Naomi Mégroz: Neuer Schwung in Zürich

Heute Abend bestreiten die FC Zürich Frauen das Hinspiel im Sechzehntelfinal der Champions League. Das Team von Dorjee Tsawa trifft dabei auswärts auf Sturm Graz. Wer nicht live vor Ort ist, kann die Partie ab 18 Uhr im Livestream von ORF verfolgen. Die Vorfreude auf das Spiel ist auch bei Mittelfeldspielerin Naomi Mégroz gross. Die 18-Jährige spielt seit letztem Winter bei Zürich und hat dort nach einer schweren Knieverletzung neuen Anlauf in ihrer Karriere genommen.

Naomi Mégroz spielt für die FCZ-Frauen und absolviert ihre KV-Lehre auf der FCZ-Geschäftsstelle. (Bild: Seraina Degen)

Naomi Mégroz spielt für die FCZ-Frauen und absolviert ihre KV-Lehre auf der FCZ-Geschäftsstelle. (Bild: Seraina Degen)

 

Als Naomi Mégroz im Fanshop des FC Zürich auftaucht, wird sie mit Glückwünschen überhäuft. Die Mittelfeldspielerin der FCZ-Frauen strahlt, als die Verkäufer zur erfolgreichen Qualifikation zur Champions League gratulieren. Als sie im vergangenen Winter von Luzern nach Zürich gewechselt hat, war die Teilnahme beim europäischen Clubwettbewerb eines ihrer erklärten Ziele.

Naomi Mégroz an ihrem Arbeitsplatz. (Bild: Seraina Degen)

Naomi Mégroz an ihrem Arbeitsplatz. (Bild: Seraina Degen)

Mit dem Aufzug geht es danach zwei Stockwerke höher auf die FCZ-Geschäftsstelle. Seit anfangs August ist dies der Arbeitsplatz von Naomi Mégroz. Zwei Jahre drückte sie an der United School of Sport die Schulbank, nun folgt die kommenden beiden Jahre der praktische Teil der KV-Lehre. „Es gefällt mir besser als in der Schule, da die Arbeit abwechslungsreicher ist und ich mehr zu tun habe“, sagt sie. Das viele Zuhören und stillsitzen in der Schule sei nicht so ihr Ding gewesen, gibt Mégroz zu. Dass sie nun nicht mehr bereits um 15 Uhr frei hat, sondern erst um 17 Uhr Feierabend, stört sie nicht. Im Gespräch wirkt Naomi Mégroz offen, freundlich und selbstbewusst. Dies bestätigt auch Marion Daube, Geschäftsführerin der FCZ-Frauen: „Naomi ist immer sehr aufgestellt und hat sich gut im Team integriert. Sie hat ihre Aufgabenbereiche bereits gut im Griff.“ Im ersten Monat auf der Geschäftsstelle erledigte sie Telefonate, war für Tombola-Anfragen zuständig oder erfüllte Autogrammwünsche von Fans – allerdings für das Männerteam in der Challenge-League. „Von unserem Team habe ich noch keine Autogrammkarten verschickt“, sagt sie und lacht.

Fussball und Leichtathletik

Nach dem Feierabend geht es ausser am Mittwoch immer direkt ins Training; sieben Einheiten plus das Spiel am Wochenende sind ein strenges Programm mit wenig Freizeit. „Ich bin es mir nicht anders gewohnt“, entgegnet Mégroz. Dass sie in ihrem Leben etwas verpasse wegen dem vielen Fussball, dieses Gefühl habe sie nicht, sagt die 18-Jährige. Sport war schon immer zentral in ihrem Leben: Bis sie sechs Jahre alt war betrieb sie gleichzeitig Fussball beim FC Greifensee und Leichtathletik, hatte in beiden Sportarten Potenzial, ehe sie sich entscheiden musste. Bereut hat sie es nicht, sich für die Ballsportart entschieden zu haben. Wenn sie dann aber mal nicht auf dem Fussballplatz steht, dann ist Naomi Mégroz gerne in der Stadt unterwegs oder sonst irgendwo draussen, „um den Kopf zu lüften“, wie sie es nennt.

