Veröffentlicht am: Mo, 11. Juli, 2016

Julia Glaser – Ein Talent mit Träumen und Zielen

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Mit 18 Jahren hat Julia Glaser schon mehr erlebt, als so manche Spielerin in ihrer gesamten Karriere. Früh musste sich zwischen zwei Ländern entscheiden und hat viele Optionen für die Zukunft. Ein Portrait der Nachwuchsspielerin in Diensten des FCB in Zusammenarbeit mit dem Rotblau-Magazin.

Das hat sich Julia Glaser anders vorgestellt. Statt im letzten Heimspiel der Saison Ende Mai vor den eigenen Fans nochmals auf Torejagd zu gehen, muss sich die Offensivspielerin der FC Basel Frauen gegen Aufsteiger Lugano mit der Zuschauerrolle begnügen. Sie trägt kurze Hosen, der Grund ist also schnell ersichtlich: am rechten Oberschenkel sind zwei Tapes angebracht. Im Spiel drei Tage zuvor gegen die Grasshoppers hatte sich die 18-Jährige eine Zerrung zugezogen. Nicht allzu schlimm zwar, aber dennoch so, dass an einen Einsatz nicht zu denken war.

Physiotherapeutin Rebekka Nüscheler verhalf Julia Glaser zurück auf den Rasen (Bild: Seraina Degen)

Physiotherapeutin Rebekka Nüscheler verhalf Julia Glaser zurück auf den Rasen (Bild: Seraina Degen)

Dabei hat sie eine ereignisreiche und wichtige Zeit vor sich. Julia Glaser steht im vorläufigen Aufgebot des Schweizer U19-Nationalteams, das Ende Juli an der Europameisterschafts-Endrunde in der Slowakei teilnimmt. Ein Höhepunkt in der bisherigen Karriere von Julia Glaser. Erst recht, weil die Schweiz in der Gruppe B nebst Österreich und Spanien auf Deutschland trifft. Auf jene Nation also, für die sie auch spielberechtigt wäre und für die sie in der U16-Auswahl vor dreieinhalb Jahren gar einmal zwei Testländerspiele gegen Norwegen absolviert hat. „Gegen Deutschland zu spielen wird wohl ein komisches Gefühl sein“, mutmasst Glaser. Mit ein paar deutschen U19-Juniorinnen hat sie immer noch Kontakt, man kennt sich aus früheren Zeiten – auf dem Feld jedoch seien sie nun während 90 Minuten Gegnerinnen.

Noch hofft Glaser auf eine Selektion für die U19-EM (Bild: Seraina Degen)

Noch hofft Glaser auf eine Selektion für die U19-EM (Bild: Seraina Degen)

Ihr Vater ist Schweizer, ihre Mutter stammt aus Deutschland – in Julia Glasers Brust schlagen also zwei Herzen. Aufgewachsen ist sie in Lörrach und wohnt mit der Familie seit fast zehn Jahren wieder im Städtchen in Süddeutschland. Der Vater, früher selbst ein begeisterter Fussballer, ist in der Flugzeugindustrie tätig und als Julia acht Jahre alt war, zog die Familie der Arbeit wegen für drei Jahre nach Genf. Gelernt hatte Julia Glaser in der Romandie nicht nur Französisch, sondern auch der Fussball wurde zu ihrer grossen Leidenschaft. Zusammen mit ihrem zweieinhalb Jahre älteren Bruder Patrice – der früher selbst in der U14 des FC Basel kickte –  spielte sie zwar bereits im Alter von fünf Jahren beim FV Lörrach, so richtig erlernte sie das Fussball-ABC jedoch bei Stade Nyonnais. Zurück in Deutschland, Julia war zehn Jahre alt, ging es dann Schlag auf Schlag: beim FV Lörrach-Brombach spielte sie bis ins Alter von 15 Jahren bei den Jungs mit und besuchte daneben Stützpunkttrainings der Regionalauswahl. Als sie zu alt war, um mit den Buben zu spielen, wechselte sie zum SC Freiburg in die Jugendakademie und wurde in das U17-Mädchenteam aufgenommen. Bis dahin spielte sie auch noch Basketball und Tennis, musste damit aus Zeitgründen aber aufhören. „Mir war immer klar, dass ich auf die Karte Fussball setze“, sagt sie.

Als 2012 das Aufgebot für die U16-Auswahl von Deutschland kam, fand das Julia Glaser „mega toll“. Sie war in den Ferien, als sie vom Aufgebot erfuhr: „Da war fertig mit faulenzen. Ich fing gleich wieder mit dem Training an“, erinnert sie sich. Im DFB-Trikot gespielt zu haben, darauf sei sie stolz, gibt Glaser zu. Doch nach den beiden Länderspielen war sie stets nur noch auf Abruf, bekam keine Spielpraxis mehr. Der Name Julia Glaser war natürlich auch dem Schweizerischen Fussballverband SFV nicht unbekannt, das Talent wurde vor zwei Jahren nach ihrem Wechsel zu den FCB-Frauen zu einem Stützpunkttraining für die U19 eingeladen. „Ich wusste, dass ich zwei Pässe besitze und dass ich auch für die Schweiz spielberechtigt wäre. Bei der U19 der Schweiz hat es mir von Anfang an gefallen, deshalb war die Entscheidung nicht schwierig. Ich wollte spielen und die Schweiz gab mir die Möglichkeit dazu.“ Besprochen hatte sie sich mit den Eltern, doch weder der Vater noch die Mutter hätten sie gedrängt, sich für deren Heimatland zu entscheiden. „Sie möchten, dass ich spiele und mich weiterentwickeln kann“, sagt die Anhängerin vom FC Bayern München. Für U19-Nationaltrainerin Nora Häuptle ist klar, dass es für Julia Glaser kein Zurück mehr gibt: „Wir hatten mit Julia klare Gespräche. Die Ausgangslage ist klar, Julia spielt für die Schweiz. Es ist auch im Juniorenbereich nicht so, dass man kommen und gehen kann, wie man will. Wir haben mit den Spielerinnen Vereinbarungen und investieren viel Geld in ihre Ausbildung.“

