auf dem Platz geben. Der Trainer Dorjee Tsawa hat zwar nicht voll auf mich gesetzt, trotzdem hat er mich weitergebracht. Das merke ich jetzt aber erst im Nachhinein. Während meiner Zeit in Zürich habe ich weiter in Basel gelebt und in Dornach als Kauffrau bei einem Früchtehändler zu 80 Prozent gearbeitet. Das Pendeln ging an die Substanz, ich machte 37000 Kilometer. Auf die Dauer wurde es zu viel. Zudem ist Basel eine Art Heimat für mich geworden. Ich bin zwar nicht hier aufgewachsen, aber habe so lange beim FCB gespielt, dass ich gegenüber dem Club loyal bin und mich deshalb für eine Rückkehr entschieden habe. In Erinnerung an diese Saison beim FCZ bleibt mir vor allem der Cup-Viertelfinal, als ich nach meiner Einwechslung kurz vor Schluss das Siegestor schoss. Und natürlich dann der Cupsieg und der Meistertitel.”

Seit letztem Sommer spielt Stefanie De Alem Da Eira wieder im rotblauen Dress für die FCB-Frauen. (Archivbild: Seraina Degen)

…die FC Basel Frauen:

“Vor meinem Abstecher zu den FCZ-Frauen habe ich von Januar 2010 bis im Sommer 2015 bereits fünf Jahre für Basel gespielt. Die damalige Trainerin Susanne Gubler hat mich von Rot-Schwarz Thun zum FCB geholt. Ich konnte neben dem Sport die Schule beenden und auch die kaufmännische Ausbildung erfolgreich abschliessen. Zu Beginn war es aber nicht so einfach, denn es war damals meine erste Station weg von Zuhause und ich brauchte so ein halbes Jahr, bis ich mich in der Fremde eingelebt hatte. Dass ich mit 18 Jahren bereits ausgezogen bin, hat mir gut getan, ich bin schnell selbständig geworden. Der Cupsieg 2014 ist sicher der Höhepunkt meiner bisherigen Zeit in Basel. Auch diese Saison lief es bis zur Verletzung prima. Ich bin im Vergleich zu vorher wie verwandelt und konnte voll aus mir herauskommen und endlich die Spielfreude wieder auf den Platz bringen. Ohne die geht es bei mir nicht. Früher war ich wohl manchmal etwas lethargisch, anders halt, ich kann es mir selbst nicht erklären. Nun stehe ich in jedem Training mit viel Freude auf dem Platz, das ist sehr positiv. Auch, weil ich das Vertrauen von Sissy Raith spüre. Wenn bei mir auf und neben dem Feld alles stimmt, dann kann ich meine Leistung abrufen. Nun mache ich mir während einem Match keine Gedanken mehr, sondern habe einfach Spass, das ist ausschlaggebend. Ich musste 24 Jahre alt werden, damit ich das zeigen kann, was ich kann und will.”

Jennifer, Rolf Kindlimann, Meli Hungerbühler, Arbnora Azizi, Stefanie Trachsel, Wiedmer Adrian, Babsi Fit, Carla Hager, Beat Steiner, Deborah Näpfli, Kerstin Boschert, Lù Ponzio, Rahel Näpfli, Mirjam Strässle, Axl Klausecker, Alexandra Szarvas, Sina Autino, Michi Lendi gefällt dieser Artikel

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