Veröffentlicht am: Fr, 1. Jul 2016

Vanessa Bürki und ihre zweite Heimat

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Seit zehn Jahren spielt Vanessa Bürki beim FC Bayern München – und hat noch nicht genug. In diesem Frühling hat die 30-Jährige ihren Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. “Es war eine sportliche und private Entscheidung. Ich fühle mich in München sehr wohl”, sagt die Schweizer A-Nationalspielerin. Ein Portrait in Zusammenarbeit mit dem Rotweiss-Magazin.

Vanessa Bürki (r.) bleibt in München und packt ihre Koffer jeweils nur, wenn sie mit dem Nationalteam unterwegs ist. (Archivbild: Chris Blattmann)

Vanessa Bürki (r.) bleibt in München und packt ihre Koffer jeweils nur, wenn sie mit dem Nationalteam unterwegs ist. (Archivbild: Chris Blattmann)

 

Vanessa Bürki fühlt sich nicht als Deutsche, ein bisschen aber als Münchnerin. Aber, sagt sie bestimmt: „Ich bin immer noch Schweizerin.“ München bezeichnet die 30-Jährige als ihre zweite Heimat. Kein Wunder, lebt die gebürtige Grenchnerin seit zehn Jahren in der Stadt im Süden Deutschlands – und genau so lange spielt sie für den FC Bayern München. Im Frühling hat sie ihren Vertrag um zwei weitere Jahre bis 2018 verlängert. „Es war eine sportliche und private Entscheidung. Ich fühle mich hier sehr wohl, die Trainingsbedingungen sind top und nächste Saison spielen wir wieder in der Champions League“, nennt sie die Hauptgründe für den Verbleib bei den Bayern.

Die zwei Schweizerinnen bei Bayern München: Vanessa Bürki (l.) und Caroline Abbé. (Archivbild: Seraina Degen)

Die zwei Schweizerinnen bei Bayern München: Vanessa Bürki (l.) und Caroline Abbé. (Archivbild: Seraina Degen)

Nach dem überraschenden Gewinn des Meistertitels in der vergangenen Saison gelang den Münchnerinnen dieses Jahr die Titelverteidigung in der Frauen-Bundesliga. „Wir haben eine überragende Saison gespielt“, findet die Offensivspielerin. Als Lohn gab es nicht nur eine Medaille und die Schale, das Frauenteam durfte sich gemeinsam mit den Männern – die auch Deutscher Meister geworden sind – auf dem Rathausbalkon in der Innenstadt präsentieren. Ein einmaliges Erlebnis war es für Vanessa Bürki, wenn „so viele Fans singen und schreien“.

Seit sie zwölf Jahre alt ist, spielt Vanessa Bürki Fussball. Für einen bestimmten Verein schwärmte sie nie, hatte auch nie einen Lieblingsspieler. Lange „tschuttete“ sie nur mit ihren Kollegen auf dem Pausenplatz, aus Spass, bis diese sie mitnahmen ins Vereinstraining bei Wacker Grenchen. Sie war besser als mancher Bub, fiel auf. Als sie 15 Jahre alt ist, wechselte sie zum Frauenfussballclub Zuchwil, traf in fast jedem Spiel, wurde Torschützenkönigin in der NLA und zwei Mal Schweizer Vizemeisterin. An einem Hallenturnier in Bern fiel sie der damaligen Teammanagerin von Bayern auf. Die Nummern wurden ausgetauscht, es folgte ein Besuch in München mit dem Vater. „Ich dachte, ich schaue mir das einfach mal an.“ Allzu viele Gedanken hatte sich Vanessa Bürki nicht gemacht. Doch es gefiel ihr und so wechselte sie mit 20 Jahren zu den Bayern.

