Veröffentlicht am: Di, 18. Aug 2015

Technischer Bericht der FIFA: Bachmann im All-Star-Team der WM

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Die FIFA hat ihren technischen Bericht zur Weltmeisterschaft 2015 publiziert. Er enthält Analysen und Statistiken des Turniers, sowie eine weitere Ehrung für  Spielerinnen, die besonders aufgefallen sind. 

Teil des Reports ist nämlich die Ernennung eines aus 23 Spielerinnen bestehenden All-Star-Teams. Als einzige Schweizerin hat es Ramona Bachmann in diese Auswahl geschafft. Die Stürmerin FC Rosengård, die in den letzten Tagen mit dem VfL Wofsburg in Verbindung gebracht wurde, war letzte Woche bereits von Sportjournalisten unter die zehn besten Spielerinnen Europas gewählt worden.

Der technische Bericht der FIFA enthält – im der Organisation eigenen affirmativen Ton abgefasste – Analysen der einzelnen Teams sowie ihrer Taktik und ihrer Spielweise, Berichte zum Turnierverlauf, Statistiken und Trends. Dazu gibt es Kapitel zu medizinischen Belangen, zur Spielleitung und der Torlinientechnologie.

Im Bericht wird die Überlegenheit von „Teamwork und Mannschaftsgeist“ gegenüber starken Individualistinnen hervorgehoben. Gleichzeitig habe sich die Leistungsdichte erhöht und immer mehr Teams seien in der Lage, die führenden Nationen in Schwierigkeiten zu bringen. Als Indiz dafür wird die Tatsache herangezogen, dass fast Dreiviertel aller Spiele unentschieden oder mit nur einem Tor Differenz endeten.

Als Vorteil habe sich die Erfahrung der Spielerinnen herausgestellt. Ältere Teams waren tendenziell am erfolgreichsten. Mit den USA wurde sogar die älteste Auswahl Weltmeister. Zudem sei – mit Ausnahme Japans – die Körpergrösse der Spielerinnen nach wie vor ein entscheidender Faktor. Trotzdem habe die Zahl der kurzen Pässe leicht zugenommen. Taktisch seien die zentralen Mittelfeldspielerinnen die wichtigsten Figuren, obwohl die zunehmend offensive Ausrichtung der Aussenverteidigerinnen sie etwas nach hinten treten liess.

Die grössten Fortschritte werden auf der Position der Torhüterin festgestellt, wobei die Schweizerin Gaëlle Thalmann als gutes Beispiel einer mitspielenden Hüterin erwähnt wird. Als Schweizer Schlüsselspielerinnen gelten für die FIFA neben Ramona Bachmann zudem Lara Dickenmann, Lia Wälti und Martina Moser. Die defensiven Stärken der Schweiz sieht der Bericht generell im „Antizipieren“ von Pässen in den Rücken der eigenen Abwehr, in der Offensive – wenig schmeichelhaft – in den Abschlüssen aus der Distanz. Für das Ausscheiden der Schweiz macht der Bericht die schlechte Chancenauswertung verantwortlich.

 

Ramona Bachmann an der Bootstour an der WM in Vancouver am 10. Juni 2015. (Bild: Seraina Degen)

Erhält gegenwärtig viel internationale Anerkennung: Ramona Bachmann anlässlich eines Ausflugs in Vancouver während der WM am 10. Juni 2015. (Bild: Seraina Degen)

Allgemein hätten die Spiele der WM die Wichtigkeit des schnellen Umschaltens aufgezeigt: „Über 70 % aller Tore bei diesem Turnier fielen aus einer Umschaltphase heraus, wobei der Abschluss typischerweise nach einem Ballgewinn im Mittelfeld und höchstens zwei oder drei Pässen erfolgte.“ Auch im Abschluss selbst kommt es auf Tempo an: „Über 80 % der Tore wurden aus einer zentralen Position, von innerhalb des Strafraums und mehrheitlich durch einen direkten Abschluss ohne vorherige Ballannahme erzielt.“ Und schon das letzte Zuspiel sei „meist nach nur einer oder zwei Ballberührungen“ erfolgt.

Während der Gruppenphase wurden die Tore fast zu gleichen Teilen durch die Mitte oder über den rechten und linken Flügel erzielt. In der KO-Phase nahm die Bedeutung des Flügelspiels deutlich ab. Dafür gewann die Standards an Bedeutung. Insgesamt fiel ein Drittel der Tore nach ruhenden Bällen. Am erfolgversprechendsten waren Abschlüsse zwischen Fünfmeterraum und Sechzehnerlinie und zwar entweder in der ersten oder letzten Viertelsunde des Spiels, denn dann fielen die meisten Tore.

Mit den Leistungen der Schiedsrichterinnen zeigte sich die FIFA zufrieden, allerdings gebe es immer noch Unterschiede zwischen den Konföderationen. Als Erfolg wertet die FIFA auch die neue Torlinientechnologie, die acht Mal zum Einsatz kam.

Die vor der WM breit diskutierte Verwendung von Kunstrasen habe laut FIFA zu einem etwas verlangsamten Spielfluss geführt, weil zwar mehr Pässe, diese dafür aber mit geringerem Tempo (37,3 km/h) gespielt wurden. Zudem erschwere ein stumpfer Kunstrasen Dribblings. Auf die Verletzungshäufigkeit hatte die Unterlage hingegen keinen Einfluss. Im Vergleich zu den beiden letzten Turnieren nahm die Zahl der Verletzungen sogar ab. Dreiviertel aller Verletzungen kamen nach einem Körperkontakt zustande, die Hälfte nach Fouls. Insgesamt wurden in 52 Spielen 110 gelbe Karten verteilt, dazu nur eine einzige gelb-rote und nur zwei rote Karten.

Zwiespältig ist die Interpretation der Zuschauerzahlen. Für viele Spiele, die kurz hintereinander am gleichen Ort stattfanden, waren nur Doppeleintritte erhältlich, so dass für beide Spiele die gleiche Zuschauerzahl gerechnet wurde, selbst wenn nicht gleich viele Menschen im Stadion waren. So kommt die Weltmeisterschaft in Kanada mit über 1,3 Millionen Eintritten auf die bisher höchste Gesamtzuschauerzahl, weil aber die Anzahl der Spiele ebenfalls zunahm, liegt der Schnitt pro Spiel mit 26’506 trotz Doppeleintritten hinter denjenigen der letzten beiden Turniere und folglich auch hinter den Rekordwerten der Weltmeisterschaft von 1999 in den USA.

Der ganze Bericht ist hier erhältlich.

Aldina Bosnic, Yasemin Salman, Ramona Dietrich, Henry Mächler, Anna Gloor, Cec Brüllmann, Bianca Görner, Jennifer Mex, Annika Sarah, Céline Frei-Shaqiri Plée, Sandra Meier, Stefanie Kipf, Chantal Wyser, Asaria Mosch, Janine Buber, Beat Steiner, Tamara Imholz, Fabienne Schwarz, Emanuela Schürch, Beatrice Mosimann, Beatrice Chevalley, Elena Stadelmann gefällt dieser Artikel

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