Das kann manchmal nicht schaden, hat Naomi Mégroz in ihrer noch jungen Karriere bereits einiges erlebt. Der Höhepunkt war die Teilnahme an der U17-Europameisterschaft im Sommer 2015 in Island. Die Schweiz trat als Aussenseiter an und unterlag erst im Final den Spanierinnen. „Wir wollten zeigen, was wir können und das haben wir getan.“ Mégroz führte die Schweiz als Captain auf das Feld: „Ich war immer gefordert, auch neben dem Platz, trug diese Verantwortung aber gerne. Beim Essen habe ich darauf geachtet, dass wir nicht zu laut reden und uns im Hotel anständig benehmen.“ Sie habe in dieser Zeit viel gelernt, so etwa mit Druck umzugehen, sagt Mégroz rückblickend.

Kämpfen nach dem Kreuzbandriss

Auf dieses Hoch folgte aber alsbald ein Tief: Anfang September 2015 riss sich Naomi Mégroz in einem Cupspiel mit dem FC Luzern das hintere Kreuzband. Ohne Fremdeinwirkung. Trübsal blasen oder lange über sich selbst ärgern entspricht aber nicht ihrem Typ. Die Welt sei nur ganz kurz zusammen gebrochen, sagt sie. Im zweiten Moment dachte Naomi Mégroz bereits wieder ans Kämpfen und den Weg zurück: „Ich habe keine schlechten Erinnerungen an die Verletzung. Im Gegenteil, sie hat mich stärker gemacht. Ich habe meinen Körper noch besser kennen gelernt und lernte, geduldig zu sein. Beim Aufbautraining freute ich mich über jeden kleinen Fortschritt.“

Naomi Mégroz holte als Captain mit der Schweizer U17 den Vize-Europameistertitel. (Archivbild: Chris Blattmann)

Naomi Mégroz holte als Captain mit der Schweizer U17 den Vize-Europameistertitel. (Archivbild: Chris Blattmann)

Noch während sie verletzt war wechselte Naomi Mégroz nach einem halben Jahr bei Luzern zu den FCZ-Frauen – vor allem auch deshalb, weil das Pendeln von ihrem Wohnort Greifensee doch anstrengender war, als sie zuerst dachte. Im März gab sie ihr Comeback. Die Mittelfeldspielerin – die stets mit ihrer Zweikampfstärke und Übersicht auffällt – spielte wieder so gut, dass sie für das U19-Nationalteam aufgeboten wurde und im Juli an der EM in der Slowakei teilnahm. Und wie schon die U17 ein Jahr zuvor sorgte das Team von Nora Häuptle für positive Schlagzeilen, schlug in den Gruppenspielen Deutschland und wurde erst im Halbfinal von Frankreich gebremst. „Das Selbstvertrauen ist in diesem Jahr grösser geworden. Nun haben wir vor Gegnern wie Deutschland keine Angst mehr, sondern wissen nun, dass sie schlagbar sind“, sagt Mégroz, deren Ziel dereinst das A-Nationalteam ist.

Was die FCZ-Frauen betrifft, so sind auch da die Ziele klar: Gewinn des Doubles und das Erreichen des Achtelfinals in der Champions League. An Motivation mangelt es Naomi Mégroz nicht, wie ein Blick auf ihren Arbeitsplatz verrät. An der Wand hängt ein Wimpel der FCZ-Frauen sowie ein Teamfoto, das nach der erfolgreichen Qualifikation für die Champions League aufgenommen wurde. Nur zu gerne würde sie es mit einer Aufnahme nach dem Sieg im Sechzehntelfinal gegen Graz ersetzen.

Noale Minka II, Anaïs Apostolov, Melanie Egli, Yara Hofmann, Tamara Fritschi, Anna Katharina Hess, Alena Holst, Beat Steiner, Regula Trüeb, Deborah Näpfli, Claudia Carvalho, Sina Hofmann, Nadja Furrer, Alukic Anisa, Thaïs Hurni, Jens-Uwe Ludwig, Camille Surdez, Lydia Andrade, Beat Linder, Michi Lendi gefällt dieser Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.