Veröffentlicht am: Mo, 19. Dezember, 2016

Winterpause für die Schweizerinnen in der Bundesliga

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Zur Winterpause zeigt sich in der Bundesliga ein überraschendes Bild: Turbine Potsdam steht an der Tabellenspitze. Daran beteiligt sind mit Lia Wälti und Eseosa Aigbogun zwei Schweizerinnen. Wie geht es ihnen und ihren Kolleginnen in Deutschland?

Eine Glanzleistung war es nicht, mit der sich Turbine Potsdam die Wintermeisterschaft sicherte. Doch das 1:0 gegen Leverkusen im Nachtragsspiel letzten Mittwoch reichte für vier Punkte Vorsprung auf den nach Verlustpunkten nächsten Verfolger Wolfsburg. „Wir spielen nicht immer brillant, aber in diesem Jahr haben wir vielleicht das Glück, das uns letzte Saison fehlte“, sagt Lia Wälti, Captain der Brandenburgerinnen.

Nach einer Seuchensaison mit vielen Verletzten hatte es am Ende noch für Rang vier gereicht. Heuer blieb Potsdam weitgehend von Ausfällen verschont und hat von 11 Spielen nur eines nicht gewonnen. Lia Wälti allerdings hat die meisten verpasst. Zu Beginn der Saison war sie nach einer Meniskus-Operation noch in der Rehabilitation, jetzt, am Ende der Hinrunde, fehlt sie wieder mit einer Meniskusquetschung.

„Ich war vorher jahrelang nie verletzt“, sagt Wälti, „vielleicht waren es einfach ein Zeichen des Körpers, dass er eine Pause braucht. An eine Szene, in der ich mich verletzt haben könnte, erinnere ich mich nämlich nicht.“ Und so schaut Wälti meist von aussen zu, wie ihre Kolleginnen Punkte sammen. Und doch ist allen klar: Sie tun es, obwohl Wälti verletzt ist. Niemand würde behaupten, sie fehle dem Team nicht.

„Unser Trainer spricht viel mit mir. Ich weiss, dass er auf mich zählt. Zu Beginn der Saison habe ich ihm sogar dazu geraten, mich erst zu bringen, wenn ich wirklich wieder ganz fit bin, das Team gewann ja auch ohne mich.“ Gegen Leverkusen zeigte sich allerdings, dass das nicht ewig so bleiben dürfte. Wältis Ruhe und Übersicht fehlten der Turbinen sichtlich.

Nur wenige Tage zuvor, beim FC Bayern München, hatte Turbine hingegen auch ohne Wälti eine vorzügliche Leistung erbracht, eine Energieleistung vor allem, belohnt mit einem wichtigen 2:1 Auswärtssieg. Ebenfalls auswärts gewonnen hat Potsdam beim Meisterschaftsfavoriten Wolfsburg und zwar dank eines Kopfballtores von Esoesa Aigbogun.

Wie Wälti hat sich Aigbogun auf Anhieb durchgesetzt. Sie spielt konstant im rechten Mittelfeld. „Ese hatte einen Superstart“, sagt Wälti, „sie hatte alle positiv überrascht.“ Zuletzt kam sie in eine etwas schwierigere Phase, die Müdigkeit machte sich bemerkbar. Wälti: „Das ist normal, wenn du in eine neue Liga kommst. Aber Ese ist mit sich selbst am kritischsten. Der Trainer schätzt sie sehr, sonst würde er sie nicht immer aufstellen. Besonders ihr Wille, defensiv zu arbeiten, ist für uns sehr wertvoll.“

Der Trainer von Turbine, das ist seit dieser Saison Matthias Rudolph. Der 34-jähriger Brandenburger beerbte im Sommer Bernd Schröder, der Turbine seit 1971 fast ohne Unterbrechung gecoacht hatte. Rudolph änderte das System, stellte hinten auf eine Viererkette um, was dem Team zu grosser defensiver Stabilität verhalf. Vorne lässt er weiterhin ein heftiges Pressing spielen, allerdings hat er das taktische Verhalten seiner Equipe erweitert, so dass sich Turbine besser auf die jeweilige Spielsituation einstellen kann.

„Wir spüren, dass mit Matthias Rudolph einer neuer Wind drin ist. Wir haben Zukunft““, sagt Wälti. Das gilt auch für sie persönlich. Potsdam ist ihr ohnehin zu einer zweiten Heimat geworden. Schon letzten Frühling hat sie ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Zur Zeit drückt die 23-jährige Langnauerin wieder die Schulbank. Sie will ihre Berufsmaturität nachholen, um später Soziale Arbeit zu studieren. Doch vorerst hat Turbine Priorität. Ist dieses Jahr sogar ein Titel möglich? Im Pokal nicht, da ist Potsdam überraschend gegen Werder Bremen gescheitert. „Und von der Meisterschaft wollen wir nicht reden. Die Liga ist so eng, da kann noch alles passieren“, sagt Wälti, vernünftig wie sie ist.

