Kloten schafft die Sensation

Vor einem Jahr stieg der FC Kloten erneut in die 1. Liga auf und setzte sich als Ziel, diesmal den Ligaerhalt zu schaffen. Doch es sollte anders kommen. Nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung einer erfahrenen Kraft.

Die Spielerinnen aus der Flughafenstadt sind nicht zum ersten Mal in die 1. Liga aufgestiegen. Bereits in der Vergangenheit versuchte man sich in der höchsten Liga des Breitensports zu etablieren und scheiterte jeweils. Entsprechend setzte man sich auch in der Saison 2015/2016 das Ziel, den Ligaerhalt zu realisieren. Während es in der ersten Gruppe der 1. Liga lange danach aussah, als würde der FC Baar mit Trainer Oliver Bless die Zentralschweiz in der nächsten Saison in der Nationalliga B vertreten, sprach man in der 2. Gruppe eher vom SC Schwyz, denn die Leaderinnen, der FC Staad 2, waren nicht aufstiegsberechtigt. Dies aufgrund der Regelung, dass nur eine U21 eines Nationalliga A-Vereins aufstiegsberechtigt ist, nicht aber eine zweite Mannschaft.

Aïre-Le-Lignon steigt in die Nationalliga B auf

Baar leistete sich im vorletzten Spiel gegen den FC Luzern Frauen einen Patzer und musste die Tabellenspitze an die Konkurrentinnen aus der Westschweiz, Aïre-Le-Lignon, abgeben. Diese gaben sich dann im letzten Spiel gegen Concordia Basel keine Blösse mehr und kanterten diese gleich mit 8:2 nieder. Da half auch der 4:0 Sieg von Baar gegen die Old Boys nichts mehr. Entsprechend konzentrierte sich in der letzten Runde alles auf das Endspiel in Schwyz. Punktgleich mit Kloten wollten die Schwyzerinnen die Saison mit einem Sieg abschliessen. Dass dieser Sieg keine Bedeutung gehabt hätte, wussten die zahlreich im Tschaibrunnen erschienenen Zuschauerinnen und Zuschauer allerdings nicht.

Schwyz hätte auf den Aufstieg verzichtet

Bereits Anfang Woche hatte man in Schwyz mit den Spielerinnen darüber beraten, ob man denn auch wirklich aufsteigen wolle. Die Mehrheit der Spielerinnen und der Vereinsführung hatte sich am Montag für einen Verzicht ausgesprochen. “Das Team stellte fest, dass die Nationalliga B natürlich reizvoll wäre. Die Gründe, die dagegen sprechen, überwiegen jedoch”, so Karin Strüby, die Frauenverantwortliche des SC Schwyz. Mit einem Platz unter den ersten Drei hätte man das Saisonziel ohnehin erreicht. “Viele Spielerinnen haben die Erfahrung in der NLA und NLB bereits gemacht und wissen was es bedeutet”, so Strüby weiter. Man sei noch nicht reif für die Nationalliga B und das Team war nicht bereit, noch mehr Aufwand zu betreiben und auf den Raum für Freizeit zu verzichten. Der Verein will auch in Zukunft auf den Nachwuchs setzen, dem Spiel gegen Kloten aber nicht den “Spannungsstecker” ziehen und den Verzicht bereits vor dem Spiel kommunizieren. Dass Schwyz Kloten gewinnen lassen wollte, konnte man dann auch bei der Schlammschlacht im Tschaibrunnen nicht behaupten. Auf dem vom starken Regen getränkten Terrain, welches am Rande der Regularität war, boten sich beide Teams attraktive Zweikämpfe. Die Aufsteigerinnen aus Zürich konnten allerdings mehr Möglichkeiten verzeichnen und gewannen am Ende verdient dank eines spektakulären Treffers von Sarah Krüsi nach 73 Minuten mit 1:0. So wurde der Aufstieg auch sportlich, und nicht am berühmten grünen Tisch entschieden.

