Veröffentlicht am: So, 06. November, 2011

FC Jens: Zarte Idylle am Rand

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(mb) Jens ist eine kleine Gemeinde südöstlich von Biel. Ausgesprochen wird Jens nicht wie der Männername, sondern wie eine Ostschweizer Ziege mit J: Jäiss. Tatsächlich liegt Jens am Rand des Seelands und ist darum nach wie vor ländlich geprägt. Die Gemeinde entwickelt sich zwar zu einer Agglomeration von Biel, doch Kurt Messerli, der Trainer der Jäisserinnen, bezeichnet seinen Verein gerade heraus als „kleinen Landverein“.

In Jens hat man schon immer Mädchen in die Juniorenmannschaften integriert. Das reichte allerdings lange nicht, um ein eigenes Frauenteam auf der Stufe B zu führen. Deshalb wanderten die meisten Nachwuchsspielerinnen später zum FC Grünstern ins benachbarte Ipsach ab. Doch als dort der Platz knapp wurde, entschied man sich, die Frauenabteilung wieder nach Jens zu verlegen. So stellte der FC Jens seit 2009 ein Team bei den Aktiven, zuerst in der zweiten Stärkeklasse der 3. Liga, seit der Reorganisation der Ligen nun in der 4. Liga. Man sei nach wie vor knapp an Spielerinnen, sagt Messerli – nicht zuletzt, weil Jens schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden ist. Den Resultaten ist der Persinalmangel allerdings nicht anzusehen. In den beiden gespielten Saison erreichte Jens solide Mittelfeldränge, einmal als sechster, einmal als fünfter. Logisch, gibt Messerli für die laufende Spielzeit das Ziel aus, den eingeschlagenen Weg fortzuführen und sich wieder um einen Rang zu verbessern.

Sollte das gelingen, wäre Jens immer noch relativ weit von einem allfälligen Aufstieg entfernt. Pro Gruppe steigt nur ein Team in die 3. Liga auf. Grosse Erfolge müssen sich die Jäisserinnen also auf anderem Weg erarbeiten. Wie das geht, haben sie erst kürzlich gezeigt. Anfang August empfing der FC Jens die Frauen des FC Steffisburg in der 1. Vorrunde des Berner Cups. Steffisburg ist letzten Sommer in die 2. Liga aufgestiegen und ging daher als klarer Favorit in die Partie. Nach einer Stunde Spielzeit deutet nach wie vor wenig auf eine Überraschung hin, Steffisburg führte 3:1. Zwar deuten die Steffisburgerinnen in ihrem Spielbericht an, bereits in der Pause, der kurzen Vorbereitung wegen, geahnt zu haben, das Tempo nicht halten zu können, dass es ihnen aber gleich so schlecht ergehen sollte, hätten sie wohl doch nicht für möglich gehalten. Zwischen der 65. und der 75. Minute nämlich drehten die Jäisserinnen das Spiel nämlich komplett und lagen plötzlich 4:3 in Führung. Steffisburg, jetzt wirklich am Ende seiner Kräfte, konnte nicht mehr reagieren und kassierte kurz vor Schluss sogar noch das fünfte Tor. Jens feierte einen grossen Erfolg – musste ihn aber in der nächsten Runde teuer bezahlen. Gegen den FC Walperswil aus der 1. Liga setzte es nicht nur eine 1:12 Niederlage ab, in diesem Spiel verletzten sich auch nicht weniger als drei Spielerinnen so schwer, dass sie für die ganze restliche Spielzeit ausfallen.

Das Verhältnis zu Walperswil ist für Jens ohnehin nicht ganz problemlos, wie Messerli erklärt. Walperswil, auch nur wenige Kilometer neben Jens gelegen, ist der führende Frauenfussballverein der Region und ist mit YB eine Partnerschaft eingegangen. Viele junge Spielerinnen zieht es dorthin, genügen sie den schon fast leistungssportlichen Ansprüchen in Walperswil aber nicht, kehren sie nicht in den Breitensport zurück, sondern wenden sich ganz vom Fussball ab. „Ich habe grossen Respekt vor der Arbeit, die in Walperswil geleistet wird“, sagt Messerli, „aber für manche Mädchen ist es einfach ein bisschen zu viel“. Er sieht sein Team als Alternative für jene, die aus Spass Fussball spielen wollen. Was nicht bedeutet, dass in Jens nicht ernsthaft an die Sache herangegangen würde. So finden sich im Jäisser Team Spielerinnen, die für Furore sorgen können. Romina Vogel zum Beispiel: Die Stürmerin hat in 51 Spielen 68 Tore geschossen. Sieht man sie spielen, muss man annehmen, das hänge auch ein bisschen mit der Qualität ihrer Gegnerinnen zusammen. Vogel ist zwar schnell, fällt aber leicht und kann physisch nicht immer dagegen halten. Dafür sucht sie stets das Tor und denkt vermutlich schon an den Abschluss, wenn andere noch damit beschäftigt sind, die Situation ganz zu erfassen. Vogel ist ein gutes Beispiel für die Attraktivität des Breitenfussballs, wo Spielerinnen glänzen können, die nicht ganz alles haben, um auf oberster Stufe mithalten zu können. Auch solchen bietet der FC Jens eine Heimat.


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