FC Staad: Provinzverein mit Marktlückenpotenzial

FC Staad (Bild: zvg)

„Den FC Staad kennt man wegen seiner Frauenteams“, sagt Luc Haltner, Verantwortlicher für die Frauenabteilung des Ostschweizer Clubs und Assistenztrainer der 1. Liga, stolz. Dennoch – das will er unbedingt erwähnt haben: „Wir sind aber voll integriert beim FC Staad, die Männer und die Frauen harmonieren gut miteinander.“ Meistens ist der Fall umgekehrt: Über die Männerteams eines Vereins weiss man oft mehr als über die weiblichen Vertreterinnen ihres Fachs. Dass man die Ostschweizer Frauen kennt, liegt auch daran, dass sie einen guten Job machen: Im Moment liegt das Fanionteam auf dem vierten Zwischenrang. Letztes Jahr musste die Mannschaft von Andreas Schmid – damals noch trainiert von Neuaarauer Oliver Bless – bis zuletzt um den Einzug in die Finalrunde und den definitiven Ligaerhalt kämpfen. Woran liegt dieser Erfolg in der neuen Saison? „Wir sind stärker geworden und unsere jungen Spielerinnen haben mehr Routine gewonnen durch die Einsätze im letzten Jahr. Aber der Faktor, der hier auch mitentscheidend wirkt, ist der, dass sich die Liga enorm verändert hat.“ Haltner zählt die Erfolge seines Vereins gegen YB und Yverdon auf in der Spielzeit 2011/12. „Wenn diese beiden Teams nicht solche massiven Einschnitte gehabt hätten, würden sie ganz klar vor uns liegen in der Tabelle“, erklärt Haltner, und fügt hinzu: „Trotzdem muss man diese beiden Teams zuerst einmal schlagen. Und das haben wir getan.“ Mit den massiven Einschnitten spielt der Ostschweizer auf die vielen wichtigen Abgänge ins Ausland an, die vor allem die beiden Cupfinalisten YB und Yverdon zu verkraften haben.

Ideale Vereinsgrösse

Luc Haltner, der schon 17 Jahre beim FC Staad mitwirkt, weiss die Situation realistisch einzuschätzen. Denn es gab auch zwei deftige Niederlagen gegen den FCZ und gegen Basel. „Mit den grossen Mannschaften können wir natürlich nicht mithalten.“ Trotzdem scheint er zufrieden mit der Lage seines Clubs, den er selber als „Provinzverein“ bezeichnet: „Als wir noch kleiner waren, suchten einige der besten Spielerinnen wie Ramona Lendenmann oder Nora Häuptle Möglichkeiten, um sich weiter zu entwickeln. Wir konnten ihnen keine Perspektive bieten. Im Moment haben wir eine ideale Grösse, um auch Talente halten zu können. Und doch sind wir nicht so gross und nicht so gut, dass ausländische Vereine an unsere Tür klopfen.“ Stolz ist Haltner auch darauf, dass der FC Staad sowohl im Breiten- wie auch im Spitzensport gut vertreten ist. Mit den vielen Nachwuchsteams – neben der NLA-, und der 1.Liga-Equipe besteht der FC Staad aus U18- und U16-Spielerinnen sowie aus c-, b-, und d-Juniorinnen – sollten die Zukunftsaussichten dieses Vereins doch optimistisch sein. „Wir streben ein stabiles NLA-Team an“, sagt Felix Rüst, Verantwortlicher für den Spitzensport bei Staad. „Dazu wollen wir einen guten Nachwuchs. Wir sind eben ein typischer Ausbildungsverein. Der Übertritt von jungen Talenten in die NLA verläuft reibungslos und stetig, das ist sehr wichtig.“ Ziel für seinen Verein auch längerfristig gesehen sei es, jedes Jahr die Finalrunde zu erreichen und dort die jungen Spielerinnen einzubauen. „Wir werden es kaum je an die Spitze der NLA schaffen“, so Rüst, und weiter: „Das liegt daran, dass wir die besten nicht lange in Staad werden halten können. Deshalb setzen wir auf den eigenen Nachwuchs und profitieren von einem grossen Einzugsgebiet.“ Ergänzend zu diesem wichtigen Punkt erwähnt Luc Haltner, dass kaum je auswärtige Spielerinnen den Weg zum geographisch etwas abgelegenen FC Staad finden werden. Zudem sei es vor einigen Jahren noch viel einfacher gewesen, neue Spielerinnen für den Club zu gewinnen. „Heute ist einerseits der Boom etwas vorbei – zumindest hier am Bodensee. Andererseits gibt es auch immer mehr Vereine in der Umgebung, die sich um den Nachwuchs streiten.“ Die Aussichten für eine junge Spielerin beim FC Staad sind aber verlockend: Welcher Club in der Nähe hat schon ein NLA- und ein 1. Liga-Team zu bieten? Die zweite Mannschaft wird nicht nur für Talente genutzt, sondern auch für NLA-Spielerinnen, die sich verletzten und den Schritt zurück an die Spitze finden wollen.
Möglicherweise kann sich das Team von Andreas Schmid länger als direkter Verfolger hinter dem Spitzentrio Zürich, Kriens und Basel halten. Wenn man die Trainingsmentalität des „Plauschteams“ des FC Staad auf den ganzen Verein übertragen kann, spricht nichts dagegen. Denn wo gibt es sonst „Plauschteams“, die nicht einfach in der untersten Liga Meisterschaft spielen, ohne zu trainieren, sondern zweimal pro Woche trainieren, ohne Meisterschaft zu spielen?

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