Die eine spielt mit Turbine um den Titel, die andere mit Hoffenheim gegen den Abstieg: Lia Wälti (r.) und Martina Moser (l.), die Kapitäninnen ihrer Teams. (Archivbild: Seraina Degen)

Tatsächlich zeigt sich hinter dem überraschenden Potsdam das erwartete Bild: Wolfsburg und Bayern München lauern. Doch beide haben schon mehr Punkte abgegeben als gedacht. In Wolfsburg, wo mit Lara Dickenmann, Ramona Bachmann, Vanessa Bernauer und Noëlle Maritz gleich vier Schweizerinnen spielen, scheint aus einer Gruppe hervorragender Fussballerinnen nur langsam ein Team zusammenwachsen zu wollen. Die Schweizerinnen kommen regelmässig zu ihren Einsätzen, allen voran Dickenmann, die sich in sehr guter körperlicher Verfassung befindet, wie sich kürzlich in den Leistungstestes der Nationalmannschaft zeigte. In diesen Tagen hat Dickenmann ihren Vertrag in Wolfsburg bis 2019 verlängert. Gegen Ende der Hinrunde gelangen Dickenmann sogar mehrere Tore, etwas, was man von Ramona Bachmann auch erwartet hatte. Doch Wolfsburg und die Luzernerin, das passt irgendwie doch nicht, und so kündigte Bachmann unlängst einen Winter-Wechsel zu Chelsea an.

Auch nicht besonders gut läuft es den Schweizerinnen bei Bayern. Caroline Abbé war meistens Ersatz, Vanessa Bürki kam verletzungsbedingt nicht zum Einsatz. Dafür freuten sich die Bayern über den erstmaligen Einzug ins Viertelfinale der Champions League, wo sie auf Paris Saint-Germain treffen.

Zwiespältig war auch die erste Saisonhälfte von Ana-Maria Crnogorcevic. Zwar schoss sie drei Tore, wurde aber auf verschiedenen Positionen eingesetzt und erkrankte im Oktober an Pfeifferschem Drüsenfieber, das sie bis zur Winterpause ausser Gefecht setzte. Der FFC Frankfurt geht überhaupt etwas am Stock und ist ins Mittelfeld der Liga abgerutscht. Der Champions League-Sieger von 2015 konnte die vielen gewichtigen Abgänge im Sommer nicht adäquat ersetzen.

Eine erstaunlich stabile Hinrunde spielt hingegen wieder die SGS Essen. Auch der SC Freiburg, letztes Jahr schon Vierter, hat sich in der Verfolgergruppe halten können. Cinzia Zehnder ist im Breisgau längst zur Stammkraft geworden. Sie hat praktisch jedes Spiel bestritten und besitzt einen langfristigen Vertrag bis 2018. Ihre Arbeit wird in Freiburg sehr geschätzt.

Der SC Sand mit Isabelle Meyer scheint sich in der dritten Saison nach dem Aufstieg definitiv im Oberhaus zu etablieren. Meyer ist in Sand, wo Spielerinnen aus zehn Nationen zusammenkommen, nach wie vor unverzichtbar. Auch sie spielte die Hinrunde durch und erzielte dabei drei Tore. Dies, obwohl seit Sommer mit Colin Bell ein neuer Trainer an der Seitenlinie steht.

Im Abstiegskampf befinden sich Rachel Rinast mit Leverkusen, Martina Moser mit Hoffenheim und Sandra Betschart sowie Rahel Kiwic mit Duisburg. Kiwic stand praktisch immer in der Startelf, ausser wenn sie eine Sperre abzusitzen hatte. Auch Betschart kam auf etliche Einsatzminuten. Duisburg-Trainerin Inka Grings versucht alles, um die Zebras, mit denen sie letzte Saison aufgestiegen war, in der Liga zu halten. So stellte sie zum Beispiel Kiwic auch schon mal als Stürmerin auf. Schwer wiegt sicher der verletzungsbedingte Ausfall der erfahrenen Kapitänin Linda Bresonik.

Unbestritten ist nach wie vor die Rolle von Martina Moser in Hoffenheim. Die 30-jährige Bernerin ist Captain und Kopf ihres Teams. Die nach dem Abstieg des 1. FC Köln zum Rivalen nach Leverkusen gewechselte Rachel Rinast kam in ihrem neuen Team zwar nicht immer, aber doch regelmässig zum Einsatz. Gebremst wurde sie nicht zuletzt durch einen Muskelfaserriss. Eine dieser drei Mannschaften mit Schweizer Personal oder der FF USV Jena wird den bisher punktelosen Aufsteiger Borussia Mönchengladbach am Ende der Saison wohl in die 2.Liga begleiten.

Raimund Huebner, Sulamith Bertschi, Sarah Giezendanner-Eugster, Moni Rinast, Beat Steiner, Deborah Näpfli, Beat Linder, Bastien Aebischer, Brigitte Marassi, René Martin, Henry Mächler, Romina Hodel, Michaela Marggi, Michi Lendi gefällt dieser Artikel

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