Sie ist mit allen Wassern gewaschen
Seither hat sich der Frauenfussball in Deutschland stark weiterentwickelt – Vanessa Bürki ist demzufolge eine Schweizer Pionierin und hat dies hautnah miterlebt. „Heute ist alles ganz anders als früher. Ich trainiere viel mehr und um einiges professioneller als vor zehn Jahren“, sagt sie. Arbeitete die gelernte Malerin zu Beginn noch Vollzeit auf ihrem Beruf, waren es später noch 25 Prozent im Büro einer Autogarage. Seit dieser Saison ist Vanessa Bürki Vollprofi. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg beschreibt Bürkis Stärken folgendermassen: „Vanessa ist eine sehr erfahrene Spielerin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Auf dem Feld hat sie immer eine Lösung parat, bereitet viele Tore vor, antizipiert sehr gut und ist sehr ballsicher.“

Das gewonnene Pokalfinale 2012 nennt Bürki als erstes, wenn sie nach dem bislang speziellsten Spiel gefragt wird. Und das Tor, das sie immer in Erinnerung behalten wird, erzielte sie im Herbst 2013 im Spiel gegen Cloppenburg – mit der Hacke. Der Treffer schaffte es sogar in die Auswahl zum Tor des Monats in der Sportschau der ARD und wurde ein Hit auf Youtube. „Das habe ich bewusst so gewollt“, sagt sie und lacht, meint es aber ernst.

Sie bringt Farbe ins Team
Gewiss, Vanessa Bürki hat einen starken rechten Fuss. Damit hat sie in ihrer Karriere bereits viele Treffer erzielt, nicht nur mit der Hacke. Doch ist er nicht ihr Markenzeichen. Es ist ihr Lachen, dass die 30-Jährige auszeichnet. Mit ihrer fröhlichen Art bringt die Malerin auch Farbe ins Schweizer Nationalteam, seit sie im Mai 2004 ihren ersten von bislang 74 Einsätzen für das A-Nationalteam hatte.

Vanessa Bürki ist im Team der Spassvogel, hat immer einen Spruch parat. Das Lachen verging ihr auch nicht, als sie sich im Frühling 2015 eine Fussverletzung zuzog, deswegen an der WM in Kanada  Ergänzungsspielerin war und nur auf 29 Minuten Einsatzzeit kam. „Ich habe mich mit der Situation abgefunden und nicht gehadert. Ich war einfach froh, dass ich dabei sein konnte und dies erleben durfte.“

Sie ist realistisch genug
Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist froh, eine Spielerin wie Vanessa Bürki im Team zu haben: „Vanessa kann immer etwas lustiges erzählen und sorgt für die gute Laune im Team.“ Im Hinblick auf die Europameisterschaft im nächsten Jahr könnte Vanessa Bürki die gute Laune allerdings noch vergehen. Denn die Vorgabe ist klar: nur wer genügend Spielpraxis aufweist, fährt mit nach Holland. „Der Kader von Bayern wird nicht schlechter. Vanessa ist sich der Problematik bewusst, sie stellt sich aber der Herausforderung“, so Voss-Tecklenburg.

Dass sich ihre Rolle im Verein und auch im Nationalteam verändert hat, sie nicht mehr Stammspielerin ist, dessen ist sich Vanessa Bürki bewusst. Sie will das Beste aus der Situation machen: „Es wird nicht einfacher werden, da bin ich realistisch genug. Ich habe mich weiterhin für Bayern entschieden und muss nun auch mit den allfälligen Konsequenzen leben.“ Die EM sei im Hinterkopf, zu gerne wäre sie dabei. Ihr Credo lautet allerdings, sich nicht zu versteifen, sondern einfach Vollgas zu geben und Spass zu haben.

Fabienne Schwarz, Sabine Bieli-Moser, Zwärg Zwärg, Sonja Kempf, Moni Rinast, Nadia Holdener, Beatrice Chevalley, Joelle Schläfli, Brigitte Greminger, Nadine Böni, Olaya Sánchez, Beat Steiner, Beat Linder, Deborah Näpfli, Sandra Meier, Täme Pfit, Tanja Tamara Huggenberger, Claudia Stilz, Rahel Näpfli, Heinz Moser, Tobias Pretsch, Oli Ottiger, Weibel Niklaus, Pia Ammann, Michi Lendi gefällt dieser Artikel

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