Veröffentlicht am: Fr, 3. Jun 2016

Valentina Mühlebach sorgt bei den FCB-Frauen für die Musik

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Die Meisterschaft in der Nationalliga A legt vor der letzten Runde eine Pause ein, ehe am Samstag 11. Juni die letzten Partien stattfinden. Dazwischen finden die Zusammenzüge der Nationalteams statt. Die U19 weilte im Tessin und verlor zwei Testspiele gegen die USA, das A-Nationalteam möchte sich am Samstag auswärts gegen Tschechien definitiv für die Europameisterschaft qualifizieren. Lieber in Basel bleibt dagegen Valentina Mühlebach. Die Mittelfeldspielerin der FC Basel Frauen entschied sich einst für ihren Club und gegen Aufgebote des Nationalteams. Auch so hat die 19-Jährige einen prall gefüllten Terminkalender.

"Ich will nicht nur auf die Karte Fussball setzen." Valentina Mühlebach spielt auch noch Schlagzeug und Trompete. (Bild: Seraina Degen)

“Ich will nicht nur auf die Karte Fussball setzen.” Valentina Mühlebach spielt auch noch Schlagzeug und Trompete. (Bild: Seraina Degen)

 

Während ihre Teamkolleginnen der FC Basel Frauen nur mit einem Rucksack oder gar keinem Gepäck zum Mittagessen erscheinen, trägt Valentina Mühlebach anscheinend ihr halbes Hab und Gut mit sich herum. Ihre grosse und prall gefüllte Sporttasche verrät, dass sie an diesem Tag einiges los hat. Es ist ein Dienstag Mitte April und die Mittelfeldspielerin der FC Basel Frauen legt einen Zwischenstopp in der Campus-Kantine ein, wo sie nach dem Morgentraining das Mittagessen einnimmt.

Zeit für einen Kaffee mit ihren Teamkolleginnen nach dem Essen bleibt der 19-Jährigen aber nicht. Sie muss weiter auf die Sportanlagen Pfaffenholz. Dort steht für die Sportstudentin ein Leichtathletik-Training auf dem Programm. Bei den praktischen Einheiten ihres Studiums fehlt sie nie. Manchmal komme es hingegen vor, dass sie eine Vorlesung um acht Uhr morgens sausen lasse, um ein bisschen länger zu schlafen, gesteht sie. „Ich mache es so, wie es für mich stimmt“, sagt sie. Seit letztem Herbst studiert sie an die Universität Basel Sport und Geschichte, mit dem Ziel, dereinst als Oberstufenlehrerin zu arbeiten. Durchschnaufen kann sie an Tagen wie diesen erst am Abend, wenn sie nach dem zweiten Fussballtraining um neun Uhr zuhause in Münchenstein ankommt. Mehr als ihre Tasche ausräumen und wieder packen für den nächsten Tag tut Valentina Mühlebach dann nicht mehr.

Wenn sie so von ihrem strengen und ausgefüllten Alltag erzählt, gekleidet in Jeans, lockerem Pullover und Turnschuhe, dann klingt das bei Valentina Mühlebach aber nicht so, als würde sie sich darüber beklagen. Trotz Zeitdruck antwortet Valentina Mühlebach ruhig und überlegt. Sie ist es nicht anders gewohnt ist, als ständig unterwegs zu sein und einen prall gefüllten Terminkalender zu haben.

Valentina Mühlebach ist im Basler Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. (Bild: Seraina Degen)

Valentina Mühlebach ist im Basler Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. (Bild: Seraina Degen)

Im Sommer werden es fünf Jahre sein, seit Valentina Mühlebach bei den FC Basel Frauen spielt. „Plötzlich wollte ich nur noch Fussball spielen“, erinnert sie sich an ihre Anfänge auf dem Platz als Achtjährige. Ihre Eltern hatten beide selbst nie Fussball gespielt, unterstützten aber ihre Tochter von Beginn an. Als sich Valentina Mühlebach als Kind ein Trikot des FC Basel wünschte, erfüllten ihr die Eltern diesen Wunsch und kauften ihr ein Leibchen. Allerdings jenes vom anderen FCB aus Spanien, dem FC Barcelona. Sie muss lachen, als sie diese Anekdote erzählt.

