FC Neunkirch: Aufsteiger im Jahrestakt

Überdurchschnittlich viele Zuschauer, grosse Medienpräsenz im Kanton Schaffhausen, Sponsoren, die anbeissen: Das NLB-Team aus Neunkirch hat Unmengen an Potenzial – sowohl was das Spielerische, als auch was die Entwicklung des Vereins betrifft.

5 Jahre ist es her, da weilten die Frauen des FC Neunkirch noch in der 3.Liga. Seit dem Jahr 2007 allerdings passierte viel: Das Team von Trainer Beat Stolz schaffte quasi im Jahrestakt einen Aufstieg bis an die Spitze der NLB. Nur in der 1.Liga spielte man zwei Saisons hintereinander. Ein unglaublicher Leistungsnachweis, der nur gelingt, wenn wirklich gut gearbeitet wird.

Aufstiegsjubel in Neunkirch (Bild: zvg)

Beim FC Neunkirch passt vieles zusammen. Das ergibt in der Summe ein willens- und leistungsstarkes Team, das schon viel erreicht, aber bei Weitem noch nicht genug hat. „Wenn ich auf die Tabelle blicke, blutet mein Herz schon ein wenig“, so Beat Stolz über den vierten Platz in der NLB-Meisterschaft 11/12. Grund für das Unbehagen: Nur ein einziger Punkt fehlte den Schaffhauserinnen für die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur NLA – als frisch aufgestiegenes NLB-Team wohlgemerkt! Woher kommt diese unglaubliche Entwicklung, innerhalb von fünf Jahren vom Drittligisten zu einem NLA-Anwärter? Zum einen sei es so, dass die Frauenabteilung des FC Neunkirch über eine optimale Betreuung der Spielerinnen verfügt, wie Beat Stolz zu berichten weiss. So sorgt eine eigene physiotherapeutische Abteilung für die Gesundheit der Spielerinnen. Zum anderen – und das ist wohl der wesentliche Grund für den Erfolg – ist der harte Kern des Teams seit Jahren zusammen, hat Aufstieg um Aufstieg erkämpft, ist miteinander erwachsen geworden. „Viele Spielerinnen trainiere ich seit ihrem neunten Lebensjahr. Das schweisst schon zusammen“, so Stolz. Der 50-Jährige hat die Frauenabteilung des FC Neunkirch gegründet. Mit B-Juniorinnen ist er in den Wettkampf gestiegen, Jahre später ist er Chef einer Truppe, die wohl in Zukunft noch öfter von sich hören lassen wird. Das Interesse der Region an den NLB-Frauen ist überdurchschnittlich gross. Zu erklären ist das vor allem damit, dass im Kanton Schaffhausen nicht viel Fussball-Konkurrenz existiert, weder von Männer- noch von Frauenseite her. Trotz dem eigentlichen „Kultstatus“ im Kanton, wie Beat Stolz es nennt, gibt sich die Frauenabteilung des FC Neunkirch bescheiden. Auf der vereinseigenen Website sind die Frauen erst hinter den  Männern aufgeführt – die sich notabene in der 4. und 5.Liga tummeln.

Am allerletzten Spieltag der NLB in dieser Saison hat der Schaffhauser Verein die Tabelle noch einmal gehörig durcheinander gebracht. Mit einem Sieg gegen den Tabellenführer aus Aarau ist Neunkirch verantwortlich für den Sturz des Aargauer Teams unter die zur Aufstiegsrunde berechtigenden Linie. An Stelle der Aarauerinnen kann nun der FC Thun zusammen mit Lugano für den direkten Wiederaufstieg in die NLA kämpfen. Und wie gesagt – beinahe hätte der FC Neunkirch da gestanden. „Man fragt sich schon, wo man diesen einen Punkt zu viel verloren hat während der Saison“, sagt Stolz. Seine Antwort darauf ist klar: „Zu Beginn der Spielzeit haben wir Lehrgeld bezahlen müssen.“ Aber die Frage nach dem „Was wäre, wenn“ trübt das Bewusstsein darüber, was sein Team eigentlich erreicht hat, nicht. Beat Stolz weiss, dass ein Aufstieg in die NLA – wenn er denn erfolgt wäre – zwar träumenswert, aber noch lange nicht sinnvoll wäre: Zuerst müssen die Finanzen und die Strukturen des Vereins darauf ausgerichtet sein, ein NLA-Team überhaupt tragen zu können. „Aber wir arbeiten daran“, so Beat Stolz. Denn hält sein Team den Rhythmus, folgt spätestens in einem Jahr der tatsächliche Aufstieg.

Steffi Gäng, Livia Brandenberg, Nina Risler, Patrick Kumli, Joana Schmidlin, Elvira Gysel, Katja Lagger, Tschaese Slzr gefällt dieser Artikel

One Response to FC Neunkirch: Aufsteiger im Jahrestakt

  1. C. Zweiacher 2. April 2012 at 17:12

    Bei allen guten Leistungen der Frauen des FC Neunkirch darf nicht unerwähnt bleiben, dass dieses Team mit einer Härte an der oberen Grenze spielt. Fast kein Spiel, bei dem der Gegner nicht Blessuren oder Verletzungen (manchmal sogar schwere) davonträgt. Dies deshalb, da die Spielerinnen des FC Neunkirch auf Biegen und Brechen und mit fast allen Mitteln um jeden Ball kämpfen, auch dann, wenn nur noch eine geringe oder keine Chance mehr besteht, den Ball zu erreichen.
    Diese Spielweise tut dem Frauenfußball nicht gut. Es wäre schade, wenn der Frauenfußball mit einer ähnlichen Härte geführt wird, wie der Männerfußball.

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