Sarah Krüsi schoss den FC Kloten im letzten Spiel ihrer Karriere in die Nationalliga B (Bild: Chris Blattmann)

Sarah Krüsi schoss den FC Kloten im letzten Spiel ihrer Karriere in die Nationalliga B (Bild: Chris Blattmann)

Der Erfolg der Sandra Kälin

In der Winterpause war das Gespenst des Abstiegs in Kloten noch sehr präsent. Man befand sich knapp über dem Strich und konnte an den guten Start in die Saison nicht anknüpfen. Da kam die Verpflichtung von Sandra Kälin gerade recht. Die Mittelfeldspielerin mit eindrücklichem Palmarès – Kälin spielte unter anderem für den FC Basel und in den USA mit den Lady Flames aus Tennessee, wo sie zur wertvollsten Spielerin der Liga gekürt wurde – verstärkte nicht nur das Team, sondern auch den Trainerstaff. Seit ihrer Verpflichtung musste Kloten keine Niederlage mehr in Kauf nehmen und rollte das Feld von hinten auf. Die Architektin des Erfolges brachte nicht nur frischen Wind auf dem Rasen. Sie vermochte innert kürzester Zeit die vorhandenen Elemente zu einem Ganzen zusammenzufügen. “Wir haben taktisch etwas umgestellt, Sicherheit und Ruhe ins Team gebracht. Wir haben auch viel im mentalen Bereich gearbeitet und dem Team einen Motivationsschub gebracht”, so Kälin. Gerade dieser mentale Bereich ist im Frauenfussball wichtig. Vielleicht bedeutender als bei den Männern. Und Kälin konnte mit ihrer grossen Erfahrung die richtigen Entscheidungen treffen.

Die Architekten des Klotener Erfolges, Sandra Kälin (Bild: Chris Blattmann)

Die Architektin des Klotener Erfolges, Sandra Kälin (Bild: Chris Blattmann)

Sowohl Kälin, wie auch Stürmerin und Captain Sarah Krüsi, treten per Ende Saison zurück. Ein Substanzverlust, den Kloten nicht innert kurzer Zeit wird kompensieren können. Zwei Spielerinnen mit langjähriger Erfahrung auf höchstem Niveau werden in der Nationalliga fehlen. Der Verein hat denn auch noch kein Konzept für die erste Saison in der Nationalliga: “Wir haben noch kein Konzept gemacht. Wir nehmen es, wie wir es jetzt haben und wie wir weiter fahren, werden wir sehen”, so der Frauenverantwortliche Raimo Anlauf. Auf den neuen Trainer Peter Wartmann, der auf Carmine Trupo trifft, der den Verein ebenfalls verlässt, warte eine “schwere Aufgabe”. Man wisse noch nicht, wie man es machen wolle. Man müsse es erst einmal verdauen, so Anlauf weiter. Eine schwere Aufgabe wird es in der Tat. Der FC Kloten wird in der Nationalliga die fünfte Kraft im Raum Zürich. Man wird sehen, wie sich Kloten behaupten kann. Erfolgversprechender wäre sicher die weitere Kooperation mit Kälin gewesen. Eine Zusammenarbeit auf gleicher Stufe kam aber für Wartmann nicht in Frage.

Für Sandra Kälin ist der Abschied ein besonderer Moment. In Schwyz, wo sie früher selbst gespielt hatte, ihr Team zum Aufstieg zu führen, ist für sie speziell: “Es war für mich merkwürdig, hierher zu kommen. Ich habe mich gefreut, einige Spielerinnen von früher wieder zu sehen. Hier nach dieser Rückrunde dieses Spiel spielen zu dürfen, sei das Tüpfelchen auf dem I gewesen. Dass wir dies noch gewinnen konnten, ist unglaublich.” Und Freude und Leidenschaft seien, anders als in der Nationalliga, ja auch der Grund, weshalb man im Breitensport Fussball spiele. Dass Kälin ihre Fussballschuhe aber ganz an den Nagel hängen wird, ist allerdings noch nicht in Stein gemeisselt, denn: “Ich schliesse nicht aus, im Breitenfussball nochmals zu spielen. Denn es hat ja mit Leidenschaft zu tun.”

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