Beim FC Münchenstein durchlief sie alle Juniorenstufen und wurde früh in die U15-Regionalauswahl berufen. Im Verein blieb sie aber den Junioren treu, so lange es ging: „Ich fand es sinnvoll, länger mit den Jungs zu spielen“. Als sie dann von den C-Junioren zu den U18-Frauen des FC Basel wechselte, musste sie sich zuerst umgewöhnen, wie sie erzählt. „Bei den Jungs ging es mehr zur Sache. Das Spiel war schneller, ruppiger und zudem sind Buben auf dem Feld nicht nachtragend.“

Das Thema Nationalteam ist abgehakt

Das Talent aus Münchenstein blieb auch bei den Verantwortlichen des Schweizerischen Fussballverbandes nicht lange unentdeckt – und alsbald flatterte ein Aufgebot für das U16-Nationalteam bei Mühlebachs ins Haus. „Meine Eltern fanden das sehr toll. Ich selbst habe mich schon darüber gefreut, aber es nicht so hoch gewertet“, sagt sie. Dies ist bis heute so geblieben. Valentina Mühlebach hatte zwar Einsätze bei der U17 und spielte gar in der EM-Qualifikation gegen Schweden, Italien und Tschechien. Es sind bis heute aber die einzigen Spiele, die sie im Nationaltrikot absolvierte. Bei der U19 war sie noch bei einem Zusammenzug dabei, ehe sie das Thema Nationalteam abhakte. Valentina Mühlebach hat keine Lust, für die Schweiz zu spielen. „Die Matches haben mir Spass gemacht, aber neben dem Feld habe ich mich nicht so wohl gefühlt. Es hat einfach nicht so richtig gepasst. Das war der Grund, weshalb ich die weiteren Aufgebote nicht mehr annahm.“

Sie sei ein Mensch, der eine lange Angewöhnungszeit brauche, erklärt sie. Auch benötigt sie gute Freunde um sich herum, damit sie sich wohl fühlt. Das ist beim FCB der Fall, im Nationalteam aber nicht. Hinzu kam damals, dass die Leistungen in der Schule für sie nicht zufriedenstellend waren. Also entschied sich Valentina Mühlebach mit 16 Jahren für die Ausbildung und gegen das Nationalteam – sie wollte sich voll und ganz auf den FC Basel konzentrieren. „Mir ist bewusst, dass andere davon träumen, Nationalspielerin zu sein. Auch meine Eltern hatten keine Freude daran und fanden, es sei verschwendetes Talent. Doch für mich stimmt es so, wie es jetzt ist. Ich will nicht nur auf die Karte Fussball setzen.“ Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die Valentina Mühlebach im letzten Sommer noch zu einem U23-Training aufgeboten hatte, bedauert ihre Entscheidung zwar, respektiert sie aber: „Valentina hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und wer weiss, vielleicht ist sie ja nicht endgültig. Sie hätte sicherlich auch Chancen gehabt, ins A-Team zu kommen. Aber für manche ist Fussball nicht alles im Leben.“

Badminton am freien Mittwochabend

Wie recht Martina Voss-Tecklenburg mit dieser Aussage hat. Denn Valentina Mühlebach hat nicht nur zwei talentierte Füsse, sondern auch ein gutes Händchen im Umgang mit dem Badminton-Schläger. Auch dort besitzt sie einiges an Talent, hatte einst auf Juniorenstufe für den BC Gugger Ettingen etliche Turniere gewonnen und stand im Nordwestschweizer Kader. Doch vier Mal Badminton- und drei Mal Fussballtraining wurden auf die Dauer dann auch für sie zu viel. Heute spielt sie nicht mehr so intensiv Badminton – ihr Talent reicht aber trotz wenig Training immer noch für Interclub-Einsätze. Diese fallen passenderweise jeweils auf den Mittwochabend, wenn sie kein Fussballtraining hat.

Bevor Valentina Mühlebach mit dem Gymnasium startete, hörte sie letztlich auf ihr Bauchgefühl und entschied sich für den Fussball. Auch, weil sie nebst dem Sport noch eine andere, grosse Leidenschaft hat – die sie dann am Gymnasium als Schwerpunktfach wählte: die Musik.