Glaser sind in Basel bestens integriert. Hier mit Teamkollegin Vanesa Hoti (links) (Bild: Seraina Degen)

Glaser ist in Basel bestens integriert. Hier mit Teamkollegin Vanesa Hoti (links) (Bild: Seraina Degen)

Glasers Entscheid für die Schweiz hat sich bisher ausbezahlt: In den bislang 17 Einsätzen erzielte die 1.71 Meter grosse Stürmerin 13 Tore – ein starker Wert. Und auch ihren bislang schönsten Treffer schoss sie im Schweizer Dress: In der EM-Qualifikation im vergangenen Oktober gelang ihr gegen Griechenland ein Tor aus 25 Metern. Für Nora Häuptle ist Julia Glaser „eine klassische Stürmerin“: „Julia ist gross, robust und kopfballstark. Besonders in der Box hat sie grosse Abschlussqualitäten. Neben dem Feld ist sie eher ruhig und bedacht und kein Teamclown. Ich glaube, sie hat im vergangenen Jahr auf und neben dem Platz viel dazugelernt.“

Darauf angesprochen, wie sie die Saison der FC Basel Frauen beurteilt, fällt ihr spontan nur ein Wort ein: „Verkorkst“. Es sei kein gutes Jahr gewesen, bereits der Saisonstart sei schwierig gewesen, man sei nicht richtig in die Gänge gekommen, so Glaser. Auch mit ihren eigenen Leistungen ist die Stürmerin, deren Lieblingsspieler Neymar und Bastian Schweinsteiger sind, nicht zufrieden: „Ich habe keine entscheidende Rolle gespielt.“ Der Grund dafür lag auch in der Doppelbelastung mit Schule und Sport. Im April hatte Julia Glaser in Lörrach das Abitur gemacht. „Ich habe deswegen zwar nur ein oder zwei Trainings verpasst, aber mit dem Kopf war ich oft nicht ganz bei der Sache“, gibt sie rückblickend zu. Als dann die Prüfungen vorbei und das Diplom in der Tasche war, da konnte Julia Glaser wieder befreiter aufspielen. Im Frühling und spätestens in der Finalrunde spielte sie regelmässig und steigerte sich auf ihrer nicht angestammten Position im zentralen Mittelfeld von Spiel zu Spiel. „Julia ist auf dem Feld eher ruhig und nicht die grosse Kommunikatorin. Aber sie ist immer für einen unerwarteten Zuckerpass gut“, sagt Captain Danique Stein über ihre Teamkollegin. Nun sei es an der Zeit, findet Stein, dass Julia Glaser in Zukunft noch mehr Verantwortung übernehme, um in ihrer Entwicklung einen weiteren Schritt nach vorne machen zu können.

Ob Julia Glaser diesen nächsten Schritt allerdings bei den FCB-Frauen macht, ist noch offen. Denn sie hat Angebote von Universitäten in den Vereinigten Staaten, welche die talentierte Stürmerin gerne in ihrem College-Team hätten. „Nach dem Abitur für ein Jahr nach Amerika, das wollte ich schon immer einmal machen“, schwärmt sie. Wenn es klappt – bis im Juni sollte die Entscheidung gefallen sein – wird Julia Glaser im Sommer entweder nach Florida, Los Angeles oder New York ziehen und von August bis Mai Fussball und Studium kombinieren. Der SFV betrachtet diese Pläne ein wenig zwiespältig – Nora Häuptle sagt dazu: „Ich verstehe, dass es für eine Spielerin eine tolle und wertvolle Lebenserfahrung sein kann. Rein fussballerisch gesehen erachten wir die Ausbildung in der Schweiz oder Deutschland für eine junge Spielerin wie Julia aber als besser.“

Dass sie in diesem Jahr aus dem Fokus des Nationalteams rücken würde, das ist Julia Glaser bewusst. Trotzdem hofft sie, dass es mit dem Sportstipendium klappt und sie ihre Karriere im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fortsetzen kann. Unbegrenzt sind auch ihre Träume und Ziele: Julia Glaser möchte dereinst in der Bundesliga in Deutschland spielen sowie Schweizer A-Nationalspielerin werden. Bei den FC Basel Frauen hat sie nun Anlauf genommen, damit sie zu weiteren Höhenflügen ansetzen kann. Zuerst ging es nach der Saison aber in die verdienten Ferien nach Barcelona und anschliessend mit der U19 in die Vorbereitung zur EM.

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  1. h.schill sagt:

    Guter Artikel, werde den auf die FB Seite der FrauenFC Basel übernehmen!

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