Veröffentlicht am: Di, 30. April, 2013

1.Liga: Kellerduell am Stadtrand

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Ortstermin im Breitensport: Auf dem Oberfeld in Ostermundigen trafen sich am Wochenende die beiden Tabellenletzten der 1.Liga Gruppe 1. Die Gegner Ostermundigen und Steffisburg müssen mit einem Abstieg rechnen, doch das liegt nicht nur an ihnen selbst.

Das Oberfeld am Siedlungsrand von Ostermundigen, der gleichzeitig der Stadtrand von Bern ist: Bis vor kurzem lag nebenan ein grosser Schiessplatz, jetzt werden Mehrfamilienhäuser gebaut. Die Kräne stehen still, es ist Sonntagmorgen in einer Schweizer Agglomeration. Hier ist der FC Ostermundigen zuhause, dessen erstes Frauenteam sich heute zum Kellerduell mit dem FC Steffisburg trifft. Der FCO entstand in den 1990er Jahren aus einer Fusion zwischen Rapid und dem SC Ostermundigen. Er ist ein typischer Vorortsverein von Bern, wenn auch ein relativ grosser mit vier aktiven Männer- und zwei Frauenteams, eines in der 1. und eines in der 3. Liga. Dazu kommen sieben Junioren- und zwei Juniorinnenequipen sowie die Kinderfussballabteilung.

Es ist noch gar nicht so lang her, da spielte die erste Frauenemannschaft des FCO in der Nationalliga B. Ursula Röthlisberger, die heutige Assistentin des Teams, war damals selbst noch aktiv, kann sich aber kaum mehr daran erinnern, wie sie lachend zugibt. Heute sieht die Ostermundiger Realität anders aus.  2007 stieg man endgültig ab und bis vor dem Spiel gegen Steffisburg stand das aktuelle Team zwar mit drei Punkten, aber noch ohne Sieg auf dem letzten Platz der Tabelle. Immerhin einen Sieg hatte der Gegner vorzuweisen und zwar just gegen den FCO, den man in der Vorrunde 3:0 schlagen konnte.

Das Heimteam: Der FC Ostermundigen. (Quelle: FC Ostermundigen)

Das Heimteam: Der FC Ostermundigen. (Quelle: FC Ostermundigen)

Drei Zähler für beide Teams also und damit liegt der rettende Strich in weiter Ferne. Das liegt nicht nur an den mangelnden Punkten, sondern auch daran, dass er dieses Jahr nicht wie üblich die letzten zwei Teams vom Rest trennt, sondern sich weiter oben durch das Mittelfeld der Tabelle frisst. Der Schweizerische Fussballverband reduziert nämlich die 1.Liga und macht aus den bestehenden drei Gruppen zwei. Das bedeutet, dass 12 von 30 Teams absteigen müssen, vier pro Gruppe. Der Verband will mit der Verkleinerung der Liga das Niveau anheben und die Lücke zur NLB schliessen. Doch die geographische Reorganisation der 1. Liga stellt organisatorische und zeitliche Forderungen an die Vereine. Damit kommen viele von ihnen schlecht zurecht, weil sie sich dem Breitensport verpflichtet fühlen und den Aufwand für den Meisterschaftsbetrieb nicht erhöhen wollen oder können. “Wir fahren schon heute in der halben Weltgeschichte herum”, sagt Röthlisberger.

Ganz so weit hatten es die Gäste nicht. Steffisburg liegt bei Thun, keine halbe Stunde von Ostermundigen entfernt und doch ist das Oberfeld Neuland für die Schwarz-Grünen. Nach zwei Aufstiegen hintereinander ist Steffisburg das Greenhorn der Liga. Das Team verfügt mit Anna Barbara Krebs und Alexandra Sempach zwar über Spielerinnen, die Nationalliga-Erfahrung haben – Sempach hat sogar lange bei Ostermundigen gespielt –, doch die Steffisburgerinnen machen sich keine Illusionen. Wie für den FCO wäre auch für sie der wahrscheinliche Abstieg nichts Schlimmes, die diesjährige Saison bezeichnet der Trainer Hans Bosshardt als “Abenteuer”. Trotzdem gingen beide Teams mit hohem Engagement zur Sache und liessen keine Zeichen von Resignation erkennen.

Das Team des FC Steffisburg (Quelle: FC Steffisburg)

Das Team des FC Steffisburg. (Quelle: FC Steffisburg)

Steffisburg zeigte das etwas bessere technische Handwerk, Ostermundigen wirkte, mit Ausnahme der Schlussphase, mannschaftlich geschlossener. Nach anfänglicher Unsicherheit übte der FCO während der ersten Halbzeit mehr Druck auf das Tor der Gäste aus, Steffisburg verlegte sich auf Konter, die ordentlich anfingen, meistens aber vor dem Strafraum ausliefen. Hinten liessen sich die Steffisburgerinnen immer wieder durch lange Bälle auf die Flügel oder durch die Mitte erwischen. Ein solcher führte in der 23. Minute zum 1:0 durch die Ostermundiger Mittelstürmerin Laura Jau. Überhaupt machte die Mittelachse des FCO einen guten Eindruck. In der Spielfeldmitte verteilte Marina Küffer Bälle und die Innenverteidigung liess wenig zu. In der zweiten Halbzeit jedoch zeigten sich immer mehr Löcher, besonders auf den Seiten des Heimteams, das allerdings in der 48. Minute noch zu einem Lattenschuss kam. Danach errang Steffisburg ein deutliches Übergewicht, nicht selten spielte dabei die feine Technikerin Linda Suter, eben erst von den Knaben zu den Aktiven gestossen, eine entscheidende Rolle. Die grösste Chance vergab die Steffisburger Spielführerin Corinne Steinmann. In der ersten Halbzeit hätte sie nach einem Abwehrversuch beinahe ein Eigentor geschossen, jetzt scheiterte sie im gegnerischen Strafraum. Zuletzt hielt sich Steffisburg fast nur noch in der Platzhälfte des FCO auf, doch dessen etwas wackliges Bollwerk hielt.

“Wir hatten am Ende wohl Angst vor dem Gewinnen”, sagte Ursula Röthlisberger hinterher und ihr Trainerkollege Mischa Felder ergänzte, das sei auch kein Wunder, wenn man bisher fast alles verloren habe. Siegerinnen und Besiegte trugen das Resultat mit bemerkenswerter Fassung. Es wird am weiteren Verlauf der Saison wahrscheinlich nichts ändern, dafür sind die Umstände in diesem Jahr zu widrig. Durch den Sieg kletterte Ostermundigen immerhin an Steffisburg vorbei und kam so zu einem lang ersehnten Erfolgserlebnis.


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