Valentina Mühlebach (Mitte) mit ihren Teamkolleginnen der FCB-Frauen. (Bild: Seraina Degen)

Valentina Mühlebach (Mitte) mit ihren Teamkolleginnen der FCB-Frauen. (Bild: Seraina Degen)

Seit der 1. Primarschulklasse spielt sie Schlagzeug, später kam die Trompete hinzu. Beide Instrumente übt sie immer noch aktiv aus. Jeweils am Montag – zwischen Uni und Fussball – geht sie an der Musikschule Münchenstein in die Einzelstunde. Am Mittwoch – an ihrem eigentlich freien Abend – ins Ensemble. Aus Zeitmangel spielt sie das Schlagzeug nur noch für sich, aus Freude an der Musik. „Die Musik ist eine tolle Abwechslung und ein guter Ausgleich“, findet sie. Ob kurz nach dem Aufstehen oder wenn sie unterwegs ist, Valentina Mühlebach hört immer Musik. Vom Stil her alles Mögliche, auch viel Klassik. In der Kabine bei den FCB-Frauen läuft aber moderneres, oftmals auch rhythmische Klänge aus Lateinamerika. „Wenn ich Musik höre, kann ich meinen Emotionen freien Lauf lassen“, sagt sie.

“Eine super Mitspielerin”

Auf dem Feld bläst Valentina Mühlebach ihren Gegnerinnen regelmässig den Marsch. Dies tut sie allerdings nicht mit grossen Worten, sondern mit viel Einsatz und einem grossen Kämpferherz. Hat sie freien Raum, weiss sie diesen dank ihrer guten Übersicht gut zu nutzen und spielt oft den letzten, entscheidenden Pass. „Valentina ist vom Typ her eher unscheinbar. Auf dem Platz ist sie nicht die grosse Kommunikatorin, sondern nimmt ihre Verantwortung mit Leidenschaft und viel Einsatz wahr. Das ist mir mehr wert. Sie braucht eine gewisse Zeit, bis sie sich öffnet. Wenn sie aber etwas sagt, ist das immer überlegt. Für ihr Alter ist sie bereits sehr reif“, sagt ihre ehemalige Trainerin Susanne Gubler über die Nummer 20. Für Nadine Rolser ist Valentina Mühlebach „eine super Mitspielerin“, mit der sie sich praktisch blind verstehe. „Neben dem Platz ist Valentina manchmal etwas verträumt, ruhig und abwartend. Hat sie die Zurückhaltung aber erst mal abgelegt und das Vertrauen gewonnen, dann blüht sie auf und kommen da auch Sprüche und Witze, die man von ihr vielleicht gar nicht erwartet.“

„Der Fussball ist mir sehr wichtig, aber trotzdem nicht alles in meinem Leben. Ich habe zu viele andere Interessen, die ich noch ausprobieren möchte“, sagt sie noch, ehe sie sich in den Sattel schwingt, um rechtzeitig beim nächsten Termin zu erscheinen. Mit dabei hat sie ihre voll bepackte Tasche. Mehr Kleider oder Bücher haben an diesem Tag darin nicht Platz; doch Valentina Mühlebach möchte ihren Rucksack an Wissen und Erfahrung in Zukunft noch mehr füllen. An der Universität, bei der Musik und vor allem auch mit den FC Basel Frauen. Der Cupsieg 2014 war der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere. „Das möchte ich gerne wieder erleben“, sagt sie.

Cinzia Zehnder, Jessica Marti, Renato Stritt, Chantal Naef, Hubert Schill, Valeria Cortello, Alexandra Mitric, Deborah Näpfli, Vera Schuler, Alexandra Müller, Tina Müller, Monica Gysin-Schibli, Nadine Schwegler, Lia Schädler, Samuel Egli, Simon Leu, Clémentine Bischoff, Tobias Müller, Janine Koretic, Nicolas Rüttimann, Julia Lüthy, Sheena Frei, Isabelle Stebler, Rivka Reichardt, Egzona Selimi, Zsofia Bartha, Alexandra Szarvas, Beat Steiner, Mathias Speiser, Stefani Liebhart, Sarina Spidalieri, Nicole Studer, Alexandra Ansbach-Hammerer, André Stein, Daniela Marti-Kunz, Sofia Herzog, Nadine Böni, Nadine Scheidegger, Murielle Zengaffinen-Gisi gefällt dieser Artikel

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